„Riesen-Handlungsdruck“

Kretschmann will entscheiden: Lockern mit Tests oder „noch monatelanger Lockdown“

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Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist noch immer nicht unter Kontrolle. Angesichts steigender Neuinfektionen will Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Strategie überdenken.

Stuttgart - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt im Moment wieder deutlich an. Nicht nur im Südwesten, sondern auch auf Bundesebene wird deshalb heftig über die weitere Vorgehensweise im Kampf gegen das Coronavirus diskutiert.

Lockerungen, wie es der Stufen-Plan vorgesehen hatte, scheinen auf absehbare Zeit vom Tisch. Aber zu den weiteren Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg herrscht Verwirrung. Nach dem Lockdown-Chaos wurde die Osterruhe gekippt, Winfried Kretschmann entschuldigte sich. Laut Deutscher Presseagentur (dpa) sieht der Ministerpräsident Baden-Württembergs deshalb jetzt „Riesen-Handlungsdruck“.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lockdown oder Lockerung mit Teststrategie

„Jetzt ist die Osterruhe weggefallen, aber es ist ja dafür noch gar kein Ersatz da“, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann der dpa. Er müsse sich nun wirklich „den Kopf zerbrechen“, was bis Ostern geschehen solle und was danach. Es gehe darum zu entscheiden, ob man mit einer groß angelegten Teststrategie perspektivisch lockern könne oder „ob wir tatsächlich monatelang im Lockdown bleiben“.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann muss sich „den Kopf zerbrechen“: Gibt es im Südwesten Lockerungen mit Corona-Tests oder einen langen Lockdown?

Derzeit spricht nur wenig für Lockerungen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Baden-Württemberg inzwischen bei 115,3. Etwa die Hälfte der Stadt- und Landkreise liegt über 100 Neuinfektionen pro 100.00 Einwohner. „Dann ist das Land ja bald flächendeckend unter der Notbremse“, warnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann deshalb. Sollten die Werte drei Tage in Folge so bleiben, müssen die Kreise schon bestehende Öffnungen wieder rückgängig machen.

Winfried Kretschmann über Coronavirus in Baden-Württemberg: Hoffnung auf Tübinger System

Zunächst will Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dafür sorgen, „dass die Notbremse auch gemacht und durchgesetzt wird“. Darüber Hinaus erhofft sich der Grünen-Politiker auch Erkenntnisse aus dem Modellprojekt in Tübingen, wo Shoppen für Einkaufstouristen mit negativem Coronatest erlaubt ist. „Dann können wir nochmal gucken, was wir mit dem Erfahrungshintergrund machen können“, erklärte Kretschmann der dpa.

Die Corona-Strategie Tübingens gilt bundesweit als Vorbild, viele Städte und Gemeinden wollen dem Projekt nacheifern. Die Öffnung mit negativen Tests sorgte aber auch für Diskussionen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte Tübingens Modellprojekt für gescheitert. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer wehrte sich dagegen.

Coronavirus an Schulen in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann unter Druck

Große Sorgen bereiten Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann außerdem die Schulen im Südwesten. Wie es mit Schulöffnungen und Unterricht in Baden-Württemberg nach Ostern weitergeht, stiftet seit Tagen Verwirrung.

Wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt, hatte Winfried Kretschmann angekündigt, alle Kinder und Jugendlichen nach den Osterferien zumindest im Wechsel wieder in ihre Schulen zu schicken. „Da müssen wir nochmal gucken, was können wir inzidenzunabhängiger mit Teststrategien erreichen“, erklärte er der dpa.

Die Entscheidung sei nicht einfach, weil die Mutanten auch bei jungen Menschen viel ansteckender seien als das ursprüngliche Coronavirus. „Wir sind unter hohem Entscheidungsdruck“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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