Coronavirus in Europa

Polizei fordert Corona-Grenzkontrollen: „Wir bekommen da mehr ins Land, als wir möchten“

Deutsche Polizisten kontrollieren Einreisende am Grenzübergang in Kreuzlingen
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Chef der Polizeigewerkschaft fordert strengere Grenzkontrollen (Symbolbild).
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    vonJulian Baumann
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Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen weiter an. Der Chef der Polizeigewerkschaft fordert strengere Grenzkontrollen - vor allem zu den Risikogebieten.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich mit alarmierender Geschwindigkeit. Nach der Hochphase zu Beginn des Jahres sanken die Zahlen immer weiter. Die Landesregierung erließ daraufhin weitreichende Lockerungen. Auch die Grenzen zu den Nachbarländern wurden wieder geöffnet und die Reisewarnungen größtenteils aufgehoben.

Obwohl viele Politiker von einer Reise ins Ausland abrieten - beispielsweise Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in einem Interview mit dem SWR - schleppten Reiserückkehrer aus Risikogebieten das Coronavirus zurück ins Land. Angesichts der steigenden Zahlen fordert der Chef der Polizeigewerkschaft strengere Kontrollen an den Grenzen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Polizeigewerkschaft fordert strengere Grenzkontrollen

Die steigenden Zahlen der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg sind nicht zuletzt auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten zurückzuführen. Mitte September verbreiteten zwei Infizierte nach ihrem Urlaub das Virus in mehreren Landkreisen in Baden-Württemberg. Nur knapp einen Monat zuvor besuchten Kroatien-Rückkehrer eine Party in Stuttgart und verbreiteten das Coronavirus.

Doch auch in den direkten Nachbarländern steigen die Zahlen mit hoher Geschwindigkeit an. Eine verstärkte Grenzkontrolle soll laut der Polizeigewerkschaft eine Verschlechterung der Lage verhindern.

Die steigenden Infektionszahlen betreffen nicht nur das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland, auch die direkten Nachbarländer melden vermehrte Fälle. So registriert beispielsweise Österreich einen Rekord-Anstieg der Fallzahlen, wie wa.de* berichtet. Mehrere Bundesländer wurden daraufhin zum Risikogebiet erklärt.

Laut Angaben des Portals euronews.de ist seit Samstag keines der deutschen Nachbarländer mehr ohne Corona-Risikogebiet. Das Robert-Koch Institut erklärte ganz Frankreich, die gesamte Niederlande sowie Gebiete in Polen und Kantone (Bundesländer) der Schweiz zu Risikogebieten. Auch der direkt an Baden-Württemberg angrenzende Kanton Zürich ist betroffen.

Damit eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland verhindert wird, fordert Ralf Kusterer, der baden-württembergische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, strengere Kontrollen an den Grenzen. „Wer die Grenzen offenlässt zu Stark-Risikogebieten, da kann nur eines gelten: Stärkere Kontrollen an den Grenzen, Einreisebestimmungen überwachen“, sagte Kusterer dem SWR. „Nur so können wir vermeiden, dass wir da mehr ins Land bekommen, als wir möchten“.

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Lasche Verfahrensweise“ bei den Kontrollen der Auflagen

Neben Metropolen wie Berlin und Hamburg ist auch der Kreis Esslingen zum „Hotspot“ erklärt worden. Am Freitag, den 9. Oktober, überschritt auch die Landeshauptstadt Stuttgart den kritischen Wert von 35 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche.

Ralf Kusterer sieht einen Grund für die steigenden Zahlen in einer zu „laschen Verfahrensweise“ bei den Kontrollen in den vergangenen Monaten. So sei die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht streng genug kontrolliert worden. „Da hat sich etwas eingeschlichen, was jetzt ganz schwierig ist, wieder zurückzuholen“, sagte er gegenüber dem SWR.

Die Beamten des Landespolizeipräsidiums und der Polizei Stuttgart kontrollieren die Einhaltung der Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Das Miteinander zwischen der Bevölkerung und der Polizei habe sich durch die kritischere Situation jedoch noch nicht deutlich verschlechtert, sagte Ralf Kusterer im Gespräch mit dem SWR. Um die Corona-Verordnungen zu kontrollieren, werden nun auch Bundeswehrsoldaten eingesetzt. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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