Covid-19 bedroht Zoos

Notschlachtung wegen Coronavirus: Direktor der Wilhelma Stuttgart macht eine klare Ansage

  • Marleen van de Camp
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind die Zoos geschlossen und haben keine Einnahmen. Manche Tierparks wägen Notschlachtungen von Tieren ab. Der Direktor der Wilhelma Stuttgart bezog nun Stellung.

  • Um die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, sind nicht nur Geschäfte und Sportanlagen geschlossen, sondern auch die Zoos wie die Wilhelma in Bad-Cannstatt
  • Da die Einnahmen fehlen, stehen viele Tierparks vor finanziellen Problemen. Einige denken deshalb sogar schon über die Notschlachtung von Tieren nach.
  • Thomas Kölpin, Direktor der Wilhelma in Stuttgart, äußerte sich nun dazu, ob auch in seinem Zoo Notschlachtungen zu befürchten sind.

Stuttgart - Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind die Zoos zur Zeit geschlossen. Das Privileg, die Affen in der Wilhelma in Stuttgart singen zu hören - wie in dem obigen Video - wird also in der nächsten Zeit wohl allein den Tierpflegern vorbehalten bleiben. Manche Zoos, die wegen der Coronakrise wie leergefegt sind, lassen ungefährliche Tiere ganz entspannt durch ihre Gebäude spazieren - wie zum Beispiel die Pinguine im Shedd Aquarium in Chicago.

Für andere Tiere in Zoos könnte die Coronakrise leider in einer Katastrophe enden - sie könnten getötet werden. Der Grund: Das Coronavirus hat fatale Folgen für die Wirtschaft. Da geschlossenen Zoos die Einnahmen fehlen, geraten viele Einrichtungen in finanzielle Bedrängnis.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Der Direktor der Wilhelma Stuttgart nimmt zu möglichen Notschlachtungen Stellung

Dabei sind Tierparks natürlich auf Einnahmen angewiesen, um ihre Tierpfleger, Gärtner und andere Angestellte zu bezahlen und die Anlagen zu erhalten. Auch das Tierfutter ist ein großer Kostenfaktor. Der Zoo Saarbrücken verfüttert zum Beispiel laut seiner Website pro Jahr 15.000 Kilo Gemüse, 5.500 Heuballen, 4,5 Tonnen Fleisch und riesige Mengen von Insekten, Fischen, Obst und anderen Futtermitteln. All diese Ausgaben werden trotz Coronavirus in Baden-Württemberg fällig. Auch in der Wilhelma, die zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Stuttgart gehört.

Wenn ein Tierpark es sich nicht mehr leisten kann, die benötigten Mengen an Futter zu kaufen, drohen die Tiere zu verhungern. Darum rechnen einige Zoos jetzt schon damit, Tiere notschlachten zu müssen, um sie vor einem qualvollen Hungertod zu bewahren.

Die Direktorin des Zoos Neumünster in Schleswig-Holstein sagte zum Beispiel gegenüber Welt, es gäbe in ihrem Zoo eine Liste mit Tieren, die als erstes geschlachtet werden müssten. In der Empörungswelle, die diese Aussage deutschlandweit auslöste, erkundigten sich die Stuttgarter Nachrichten bei Thomas Kölpin, dem Direktor des Zoos von Stuttgart, ob Notschlachtungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg auch in seiner Wilhelma zu befürchten seien.

Coronakrise in Baden-Württemberg: Eisbären fressen viel, brauchen große Mengen Wasser und Bewegungsfreiheit. In der Wilhelma in Stuttgart sind sie sicher.

Die Antwort des Wilhelma-Direktors Kölpin fällt klar aus: „Bei uns ist ein solches Planspiel überhaupt nicht denkbar. Wir haben verschiedene Maßnahmen getroffen, um Geld einzusparen, wir haben auch noch Rücklagen, die uns über Wasser halten können. Wenn vielleicht Corona mehr als zwei Jahre dauert, dann mag das anders sein, aber in der derzeitigen Situation denkt hier niemand ans Verfüttern oder Töten von Tieren, davon sind wir sehr, sehr weit entfernt.“ Stuttgarter Fans der Wilhelma können also aufatmen - wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg vielleicht am besten durch einen Mundschutz.

Es gibt noch weitere Beispiele für Unternehmen im Ländle, die der Covid-19-Pandemie trotzen. So geht zum Beispiel der Outdoor-Anbieter Vaude aus Baden-Württemberg ganz anders mit dem Coronavirus um als Adidas, H&M und andere Großkonzerne. Ein anderen Beispiel kommt aus Mannheim: Ein hiesiges Startup hat aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg mehr zu tun als je zuvor.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa/picture alliance

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