Coronavirus in Baden-Württemberg

Stuttgarter Gastronomin bewirtet nur noch Geimpfte und Genesene - und wird bedroht

Gäste genießen in einem Biergarten im Schlossgarten das schöne Wetter.
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Für Geimpfte und Genesene ist der Restaurantbesuch ab heute uneingeschränkt möglich. Einige Gastronomen wollen nun ausschließlich diese Personengruppen bewirten. (Symbolbild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Stuttgarter Wirtin Elsbeth Koch macht ihre eigenen Corona-Regeln: Wer ihre Besenwirtschaft besuchen will, muss geimpft oder genesen sein. Das kommt nicht bei allen gut an.

Stuttgart - Noch immer gehört das Coronavirus in Baden-Württemberg zu unserem Alltag. Endlich wieder ohne Angst vor einer Ansteckung zusammen sitzen, wie früher. Das wünschen sich viele. Wirtin Elsbeth Koch will das in ihrer Besenwirtschaft in Stuttgart-Degerloch wieder ermöglichen - mit der 2-G-Regel. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, heißt das Restaurant nur noch Geimpfte und Genesene willkommen.

Mit dem heutigen Montag treten Lockerungen für Geimpfte und Genesene in Baden-Württemberg in Kraft. Wer geimpft oder genesen ist, für den wird der Alltag ab sofort weniger kompliziert. Ungeimpfte müssen hingegen negative Antigen-Schnelltests vorweisen, die jeweils nicht älter als 24 Stunden sein dürfen. Das gilt etwa für Besuche in Museen, Hotels, Fitnessstudios, beim Friseur sowie in Restaurants in Innenräumen. Für einige Bereiche gibt es in Baden-Württemberg nun sogar eine PCR-Testpflicht.

Wie auch echo24* berichtet, haben sich Elsbeth und Winfried Koch für ihren Betrieb trotz Lockerungen für eine 2-G-Lösung entschieden - schon bevor die Politik am Sonntag die neue Coronaverordnung beschlossen hatte. „Lasst uns wieder zusammensitzen wie früher“, steht auf der Homepage der Wirtschaft geschrieben. Einer der Hauptgründe, warum nur noch Genesene und Geimpfte Zutritt zur ihrer Wirtschaft bekommen. „Nur so kann man allen den besten Schutz bieten“, sagt Winfried Koch der Stuttgarter Zeitung.

Stuttgart: Wirtin macht eigene 2-G-Regel - auf Facebook wird sie deswegen angefeindet

Dass die 3-G-Regelung (genesen, geimpft oder getestet) Standard werden würde, hatte das Ehepaar schon geahnt und vorzeitig gehandelt. „Mir wäre am liebsten, wenn nur die Geimpften rein dürften“, sagt der Wirt, „das wäre am einfachsten und am sichersten für die Gastronomie.“ Um seine eigene Regelung durchzusetzen, beruft sich Winfried Koch auf sein Hausrecht. Die elektronischen Impfzertifikate ließen sich auch gut überprüfen, sagen die Kochs. Antigen-Schnelltests liefern hingegen nicht immer zuverlässige Ergebnisse.

Eine Ausnahme machen Elsbeth und Winfried Koch jedoch: Wenn Menschen kommen, die sich nicht impfen lassen können, zum Beispiel Schwangere oder Kinder unter zwölf Jahren, dürfen sie mit tagesaktuellem Test in die Wirtschaft.

Die Regelung der Familie Koch für ihren Betrieb traf bei vielen auf Unverständnis. Auf der Facebook-Seite der Stuttgarter Zeitung wurde das Paar böse beschimpft und angefeindet. „Hoffe, sie muss Insolvenz beantragen. Es leben die Ungeimpften“, schreibt ein Impfgegner. „Man wird als Nichtgeimpfte behandelt, als ob man die Pest hätte“, beschwert sich eine andere.

Stuttgarter Gastronomen: Zutritt nur für Geimpfte und Genesene - weitere Betriebe machen mit

Doch für ihr Vorgehen bekommen Elsbeth und Winfried Koch auch viel Zuspruch. „Ich finde es gut und nachvollziehbar“, schreibt etwa eine Nutzerin. „Die Frau hat das Hausrecht und ihr gutes Recht dazu, selber zu entscheiden, wer bei ihr bedient wird und wer nicht“, verteidigt eine andere Elsbeth Koch. Ein weiterer freut sich: „Vorbild. Ich hoffe da ziehen viele nach.“

Und das tun einige Gastronomen in der Landeshauptstadt Stuttgart auch: Zum Beispiel wird Bernd Kreis in seiner Weinbar „High Fidelity“ den Einlass ebenfalls beschränken, nur für Kinder und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, will auch er eine Ausnahme machen.

Die 2-G-Regelung führt er nicht nur zum Schutz seiner Mitarbeiter ein. „Leute die meinen, sich nicht impfen lassen zu müssen, müssen wissen, dass es Konsequenzen hat“, so der Gastronom. Seiner Meinung nach dürfe die Mehrheit nicht unter der Minderheit leiden. „Wir können uns nicht noch einen Lockdown leisten“, sagt Bernd Kreis - und meint damit nicht nur seine Weinbar, sondern das ganze Land. Der Lockdown hatte vielen Betrieben stark zugesetzt. Aktuell kämpfen zudem viele Gastronomen, Mitarbeiter zu finden, da die Perspektiven zu schlecht sind.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Sorgt beschränkter Zutritt für Umsatzeinbußen?

Während sich einige Gastronomen in Baden-Württemberg für eine freiwillige 2-G-Regel entscheiden, sieht das der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kritisch. Als generelle Vorschrift lehnt der Verband die 2-G-Regel ab. „Das wäre das allerletzte Mittel, um den Lockdown zu verhindern“, sagt der Stuttgarter Verbandssprecher Daniel Ohl der Stuttgarter Zeitung.

Schon die früher geltende Testpflicht habe sich negativ auf die Umsätze der Gastronomen ausgewirkt. Kunden, die sich sonst spontan für einen Restaurantbesuch oder etwa einen Kaffee entschieden hätten, brachen den Betrieben weg. Schon nach den ersten Wochen hätten 90 Prozent der Lokale die Testpflicht wieder abschaffen wollen, so Daniel Ohl weiter.

Wie sich die Testpflicht für Ungeimpfte auf den Umsatz der Betriebe auswirkt, bleibt abzuwarten. Gastronomen wie Elsbeth und Winfried Koch und Bernd Kreis wollen jedenfalls weitermachen. Bernd Kreis bleibt bei seiner Meinung: Auf Ungeimpfte oder Impfgegner kann er verzichten. „Wenn sich jemand so intolerant verhält, das ist nicht mein Kumpel“, sagt der Wirt. „Und ich umgebe mich lieber mit Leuten, die meine Kumpel sind.“ *echo24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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