Infektionsgeschehen in Stuttgart

Stuttgart: Diese Stadtteile wurden vom Coronavirus besonders schwer getroffen

Eine Karte zeigt, in welchen Stadtvierteln der Landeshauptstadt Stuttgart das Coronavirus besonders wütet.
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Eine Studie zeigt, in welchen Stadtvierteln der Landeshauptstadt Stuttgart das Coronavirus besonders wütet.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Täglich meldet das Landesgesundheitsamt eine hohe Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg - in einigen Stuttgarter Stadtteilen wütet das Virus laut einer Studie besonders stark.

Stuttgart - In der seit über einem Jahr anhaltenden Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg sind die Infektionszahlen des Landesgesundheitsamtes und auch die 7-Tage-Inzidenz des Robert Koch-Institutes zum ständigen Begleiter geworden. Anhand dieser Angaben entscheidet auch die Regierung, ob Maßnahmen zum Infektionsschutz gelockert oder erneut verschärft werden. Auf der Seite des Landes Baden-Württemberg sind die Inzidenzzahlen der einzelnen Stadt- und Landkreise angegeben. In der Landeshauptstadt Stuttgart, der größten Stadt im Südwesten, liegt die Inzidenz derzeit bei 215,3 (Stand: 5. Mai, 16 Uhr).

Das Coronavirus in Stuttgart verbreitet sich auch innerhalb der Landeshauptstadt unterschiedlich schnell. Eine Studie des Statistischen Landesamtes und des Gesundheitsamtes zeigt nun, in welchen Stuttgarter Stadtteilen das Virus besonders stark wütet. Laut den Ergebnissen begünstigen gewisse soziale und gesellschaftliche Faktoren die Ausbreitung von Covid-19 besonders. Die Stadt Stuttgart fasste die Ergebnisse der Studie in einer Pressemitteilung auf der Homepage zusammen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Studie zur Verbreitung in der Landeshauptstadt

Die Studie des statistischen Amtes und des Gesundheitsamtes untersuchte die rund 18.000 Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg im ersten Jahr der Krise in der Landeshauptstadt Stuttgart. Dazu wurde das Infektionsgeschehen in allen 436 Stadtvierteln analysiert und nach bestimmten Faktoren und Kategorien unterschieden. „Es war uns wichtig, einen Überblick zu erhalten, in welchen Stadtbezirken das Infektionsgeschehen gehäuft auftritt, um daraus geeignete Maßnahmen ableiten zu können“, sagte Stuttgarts Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration, Alexandra Sußmann, bei der Vorstellung der Studienergebnisse am Mittwoch.

Durch die Ergebnisse der Studie habe man wichtige Erkenntnisse über die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg in den einzelnen Stuttgarter Stadtvierteln erhalten. Das zeige die Notwendigkeit, die Bürger der Landeshauptstadt in den besonders betroffenen Bezirken zielgruppenbezogen zu informieren und zu sensibilisieren, sagte Alexandra Sußmann laut der Pressemitteilung der Stadt. „Wir werden kurzfristig gerade in strukturschwachen Stadtvierteln unsere Aufklärungskampagne intensivieren und erforderliche Maßnahmen einleiten.“ Laut der Studie gibt es ein erhöhtes Infektionsgeschehen in den strukturell schwächeren Bezirken der Schwaben-Metropole.

Studie zum Coronavirus in Stuttgart: Beengte Wohnverhältnisse und Umweltfaktoren beeinflussen Infektionsgeschehen

Die Landeshauptstadt Stuttgart ist die am dichtesten besiedelte Stadt im Südwesten und auf Platz 6 der am dichtesten besiedelten Gemeinden Deutschlands. 3.067 Bürger leben in der Metropole auf einem Quadratkilometer. Die dichte Besiedelung beeinflusst laut der Studie auch die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. „Unser kleinräumiger Ansatz zeigt, dass strukturschwache Stadtviertel ein erhöhtes Infektionsgeschehen aufweisen“, sagte Markus Niedergesäss, Mitautor der Studie. „Kennzeichen für diese Bereiche sind beengte Wohnverhältnisse und ein hoher Anteil an benachteiligten Bevölkerungsgruppen, auch Umweltfaktoren wie Lärm finden Niederschlag im Infektionsgeschehen.“ Die Analyse beziehe sich jedoch auf lokale Strukturen, Rückschlüsse auf ein individuelles Infektionsrisiko seien nur bedingt möglich.

In der Studie zur Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg in den einzelnen Stadtteilen Stuttgarts haben die Statistiker zunächst den Anteil der Einwohner eines Bezirks mit dem Anteil an positiven Fällen verglichen. Bezogen auf den Bevölkerungsanteil gab es in den Stadtteilen Mühlhausen, Feuerbach, Zuffenhausen und Bad Cannstatt überdurchschnittlich viele positive Fälle. In den Stuttgarter Bezirken Sillenbuch, Möhringen, Süd, Vaihingen und West wurden bezogen auf den Bevölkerungsanteil dagegen weniger Ansteckungen registriert.

Coronavirus in Stuttgart: Analyse der Stadtviertel zeigt beeinflussende Faktoren

Im Rahmen der Studie wurde festgestellt, dass bestimmte Faktoren das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg in den Stuttgarter Stadtbezirken signifikant nach oben trieben. „Stadtbezirke sind in sich sehr heterogen und daher als Analyseeinheit nur bedingt geeignet“, erklärte Ansgar Schmitz‐Veltin, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Befragungen im Statistischen Amt. Deshalb habe man sich im Rahmen der Studie die Stadtviertel der Landeshauptstadt genauer angeschaut. „Bei diesem kleinräumigen Herangehen zeigt sich ein erhöhtes Infektionsgeschehen entlang des Neckars von Obertürkheim im Osten bis Mühlhausen im Norden sowie einzelne Hotspots in Zuffenhausen, Feuerbach und Weilimdorf“, so Schmitz-Veltin weiter.

Diese Faktoren beeinflussen laut Studie das Infektionsgeschehen in Stuttgart:

  • 1. Stadtviertel mit einem erhöhten Anteil an Pflegeheimbewohnern in Bezug auf die Gesamtbevölkerung begünstigen ein erhöhtes Infektionsgeschehen.
  • 2. Stadtviertel mit einem erhöhten Anteil an Einpersonenhaushalten in Bezug auf alle Haushalte begünstigen ein geringeres Infektionsgeschehen.
  • 3. Stadtviertel mit einem erhöhten Anteil an Nicht-EU-Ausländern (inkl. Bewohnern von Flüchtlingsunterkünften) in Bezug auf die Gesamtbevölkerung begünstigen ein erhöhtes Infektionsgeschehen.
  • 4. Stadtviertel mit einem erhöhten Anteil an BonusCard-Inhabern in Bezug auf die Gesamtbevölkerung begünstigen ein erhöhtes Infektionsgeschehen.
  • 5. Stadtviertel mit einem erhöhten Anteil an Eingliederungshilfe-Bewohnern in Bezug auf die Gesamtbevölkerung begünstigen ein erhöhtes Infektionsgeschehen.
  • 6. Stadtviertel mit einem erhöhten Anteil an Nachtlärm-Betroffenen in Bezug auf die Gesamtbevölkerung begünstigen ein erhöhtes Infektionsgeschehen.

(Quelle: stuttgart.de)

Coronavirus in Baden-Württemberg: Drei Prozent der Stuttgarter innerhalb eines Jahres erkrankt

Die Ergebnisse der Studie über die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg in Stuttgart beziehen sich jedoch nur auf die einzelnen Stadtviertel-Ebenen, heißt es in der Pressemitteilung. So bedeute ein erhöhtes Infektionsgeschehen in Stadtvierteln mit einem hohen Anteil an Nicht-EU-Bürgern nicht, dass diese Bevölkerungsgruppe auch stärker von den Infektionen betroffen ist. Demnach müssen die Maßnahmen auf alle Bürger des jeweiligen Stadtviertels angepasst werden, da dort alle betroffen seien.

„In einem Jahr sind drei Prozent aller Stuttgarterinnen und Stuttgarter am Coronavirus erkrankt“, sagte Stefan Ehehalt, Leiter des Gesundheitsamts. „Die Krankheit betrifft unsere gesamte Stadtgesellschaft“. Die Studie ließe deshalb keine individuellen Schlussfolgerungen zu, zeige aber, dass die soziale Lage und die Lebensumstände wichtige Kriterien seien.

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