Keine einheitliche Strategie

Landesregierung hält sich raus: Schulen sollen sich selbst um Corona-Schnelltests kümmern

  • Valentin Betz
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An Schulen findet wieder Präsenzunterricht statt. Schnelltests sollen helfen, das Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen - doch die sind ein organisatorisches Wirrwarr.

Stuttgart/Tübingen - Nach über einem Jahr mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg lernt die Gesellschaft immer noch, richtig mit der Pandemie umzugehen. Die Maßnahmen wurden wiederholt angepasst, die Kritiker sind nie verstummt.

Zuletzt führte das Land trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg und steigenden Inzidenzen wieder den Präsenzunterricht ein. Eltern waren darüber wütend, weil die Schulen ohne klares Konzept öffneten. Um Sicherheit vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu gewährleisten, sollen an den Schulen Schnelltests durchgeführt werden. Doch die Umsetzung ist im Südwesten ein einziges Durcheinander.

Corona-Schnelltests in Baden-Württemberg: Schulen werden mit der Umsetzung alleine gelassen

Eine einheitliche Vorgabe für die Durchführung der Corona-Schnelltests an Schulen in Baden-Württemberg gibt es nicht. In der Landeshauptstadt Stuttgart steht nach Angaben der Stuttgarter Zeitung inzwischen fest, dass jede Schule den Ablauf der Tests selbst organisieren muss.

Die Stadt Stuttgart stellt dafür 100.000 Corona-Schnelltests zur Verfügung. Ansonsten bleibt es allerdings bei reinen Empfehlungen für die Schulen. Zweimal pro Woche sollte auf freiwilliger Basis ein nasaler Abstrich gemacht werden, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Durchführen sollen diesen die Schüler selbst - unter Beaufsichtigung. Wer die Schüler beaufsichtigt und wo die Schüler den Corona-Selbsttest machen, ist den Stuttgarter Schulen überlassen.

Schnelltests in Baden-Württemberg: Die Durchführung bleibt den Schulen im Südwesten selbst überlassen.

In Stuttgart gehen die Meinungen über die Eigenverantwortung der Schulen bei den Corona-Schnelltests auseinander. Während die geschäftsführende Leiterin der Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen die Entscheidung der Stadt laut Stuttgarter Zeitung begrüßt, beschwert sich der Gesamtelternbeirat über die mangelnde Kommunikation.

Coronatests an Schulen in Baden-Württemberg: Freiburg und Tübingen wählen eigene Strategie

Die Städte Freiburg und Tübingen gehen bei Corona-Schnelltests an Schulen anders vor, als die Landeshauptstadt Stuttgart. Laut der Badischen Zeitung kommen in Freiburg die sogenannten Lollitests nach dem „Kölner Modell“ zum Einsatz. Alle etwa 40.000 Schüler sollen damit einmal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden - beaufsichtigt durch das Gesundheitsamt und die Uniklinik Freiburg.

Tübingen bietet bereits seit Mitte Februar freiwillige Testangebote für Schüler im Präsenzunterricht an, darunter Abschlussklassen und Grundschulen. Laut den Stuttgarter Nachrichten kommen die Corona-Schnelltests bereits flächendeckend zum Einsatz. Die Schüler der 5. und 6. Klasse sollen mit einbezogen werden, nachdem sie seit vergangenen Montag wieder am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Einverständniserklärung der Eltern.

Wie auch in Stuttgart finden die Corona-Schnelltests in Tübingen unter Aufsicht statt, wobei sich das Personal und ältere Schüler selbst testen. Nur bei den Grundschülern wird der Test von Eltern durchgeführt. Obwohl das Angebot in Tübingen gut wahrgenommen wird, kritisiert Kultur- und Ordnungsbürgermeisterin Daniela Harsch gegenüber den Stuttgarter Nachrichten die Landesregierung: Eigentlich müsste die Regierung für die Logistik sorgen und die Tests an die Schulen bringen.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle

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