„Beschränkung der Gästezahl“

Club-Szene in Stuttgart: Neuer Plan soll illegale Partys verhindern und Nachtleben retten

Menschen tanzen am 03.01.2012 in einer Discothek in Stuttgart.
+
Stuttgart: Drei-Stufenplan soll Club-Szene und Nachtleben retten (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Der Interessenverband der Clubs in Stuttgart hat einen Drei-Stufenplan erstellt. Damit soll das angeschlagene Nachtleben in der Landeshauptstadt gerettet werden - und illegale Partys verhindert.

Stuttgart - Schon seit langem hört man immer wieder vom „Clubsterben“ und dem „Ende des Nachtlebens“ in der Landeshauptstadt Stuttgart. Viele beliebte Clubs und Bars mussten in letzten Jahren schließen, darunter beispielsweise das Zollamt oder die Bar Muttermilch. Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Situation durch die katastrophale Auswirkung auf die Wirtschaft noch weiter verschlimmert. Der Interessenverband der Clubs hat nun einen Drei-Stufenplan erstellt, der das Nachtleben in der Schwaben-Metropole retten soll, das unter dem Coronavirus in Stuttgart stark gelitten hat.

Die Corona-Pandemie hat das Leben grundlegend verändert. Trotz des andauernden Clubsterbens waren die Locations in der Innenstadt vor allem an den Wochenenden immer gut besucht. Menschen tanzten dicht aneinandergedrängt in den Clubs, gönnten sich am Palast der Republik umgeben von Menschenmengen ein Feierabendbier oder drängten in kleinere Bars. Solche Zeiten sind spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie vorbei. Das Tanzen ist wegen des Infektionsschutzes verboten und überall gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Durch den steigenden Druck der Betreiber gerät das Nachtleben in der Landeshauptstadt immer mehr in Bedrängnis. Ein ausgefeilter Plan soll nun Abhilfe schaffen.

Stuttgart: Drei-Stufenplan soll das Nachtleben in der Landeshauptstadt wieder möglich machen - mit Einschränkungen

Wegen der Auflagen und Verbote in Stuttgart kommt es immer wieder zu illegalen Partys, wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) berichten. Gefeiert wird dort häufig so lange, bis die Polizei anrückt - dann soll eine Warnung für die Feierwütigen ertönen, woraufhin jeder eine Maske aufzieht, das Tanzen einstellt und den vorgegebenen Abstand zu anderen Personen einnimmt. „Illegale Partys gibt’s an jedem Wochenende in Stuttgart“, sagte Sebastian Simon vom Club Lehmann gegenüber den StN. Er plädiert dafür, dass Nachtleben in „geordnete Bahnen“ zu lenken. Der Drei-Stufenplan soll außerdem dazu beitragen, mögliche Ansteckungen besser nachverfolgen zu können.

Zusammen mit Kollegen aus der Clubszene in Stuttgart entwickelte Simon einen Drei-Stufenplan, um das Infektionsrisiko der Gäste so gering wie möglich zu halten und illegale Veranstaltungen einzudämmen. Der Plan sieht folgende Abstufungen vor (basierend auf Angaben der Stuttgarter Nachrichten):

  • Phase 1: Jede Person darf pro Wochenende nur einen Club besuchen. Über ein digitales System wird sie für die Anmeldung in einem anderen Club gesperrt.
  • Phase 2: Sobald die Infektionszahlen wieder sinken, können auch die Auflagen gelockert werden. Dann darf ein Gast auch beispielsweise am Freitag und am Samstag einen Club besuchen.
  • Phase 3: Der Regelbetrieb in den Clubs wird erst dann aufgenommen, wenn es einen Impfstoff oder Medikamente gegen das Coronavirus gibt.

Stuttgart: Auflagen gegen das Coronavirus - wie sie in Restaurants gelten - sind in einem Club schwer umsetzbar

Das entwickelte Konzept des Interessenverbands zielt darauf ab, das Nachtleben in Stuttgart Schritt für Schritt wieder aufleben zu lassen. Wegen des Coronavirus sei vor allem die hohe Zahl an Gästen schwierig, da diese nicht so leicht kontrolliert werden können. Hygienemaßnahmen, wie sie in Restaurants gelten, seien in einem Club schwer umsetzbar, sagte Simon nach Angaben der StN. Deshalb sei das Ziel, eine „verbindliche Beschränkung der Gästezahl sowie die Möglichkeit einer lückenlosen Nachverfolgung“ zu gewährleisten.

Der Drei-Stufenplan der Stuttgarter Clubbetreiber zielt auf mögliche Lockerungen und einen Erfolg in der Impfstoffforschung ab. Der Betreiber des Lehmann zeigt sich gegenüber den StN realistisch. „Wahrscheinlich wird es dieses Jahr nicht mehr klappen. Aber wir müssen vorbereitet sein, wenn endlich gelockert werden kann“, sagte Simon. Statt weiteren Lockerungen trat am 30. September eine Verschärfung der Maskenpflicht in Baden-Württemberg ein. Ab jetzt müssen Gäste in einem Restaurant immer eine Nasen-Mund-Bedeckung tragen, wenn sie nicht an ihrem Platz sitzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare