Teurer Familienausflug in Stuttgart

Familie zahlt in Baden-Württemberg 1.000 Euro Strafe für Spaziergang - wegen Corona-Verordnung

Polizisten kontrollieren die Einhaltung der Corona-Verordnungen in einem Park in Stuttgart
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Verstoß gegen Corona-Verordnung in Baden-Württemberg: Familie zahlt 1000 Euro Strafe (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Verordnung zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg schränkt das öffentliche Leben noch immer ein. Eine Familie aus dem Kreis Stuttgart zahlte 1.000 Euro Strafe - wegen eines Spaziergangs.

  • Die Verordnungen im Rahmen des Coronavirus in Baden-Württemberg stoßen in Teilen der Bevölkerung auf starke Kritik. Eine Lockerung des Kontaktverbots ist vor dem 5. Juni nicht vorgesehen.
  • Die Verordnung sieht vor, dass bisher nur zwei Haushalte gemeinsam in der Öffentlichkeit unterwegs sein dürfen. Die Anzahl der Personen im Haushalt spielt dabei keine Rolle.
  • Eine Familie aus dem Kreis Stuttgart zahlte für einen Spaziergang einen hohen Preis. Die Polizei belegte die Familie nach einer Kontrolle mit 200 Euro Strafe pro Kopf.

Stuttgart - Die Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg stößt auf Kritik und Unverständnis. In den ersten Wochen des Lockdowns war es verboten, wenn sich mehr als zwei Menschen zusammen in der Öffentlichkeit aufhielten - es sei denn, sie lebten im selben Haushalt. Die Landesregierung lockerte das Kontaktverbot, zusammen mit weiteren Einschränkungen.

Nun ist es trotz Coronavirus in Baden-Württemberg erlaubt, mit Personen aus einem weiteren Haushalt als dem eigenen unterwegs zu sein. Es ist jedoch weiterhin verboten, sich mit Menschen aus drei oder mehr Haushalten zusammen in der Öffentlichkeit aufzuhalten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Fünfköpfige Familie zahlt wegen Spaziergang Strafe

Eine fünfköpfige Familie aus dem Kreis Stuttgart musste das nun auf schmerzhafte Weise erfahren. Die Familie machte einen Spaziergang im Wald und soll nun wegen Verstoß gegen das in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus geltende Kontaktverbot 1.000 Euro Strafe zahlen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtete.

Die Familie aus der Region Stuttgart war zusammen auf dem Weg zu einem Friedhof, wie ein Familienmitglied gegenüber der Stuttgarter Zeitung angab. Die Polizei Stuttgart kontrollierte die Gruppe. Die fünf Personen sind zwar in direkter Linie miteinander verwandt, leben jedoch in vier verschiedenen Haushalten. Laut Polizei hätten sich die Familienmitglieder also nicht zusammen in der Öffentlichkeit aufhalten dürfen - um nicht eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg zu riskieren.

Die Familie bestand nach Angaben der Stuttgarter Zeitung aus einem Ehepaar, zwei Töchtern und dem Großvater. Da die Familienmitglieder jedoch in vier verschiedenen Haushalten leben, machte sie sich laut der Coronavirus-Verordnung von Baden-Württemberg strafbar. Pro Kopf veranlasste das Ordnungsamt eine Strafe von 200 Euro - demnach bezahlte die Familie 1.000 Euro für den Spaziergang.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Haushalte statt Personenanzahl ausschlaggebend

Paragraph 3 der Corona-Verordnung sieht vor, dass der Aufenthalt in der Öffentlichkeit nur alleine oder mit den Personen eines anderen Haushalts gestattet ist. Die Anzahl der Personen in einem Haushalt ist dabei nicht ausschlaggebend. Eine Großfamilie, bestehend aus fünfzehn Personen darf demnach, solange sie in einem Haushalt lebt, mit einer weiteren Großfamilie unterwegs sein. Auch eine Zehn-Personen-Wohngemeinschaft ist trotz der Gefahr durch das Coronavirus in Baden-Württemberg befugt, mit einem weiteren Haushalt in die Öffentlichkeit zu gehen. Schon drei Personen aus drei verschiedenen Haushalten machen sich jedoch laut Verordnung strafbar.

Bereits nach der Kontrolle habe ein Beamter der Familie zur Kooperation geraten, wie ein Familienmitglied gegenüber der Zeitung erklärte. Um weitere Streitigkeiten mit der Justiz zu vermeiden, zahlte die Familie aus Stuttgart die auferlegte Strafe von 1.000 Euro.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kritik an Verordnungen nimmt zu

Die Regelungen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg treffen nicht nur auf Unverständnis, sondern auf immer stärkere Kritik. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warf der Landesregierung von Baden-Württemberg Versagen im Umgang mit dem Coronavirus vor. Es wundere ihn nicht, dass so viele Menschen zur Demonstration auf die Straßen gingen, sagte der FDP-Politiker.

Die Stimmung heizt sich in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter auf. So kommt es immer wieder zu körperlichen Übergriffen. Zuletzt, als Unbekannte nach der Corona-Demo in Stuttgart eine Gruppe von Teilnehmern angriffen. Die Opfer wurden bei dem Angriff schwer verletzt - ein Mann sogar lebensgefährlich.

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne) richtete sich mit deutlichen Worten an die Corona-Gegner. Kretschmann schloss aus, eine Corona-Demo zu besuchen, um mit den Teilnehmern zu diskutieren.

Am Dienstag gelang es der Polizei Stuttgart, einen Rauschgiftring zu zerschlagen. Sie nahm elf Tatverdächtige und eine Mittäterin fest. Unter den Tatverdächtigen waren auch Minderjährige.

Studenten einer Stuttgarter Hochschule zahlen keine Strafe, sondern bekommen sogar Geld geschenkt. Die Hochschule unterstützt damit die Studenten, die durch das Coronavirus in Not geraten sind. Einige Professoren zahlen sogar aus eigener Tasche.

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