Ausbreitung des Coronavirus

Baden-Württemberg prüft komplettes Verbot von Silvesterböllern

Sieben gezündete Silvester-Rakten stehen nah beieinander.
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In vielen Städten könnte Feuerwerk wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg dieses Jahr verboten werden.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Privates Feuerwerk könnte in diesem Jahr wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg verboten werden - in Stuttgart wird bereits darüber diskutiert.

Stuttgart - Nachdem die zweite Welle des Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland mit einer rasant steigenden Zahl von Neuinfektionen verbunden war, verhängten Bund und Länder einen erneuten Lockdown, wobei die Maßnahmen zum Infektionsschutz stark intensiviert wurden. Diese verschärften Corona-Regeln zeigten bislang jedoch nur einen schwachen Effekt - die Zahlen sinken viel langsamer als erhofft.

Aufgrund dessen machte Winfried Kretschmann bereits eine harte Ansage zum Corona-Winter - für Dezember stellte der Ministerpräsident eine abermalige Verschärfung der Einschränkungen in Aussicht. Eine Lockerung der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus scheint in Baden-Württemberg immer unwahrscheinlicher. Die Landesregierung diskutiert nun sogar über ein weiteres Verbot, das speziell mit Silvester zu tun hat.

Coronavirus in Baden-Württemberg führt möglicherweise zu Verbot von Silvester-Feuerwerk

Weitere aktuelle Informationen zur Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg in unserem Ticker.

Ob es überhaupt zu Corona-Lockerungen bis Weihnachten kommen wird, ist bislang fraglich. Ein typisches Silvester-Fest in geselliger Runde mit Freunden scheint sogar ausgeschlossen - aktuell dürfen sich gerade mal zwei Haushalte treffen, wobei höchstens zehn Personen anwesend sein dürfen. Die Sorge ist groß, dass es aufgrund von Silvester-Feiern zu einer unkontrollierten Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg kommen könnte.

Um das Risiko vieler Neuinfektionen klein zuhalten, wird im Südwesten daher nun über ein Verbot von Feuerwerk diskutiert, wie es etwa in den Niederlanden bereits beschlossen wurde. So prüft derzeit beispielsweise die Stadt Stuttgart, ob und in welchem Ausmaß dieses Jahr trotz des Coronavirus Silvester gefeiert werden könnte. „Es laufen Gespräche zwischen den städtischen Fachbehörden und der Polizei, wie das Infektionsrisiko niedrig zu halten ist“, wird ein Sprecher der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zitiert.

Silvester-Feuerwerk: Verbot in Stuttgart soll Kliniken wegen Coronavirus-Patienten entlasten

Es ist nicht das erste Mal, dass über ein mögliches Verbot von Feuerwerk diskutiert wird - das alljährliche Abbrennen von Feuerwerkskörpern steht nicht erst seit der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg in der Kritik. Nach Angaben des Umweltbundesamts werden jedes Jahr durch Feuerwerk rund 4.200 Tonnen gesundheitsschädlicher Feinstaub freigesetzt, der vor allem in Städten wie Stuttgart aufgrund der Talgkessellage zu einer Verschlechterung der Luftqualität führt. Und der Großteil davon an Silvester.

Ein weiterer Kritikpunkt: An Silvester verletzen sich laut Umweltbundesamt jährlich 8.000 Menschen in Folge durch Feuerwerkskörper - häufig sind es Verbrennungen, Augenverletzungen oder etwa Hörschäden. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus besteht die Sorge, dass Kliniken durch diese möglicherweise zusätzliche Patientenbelastung an Silvester Kapazitätsprobleme bekommen könnten.

Wie der Sprecher der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg gegenüber der dpa angab, sei zurzeit jedoch noch unklar, wie sich das Coronavirus in den kommenden sechs Wochen ausbreite. „Wir werden Klarheit schaffen und kommunizieren, welche Regeln in der Nacht zum 1. Januar in Stuttgart gelten, sobald diese vereinbart sind.“ In anderen Städten im Südwesten ist ein mögliches Verbot von Feuerwerk dagegen kein Thema.

Silvester-Feuerwerk: In Städten Baden-Württembergs gelten bereits Beschränkungen

Beschränkungen aus Brandschutzgründen gab es laut dpa schon vor der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg - wie etwa in Ulm. Auch in Karlsruhe können Einwohner bereits seit vergangenem Jahr nur noch eingeschränkt Feuerwerkskörper an Silvester abbrennen. Auf dem Schlossplatz wurde dort 2019 eine Verbotszone eingerichtet, die dieses Jahr aufgrund der positiven Erfahrungen sogar auf den zentralen Marktplatz ausgeweitet werden soll, wie ein Sprecher der Stadt gegenüber der dpa bestätigt.

Auch in Freiburg und Heidelberg gibt es noch keine Anzeichen dafür, dass in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper abgebrannt werden dürfen - und selbst wenn, dann hätte dies nichts mit Covid-19 zu tun, wie es etwa aus dem Rathaus in Freiburg gegenüber der dpa heißt. Das Silvesterfeuerwerk beziehungsweise der Verkauf und das Abbrennen sei zudem grundsätzlich bundesrechtlich geregelt. Erste Händler kündigten jedoch bereits an, in diesem Jahr keine Silvester-Böller verkaufen zu wollen.

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