Corona-Impfung bei Kindern

„Sehr sensibler Akt“: Chef der Impfkommission sieht Impfungen bei Kindern ab 7. Juni kritisch

An Kim Gühler wird im Messezentrum eine Impfung simuliert.
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Ab dem 7. Juni sollen in Baden-Württemberg auch Kinder gegen Corona geimpft werden - ein Ulmer Virologe sieht das kritisch.
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Die Regierung will ab dem 7. Juni auch Kinder gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg impfen lassen - der Chef der Ständigen Impfkommission sieht das jedoch kritisch.

Stuttgart/Ulm - Seit dem Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg im Dezember vergangenen Jahres wird die Priorisierung immer weiter aufgelöst. Zunächst sollten vor allem alte Menschen und solche mit einer Vorerkrankung eine Impfmöglichkeit erhalten.

Eine Impfreihenfolge war zunächst auch deshalb wichtig, weil es nicht ausreichend Kapazitäten für die Impfung der gesamten Bevölkerung gab. In den Kreisimpfzentren wie in der Landeshauptstadt Stuttgart oder anderen großen Städten im Südwesten war zudem auch der Impfstoff knapp. Seit April impfen jedoch auch die Hausärzte in Baden-Württemberg und inzwischen sind für eine Corona-Impfung Vakzine von vier Herstellern zugelassen.

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg wurde der Impfstoff von Astrazeneca vor einigen Tagen für alle freigegeben. Zumindest politisch, denn die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das Vakzin nach wie vor für Personen ab 60 Jahren.

Dennoch ist es inzwischen auch für die jüngere Bevölkerung möglich, einen Termin für eine Schutzimpfung gegen Covid-19 zu erhalten. Kinder waren bislang jedoch außen vor, was sich laut einem Regierungsbeschluss am 7. Juni ändern soll. Dann sollen zumindest Kinder und Jugendliche ab einem Alter von 12 Jahren eine Impfmöglichkeit erhalten. Thomas Mertens, Ulmer Virologe und Chef der Stiko sieht das jedoch kritisch, wie er dem Südwestrundfunk (SWR) sagte.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Noch keine Empfehlung für Impfung bei Kindern

Die Entscheidung, Kinder bereits in wenigen Tagen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg impfen zu wollen, führte zu regen Diskussionen. Die Debatte über Corona-Impfungen für Kinder käme „völlig zu Unzeiten“, sagte ein Reutlinger Kinderarzt.

Laut dem Beschluss von Bund und Ländern sollen Kinder ab 12 Jahren vorzüglich in Hausarztpraxen geimpft werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestätigte, dass Kinder mit einer Vorerkrankung bevorzugt geimpft werden sollen, wie die Badische Zeitung berichtet.

Das werde jedoch erst umgesetzt, wenn die Stiko auch in ihrer Empfehlung dazu rate. Thomas Mertens sieht die Lage derzeit jedoch noch kritisch. „Dazu muss geklärt sein, welchen gesundheitlichen Nutzen die Kinder selber von einer Impfung haben“, sagte der Ulmer Virologe dem SWR.

Die bisherige Zulassungsempfehlung einer Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg basiere bislang nur auf einer Studie mit 1.100 Kindern, die geimpft und anschließen zwei Monate lang beobachtet wurden, sagte Thomas Mertens. Es gebe einen Bedarf an weiteren Daten, erst dann werde die Stiko eine Empfehlung aussprechen.

„Die Impfung von Kindern ist ein sehr sensibler Akt“, erklärte Angela Merkel. Die Stiko werde sich deshalb mit der Frage beschäftigen, wie hoch der Eingriff und wie hoch der Nutzen sei. Die Kommission werde sich für eine Empfehlung von der Frage leiten lassen: „Was bedeutet das für das einzelne Kind?“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Impfnachweis keine Voraussetzung für Schulbesuch

Eine Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg bringt inzwischen mehr Vorteile als nur einen Schutz gegen eine Ansteckung. Seit dem 9. Mai gibt es umfassende Freiheiten und Lockerungen für Geimpfte. Mit einem Impfnachweis sind inzwischen in weiten Teilen des Landes auch Besuche der Gastronomie und Handelsbetriebe möglich.

Eine Impfpflicht für den Schulbesuch ist jedoch nicht geplant. „Ein sicherer Schulbetrieb wird auch in Zukunft völlig unabhängig von der Frage sein, ob ein Kind geimpft ist oder ob ein Kind nicht geimpft ist“, machte Angela Merkel deutlich. Aufgrund der Impfstoffknappheit gelte das für Kita- und Grundschulkinder ohnehin. „Es soll auch kein indirekter Zwang entstehen.“

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