„Querdenken 711“

„Von China lernen“: Corona-Gegner fordern plötzlich zwei Wochen Mega-Lockdown

Ein Mann mit einem schwarzen Kapuzenpullover steht bei einer Kundgebung. Auf seinem Pullover steht: „Querdenken: Frieden, Freiheit, Widerstand“.
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„Querdenken 711“ ist für die Demos gegen die Corona-Verordnungen bekannt. Nun fordern sie einen Mega-Lockdown.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg befindet sich das Land in einem verlängerten Lockdown. Ausgerechnet die Corona-kritische Initiative „Querdenken 711“ aus Stuttgart fordert nun noch drastischere Maßnahmen.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hält das ganze Land nun seit fast einem Jahr fest im Griff und veränderte das alltägliche Leben auch in Stuttgart deutlich. Die Lage scheint sich auch zu Beginn des neuen Jahres nicht beruhigen zu wollen. Noch immer meldet das Landesgesundheitsamt täglich eine hohe Zahl an Neuinfektionen und auch die 7-Tage-Inzidenz im Landesdurchschnitt steigt weiter an. Der ursprünglich bis zum 10. Januar geplante Lockdown wurde kürzlich bis zum Ende des Monats verlängert. Zugleich wurden auch die aktuellen Corona-Regeln für Baden-Württemberg nochmals verschärft.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Baden-Württemberg in unserem Ticker.

Die in der Landeshauptstadt Stuttgart gegründete Initiative „Querdenken 711“ ist vor allem für die landesweiten Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland bekannt. Die Initiative kritisierte die Verordnungen - insbesondere den Lockdown - und forderte mehr Freiheiten für die Bevölkerung. Laut einer Pressemitteilung gab es innerhalb der Corona-kritischen Bewegung nun scheinbar einen Wandel. Sie fordern einen drastischen „Mega-Lockdown“ und betonen, das Land solle die Fehler aus dem ersten Lockdown im Frühjahr nicht wiederholen, sondern vom Vorbild Chinas lernen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Gegner der Verordnungen fordern plötzlich „Mega-Lockdown“

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg musste sich die Bevölkerung im vergangenen Jahr immer wieder auf neue Einschränkungen und Verbote einstellten. Die Initiative „Querdenken 711“ veranstaltete in Stuttgart zahlreiche Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz sowie den Lockdown und weitete die Protestaktionen nachfolgend auf das ganze Land aus. So war der Gründer Michael Ballweg auch der Initiator für die Groß-Demo in Berlin, bei der Rechtsextremisten den Landtag stürmten. Um sich von den Nazis abzugrenzen, wurde die nachfolgende Corona-Demo nach Konstanz am Bodensee verlegt.

In einer Pressemitteilung fordert die Initiative Querdenken 711 aus Stuttgart nun jedoch überraschend, die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus drastisch zu verschärfen und einen „Mega-Lockdown“ von zwei Wochen einzuleiten. Die Bundesregierung habe im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 viele Fehler gemacht. So seien medizinische Ausrüstungen nicht rechtzeitig organisiert und der Lockdown nicht konsequent durchgeführt worden, heißt es in der Mitteilung.

Zuvor forderte die Bewegung dagegen, die Maßnahmen zu lockern und ging sogar so weit, die Verordnungen als Verletzung der Menschenrechte darzustellen. Die Initiative aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart stellt zum Mega-Lockdown konkret formulierte Forderungen auf.

  • 1. Alle Flughäfen sollen den Flugbetrieb, die Deutsche Bahn und der Nahverkehr alle Verbindungen einstellen.
  • 2. Die öffentliche Verwaltung, das Finanzamt, die Parlamente sowie der Bundestag sollen geschlossen werden.
  • 3. Alle Unternehmen sollen geschlossen werden.
  • 4. Die Medien sollen in einen Notbetrieb gehen und Druckbetriebe für zwei Wochen eingestellt werden. Die öffentlich-rechtlichen Medien sollen auf einen Ein-Sender-Betrieb eingestellt und private Sender geschlossen werden.
  • 5. Der Brief- und Paketverkehr soll eingestellt werden.
  • 6. Die Außengrenzen sollen geschlossen werden.

(Quelle: Pressemitteilung Querdenken 711 vom 11. Januar 2021)

Coronavirus in Baden-Württemberg: Überraschende Wende bei Querdenken - Chinas Beispiel folgen

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat noch immer fatale Folgen für die Wirtschaft. „Mit dem nun erneut verlängerten Lockdown wird die wirtschaftliche Not noch weiter forciert“, heißt es in der Mitteilung von Querdenken 711. Die Initiative forderte im vergangenen Jahr allerdings vehement, die Maßnahmen abzuschaffen und kritisierte vor allem die Maskenpflicht. Nun stellte die Stuttgarter Bewegung allerdings Forderungen auf, den Lockdown noch einmal konkret zu verschärfen. So soll der öffentliche Nahverkehr sowie der Flugbetrieb vollständig ausgesetzt werden. Daneben fordert die Initiative auch die Schließung der Außengrenzen, ein striktes Reiseverbot, einen Notbetrieb für Medien und Zeitungen und die Schließung aller Fabriken und Unternehmen.

Das hochansteckende Krankheit Covid-19 kam erstmals auf einem Viehmarkt in China auf. Das Coronavirus tauchte dann im Februar vergangenen Jahres auch im Südwesten Deutschlands auf. China schien die Lage anschließend schnell in den Griff zu bekommen. Laut der Initiative Querdenken 711 aus Stuttgart lag das an einem zeitlich befristeten Lockdown in dem Land. Die Bewegung fordert nun, das „demokratische Erfolgsmodell für die Bundesrepublik zu adaptieren“.

Corona-Gegner fordern temporären drastischen Lockdown - Regierung soll Verantwortung übernehmen

Zum Ende des vergangenen Jahres wurde in Großbritannien eine neue Mutation des Coronavirus entdeckt, die wenig später auch bei einer Rückreisenden aus Baden-Württemberg nachgewiesen wurde. In Bezug auf die Gefahr durch die Virus-Mutation B 1.1.7 und die bereits jetzt schon ausgelasteten Krankenhäuser, fordert die Initiative Querdenken 711 „die Bundesregierung dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und den Mega-Lockdown ab dem 18.01.2021 umzusetzen“. Die Stuttgarter Bewegung spricht in der Pressemitteilung von einem „Notfallplan“.

Mit den Forderungen stellt die Initiative aus Stuttgart ihre bisherige Marschroute jedoch nur oberflächlich zurück. Statt wie bislang für eine Lockerung oder gar Abschaffung der Corona-Verordnungen zu protestieren, fordert die Bewegung nun also eine Verschärfung. Im Kern geht es Querdenken 711 nach eigenen Angaben jedoch noch immer um die Freiheit der Bevölkerung, die laut der Initiative durch die Gesetze der Regierung stark eingeschränkt wurde. „Wir sind uns sicher, dass der Mega-Lockdown unsere Freiheit wieder unmittelbar herstellen wird“, heißt es in der Mitteilung. In dem scheinbaren Vorbild China ist die Pandemie jedoch noch nicht gänzlich beendet. Erst kürzlich wurden in einem Warenhaus der Daimler AG nahe Peking Coronaviren auf Autoteilen nachgewiesen.

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