Südwest-Wirtschaft in der Krise

Coronavirus treibt in Baden-Württemberg viele Branchen an den Rand des Ruins

Am letzten Samstag vor Weihnachten ist in der Stuttgarter Innenstadt nur wenig los, da die meisten Einkaufsläden wegen des aktuell harten Lockdowns geschlossen sind.
+
Durch die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg stehen viele Händler vor dem Ruin.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Die Wirtschaft im Südwesten hat in diesem Jahr massiv unter dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu leiden. Einige Branchen brachte die Krise sogar an den Rand des Ruins.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg führte zu massiven Änderungen des alltäglichen Lebens. Vor allem durch die hohe Übertragungsgefahr der Lungenkrankheit von Mensch zu Mensch musste sich die Bevölkerung im Laufe des Jahres immer wieder auf neue Maßnahmen zum Infektionsschutz einstellen.

Für die Wirtschaft in Stuttgart und dem ganzen Südwesten war und ist die Corona-Krise jedoch ein besonders harter Schlag. Einige Händler brachten die Einschränkungen sogar an den Rand des Ruins, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Baden-Württemberg findet ihr in unserem Ticker.

Seit dem 16. Dezember herrscht aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ein landesweiter Lockdown. Es ist bereits der zweite innerhalb eines Jahres. Einige Branchen mussten bereits vor diesem Termin schließen. Viele Händler im Land versuchen aktuell, ihre Ware zumindest online anzubieten. Das ist jedoch eine schwierige Aufgabe, wie die Badische Zeitung (BZ) berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Hotelgewerbe und Handel leidet besonders unter der Krise

Das Hotel- und Gastrogewerbe hatte seit Beginn der Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg mit massiven Problemen zu kämpfen. Hotels, Restaurants, Bars und Kneipen mussten von März bis Mitte Mai komplett geschlossen bleiben und sind auch seit November noch vor dem offiziellen harten Lockdown wieder geschlossen. „Die Lage ist für die Branche seit dem Ausbruch der Corona-Krise katastrophal“, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes Dehoga. Er rechnet für das Jahr 2020 mit Umsatzeinbußen von über vier Milliarden Euro. Einige Betriebe dürften ihre Insolvenz zumindest aufschieben, wie viele sei aktuell noch unklar, berichtet die dpa.

Auch der Einzelhandel war und ist drastisch von den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen. Der Handelsverband Baden-Württemberg rechnete vor einiger Zeit mit rund 6.000 Insolvenzen in den nächsten zwei Jahren. Inzwischen geht der Verband davon aus, dass 12.000 Händler den zweiten Lockdown nicht überleben werden. Durch den zweiten Lockdown fiel für viele das wichtige Weihnachtsgeschäft weg.

Einige Händler versuchen nun, ihre Ware zumindest über Online-Plattformen zu verkaufen. Lokale Plattformen haben es auch aufgrund der Dominanz vom Handelsriesen Amazon sehr schwer. „Das Grundproblem ist, dass man eine große Auswahl bieten muss, wenn man quasi als Amazon im Lokalformat für den Kunden attraktiv sein will“, sagte Peter Spindler, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden der BZ. Gerade regionale Händler hätten es da sehr schwer.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Umsatzeinbüße der Autohersteller hat Auswirkungen auf Zulieferer

Baden-Württemberg gilt als Autoland, doch auch die gesamte Autobranche im Südwesten hatte in diesem Jahr wenig zu lachen. Die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart befand sich bereits vor der Pandemie in der Krise, das Coronavirus in Baden-Württemberg verstärkte diese jedoch noch. Durch den monatelangen Produktionsstillstand rutschte der Autobauer zwischenzeitlich massiv in die roten Zahlen. Inzwischen konnte Daimler die ganz großen Verluste zwar wieder aufholen und rechnet zum Jahresende mit einem operativen Gewinn. Für den weltbekannten Konzern war es bis dahin jedoch ein langer und mühsamer Weg, der viele Stellen- und Jobverluste zur Folge hatte.

Der Porsche AG aus dem Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen gelang in diesem Jahr dagegen etwas, was in der Autobranche einmalig ist. Der Sportwagenhersteller machte in der Corona-Krise einen Milliardengewinn und hängte andere Automarken ab. Dennoch musste sich auch Porsche von der Rendite-Zielmarke von 15 Prozent verabschieden und plant nun mit mindestens zehn Prozent. Im direkten Vergleich zu anderen Herstellern ist das sehr beachtlich, für Porsche-Verhältnisse dagegen eher dürftig, wie die dpa berichtet.

Doch nicht nur die Hersteller leiden unter den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg. Die Autobauer ziehen durch die wirtschaftliche Lage auch Zulieferer wie Mahle aus Stuttgart oder Mann+Hummel aus Ludwigsburg mit in die Krise.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Historisch schlechte Zahlen für Flughäfen im Land

Durch die Corona-Pandemie waren Reisen monatelang nicht möglich. Das machte sich auch bei den Fluggesellschaften und den Flughäfen im Südwesten bemerkbar. Der Flughafen Stuttgart, der Bodenseeairport Friedrichshafen und der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden melden historisch schlechte Zahlen. Das Passagieraufkommen sei um 75, der Umsatz sogar um 80 Prozent gesunken. Allein im größten Flughafen des Landes - dem Flughafen Stuttgart - seien im Jahresvergleich rund drei Viertel weniger Passagiere zu verzeichnen gewesen. Die Zahlen des Jahres 2019 werden laut Schätzungen der Airport-Chefs im Südwesten erst Mitte der 2020er Jahre wieder erreicht werden.

Der größte Kunde der Flughäfen, Lufthansa ist mit dem Tochter-Unternehmen Eurowings auch stark in der Landeshauptstadt vertreten. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg und weltweit will der Konzern mindestens 150 Flugzeuge der Flotte nicht mehr abheben lassen und Zehntausende Jobs streichen.

Kommentare