„Kein-Masken-Ball“

Stuttgart für Querdenken-Demo verspottet: Gesetzesverstoß erlaubt, „wenn genug mitmachen“

Menschenmenge der „Querdenken-“Demonstration in Stuttgart.
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„Kein-Masken-Ball“: Die Satiresendung „Extra 3“ zog über die „Querdenken“-Demonstration in Stuttgart her.
  • Valentin Betz
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Die „Querdenken“-Demo in Stuttgart sorgte für viel Kritik und Diskussionen. Jetzt ist auch die Satiresendung „Extra 3“ über die Veranstaltung und die Stadt hergezogen.

Stuttgart - Weil sie mit den Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg nicht einverstanden sind, gingen am vergangenen Wochenende Tausende Menschen in der Landeshauptstadt Stuttgart auf die Straße. Doch die Corona-Demo in Stuttgart geriet außer Kontrolle: Journalisten wurden beschimpft, Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht nicht eingehalten und die Polizei schritt nicht ein. Der Stuttgarter Stadtrat Luigi Pantisano bezeichnete die Demonstration der „Querdenker“ sogar als „unerträglichen Skandal“. Ein Stuttgarter Café bekam Kritik in den sozialen Medien, weil es die Teilnehmer der Veranstaltung bediente.

Fast eine Woche nach der „Querdenken“-Demo in Stuttgart ist deren Ausmaß noch immer Gesprächsthema: Die Satiresendung „Extra 3“ nahm sich die Veranstaltung zur Brust und hatte nur Spott für deren Teilnehmer, die Stadt Stuttgart und die Polizei übrig.

„Querdenken“-Demo in Stuttgart: Sendung verpackt massive Kritik in Satire

Die Satiresendung „Extra 3“ beschäftigt sich regelmäßig mit Themen aus den Nachrichten in ganz Deutschland. In der Ausgabe vom Donnerstag hatte es Moderator Christian Ehring auch auf die „Querdenken“-Demo gegen die Corona-Maßnahmen in Stuttgart abgesehen.

Der Beitrag über die Veranstaltung startete direkt mit jeder Menge Spott: „Wenn Sie Ihre Familie demnächst mal wieder im großen Kreis sehen wollen, dann gehen Sie doch einfach mal zusammen zu einer ‚Querdenken‘-Demo“, so Moderator Christian Ehring. Weil bei der Demonstration Schutzmaßnahmen praktisch gänzlich missachtet wurden, bezeichnete „Extra 3“ sie als „Stuttgarter Kein-Masken-Ball“.

Tatsächlich wird bereits befürchtet, die Querdenken-Demo in Stuttgart könnte zum „Superspreading-Event“ werden. Entsprechend wenig Verständnis zeigt Christian Ehring für das Verhalten der Teilnehmer: „Wir lernen: Man darf in Deutschland gegen das Gesetz verstoßen, wenn nur genügend Menschen mitmachen.“

Kein Verbot der „Querdenken“-Demo: Argumentation der Stadt Stuttgart wirkt halbherzig

Ein Kern der Diskussion um die „Querdenken“-Demo in Stuttgart ist die Frage, warum die Stadt die Veranstaltung nicht einfach verboten hat. Die Argumentation von Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Clemens Maier wird in der Sendung von „Extra 3“ allerdings von Christian Ehring auseinander genommen.

„Nach der Aktenlage hatten wir keine Veranlassung, dem Anmelder zu unterstellen, dass er die Corona-Auflagen nicht einhalten wird“, erklärt Clemens Maier im Video. Christian Ehring kann angesichts dieses Arguments kaum an sich halten. „Dazu gab‘s keine Veranlassung, das zu unterstellen“, sagt er, „außer, dass es bislang bei wirklich jeder Veranstaltung dieser Art der Fall war.“

Danach zeigt „Extra 3“ ein Medley aus vergangenen „Querdenken“-Demonstrationen in ganz Deutschland. Deren Gemeinsamkeit: Die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg und deutschlandweit wurden überall nicht eingehalten. Inzwischen hat die Stadt Stuttgart nachgelegt: Oberbürgermeister Frank Nopper verbot künftige Querdenker-Demos in Stuttgart.

Satiresendung über „Querdenken“-Demo: Auch Polizei Stuttgart gibt kein gutes Bild ab

„Extra 3“ lässt auch das Verhalten der Polizei während der „Querdenken“-Demo in Stuttgart nicht außen vor. „Hat die Polizei gepennt? Also etwas vehementer hätte man schon auf Hygienevorgaben bestehen können“, so Moderator Christian Ehring. Die Satiresendung geht auch auf ein Video ein, das einen Polizisten mit einem Demonstranten zeigt, die gemeinsam die Hände in die Höhe strecken.

Die Polizei Stuttgart bezeichnete das auf Twitter als „vermeintlichen Handschlag“: „Nach Rücksprache mit dem Beamten, ergriff der Versammlungsteilnehmer nach einem Gespräch dessen Hand und streckte sie in die Höhe“, heißt es in dem Tweet. Auch das will Christian Ehring nicht so stehen lassen: „Bei der nächsten Demonstration der Black-Lives-Matter-Bewegung möchte ich auch mal sehen, ob da ein Demonstrant die Hand eines Polizisten in die Höhe streckt. Und vor allem, ob er die Hand danach noch bewegen kann“, so der „Extra 3“-Moderator.

Auch dass die Polizei Stuttgart die Teilnehmer der „Querdenken“-Demonstration auf Twitter als „Pandemie-Kritiker“ bezeichnete, erregte den Ärger von Christian Ehring: „Was sind denn bitteschön Pandemie-Kritiker? Die anderen sind Pandemie-Fans, oder was?“ An die „Querdenker“ gewandt schließt Christian Ehring ab: „Ich habe das Gefühl vielen auf diesen Demonstrationen geht es gar nicht so sehr um Querdenken im Sinne vom kritischen Reflektieren. Ich glaube, vielen geht es vor allem darum, ihr Verhalten nicht ändern zu müssen.“

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