Delta-Variante auf dem Vormarsch

Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts rechnet fest mit vierter Welle

Zahlreiche Menschen genießen auf dem Schlossplatz das schöne Wetter und besuchen die Stuttgarter Innenstadt.
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Aktuell herrscht in Stuttgart wieder ein stückweit Normalität. Die Delta-Variante ist jedoch auf dem Vormarsch - das Gesundheitsamt rechnet mit einer vierten Infektionswelle.
  • Julian Baumann
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Die Corona-Lage in Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen Monaten entspannt. Die Delta-Variante ist jedoch auf dem Vormarsch und Stuttgart rechnet bereits mit einer vierten Welle.

Stuttgart - Die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg dauert nun bereits seit eineinhalb Jahren an. In dieser Zeit kam es immer wieder zu Maßnahmen zum Infektionsschutz, die einen erheblichen Einschnitt in das soziale, öffentliche und berufliche Leben darstellten.

Seit einigen Monaten hat sich die Lage beruhigt und es werden verhältnismäßig wenig Neuinfektionen gemeldet. Zudem steigt auch der Anteil an einfach oder komplett geimpften Bürgern im Südwesten beständig an. Deshalb kam es in den vergangenen Wochen zu deutlichen Lockerungen in Baden-Württemberg.

Von einem Ende der Pandemie und einer endgültigen Rückkehr zur Normalität kann jedoch noch immer nicht gesprochen werden. Sorge bereitet aktuell eine hochansteckende Mutation des Coronavirus, die in vielen Ländern bereits wieder zu einer extrem angespannten Pandemielage führte.

Die besorgniserregende Delta-Variante breitet sich auch im Südwesten aus. Laut dem Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts ist die Delta-Variante in der Landeshauptstadt zwar noch nicht die dominierende Variante. Er rechnet jedoch bereits mit einer vierten Infektionswelle im Herbst und Winter, wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg:

In den vergangenen Tagen stieg die 7-Tage-Inzidenz in der Landeshauptstadt Stuttgart wieder leicht an. Der Wert entspricht der Anzahl an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Für eine lange Zeit war die Inzidenz die einzige Messzahl für die Einschätzung der derzeitigen Corona-Lage in Baden-Württemberg und ganz Deutschland.

Das reiche inzwischen jedoch nicht mehr aus, sagte Stefan Ehehalt, Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamtes dem SWR. „Die Inzidenzrate an sich ist noch immer ein wichtiger Parameter, weil sie zeigt, wie häufig das Virus bei der Stuttgarter Bevölkerung nachweisbar ist“, so Ehehalt.

Aufgrund der Impfung seien jedoch vor allem die Älteren inzwischen deutlich besser geschützt. „Vor diesem Hintergrund ist es notwendig und sinnvoll, die Inzidenz mit weiteren Parametern zu ergänzen.“ Vor allem die Impfrate und die Kapazitäten der Intensivstationen seien immer wichtigere Messwerte.

Aktuell zeigt ein Blick in die europäischen Nachbarländer wie Spanien oder Großbritannien, dass zu frühe Lockerungen gefährlich werden können. Auch in Bezug auf die große Anzahl an zugelassenen Fans in den Stadien während der Fußballeuropameisterschaft und die anschließend hohe Zahl an Neuinfektionen gab es viel Kritik.

Weltweit sei die Pandemie eben nicht vorbei, sagte Stefan Ehehalt. „Wir haben gerade gewissermaßen eine Verschnaufpause“. Er rechnet laut dem SWR fest mit einer vierten Infektionswelle in Stuttgart und Baden-Württemberg im Herbst und Winter des Jahres. Zudem könne die Delta-Variante noch im Laufe des Juli zur dominierenden Virus-Variante werden.

Appell an Reiserückkehrer: Gesundheitsamt warnt zur Vorsicht, trotz Entfall der Quarantänepflicht

Lange Zeit war an Reisen aufgrund der hohen Infektionsgefahr mit dem Coronavirus nicht zu denken. Durch die niedrige Inzidenz in Baden-Württemberg ist ein Urlaub im Ausland inzwischen jedoch auch ohne anschließende Quarantäne möglich. Das Stuttgarter Gesundheitsamt mahnt dennoch zur Vorsicht. Amtsleiter Stefan Ehehalt bittet darum, dass Reiserückkehrer trotz entfallener Quarantänepflicht in den ersten zwei Wochen nach der Reise ihre Kontakte einschränken.

Insgesamt empfiehlt das Stuttgarter Gesundheitsamt aufgrund der steigenden Gefahr durch die Delta-Variante auch weiterhin auf Abstand, Hygieneregeln, Lüften und Testen zu achten. Auch die Zahl der bislang vollständig geimpften Stuttgarter sei noch nicht hoch genug, um Entwarnung zu geben. „Mit den Impfzahlen in Stuttgart kann, möchte und will ich noch nicht zufrieden sein“, sagte Ehehalt dem SWR.

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