Corona-Demonstration in Stuttgart

Stuttgarter Café bedient „Querdenker“: Es hagelt Kritik - „Schlag ins Gesicht von Gastronomen“

Demonstrationen der Initiative "Querdenken" in Stuttgart
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Teilnehmer der Corona-Demo in Stuttgart hielten nicht den Abstand ein.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Weil es am vergangenen Samstag Teilnehmer der Querdenker-Demonstration bedient hat, regt sich in den sozialen Netzwerken große Kritik am Stuttgarter Café „Flora und Fauna“. Die Betreiber entschuldigen sich.

Stuttgart - Die Demonstration in Stuttgart gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg rückt nicht nur die Landeshauptstadt Stuttgart und die Polizei, die kaum eingegriffen hatte, in ein schlechtes Licht. Die Querdenker-Demo mit mehr als 10.000 Teilnehmern hatte bundesweit große Kritik auf sich gezogen, da die Demonstranten meist weder den gebotenen Mindestabstand einhielten noch einen Mund-Nasen-Schutz trugen. Befürchtet wird nun ein „Superspreading-Event“, aufgrund dessen die Infektionszahlen in die Höhe schießen könnten.

Kritik regt sich nun auch an einem Stuttgarter Café. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, soll das „Flora und Fauna“ viele der „Querdenker“ bedient haben. Das Problem: Vor der Theke bildeten sich demnach meterlange Schlangen, ohne dass dabei die hygienischen Maßnahmen beachtet worden seien. Dicht an dicht gedrängt und ohne Masken sollen sich die Teilnehmer während der Demonstration bei dem Café im unteren Schlossgarten in Stuttgart mit ihrer To-go-Verpflegung versorgt haben, bevor sie weiterzogen.

Stuttgart: Café-Inhaber bedauert seine Entscheidung

Der Inhaber äußerte unmittelbar danach sein Bedauern über den Vorfall. „Leider sind auch wir am Samstag von den Demonstranten überrollt worden“, sagte Hans Jürgen Neiss zur Stuttgarter Zeitung. Seine Mitarbeiter hätten zu Beginn die Gäste darauf hingewiesen, sich an die Hygieneregeln zu halten. Aber der Hinweis sei ignoriert worden. „Wir waren so hilflos, wie die Polizisten, die ebenfalls vor Ort waren“, so Neiss weiter.

Der Shitstorm in den sozialen Netzwerken ließ indes trotzdem nicht lange auf sich warten. Vor allem, dass sich der Inhaber als „Opfer“ stilisiere, sorgte für Kritik. „Haben die keinen Laden, den man herunterlassen kann, wenn die Gäste sich nicht an Regeln halten? Mit dieser ‚Hinterher ist man immer schlauer‘-Mentalität werden sich die Stuttgarterinnen und Stuttgarter nicht besänftigen lassen!“, schreibt eine Facebook-Nutzerin unter den Beitrag der Stuttgarter Zeitung.

Andere sehen das Verhalten des Gastronomen als Beleg dafür, dass die Entscheidung, die Gastronomie in der Corona-Pandemie weiterhin nicht zu öffnen, richtig ist: „Genau wegen solchem Verhalten ist die Gastronomie geschlossen! Weil sich die Wirte nicht trauen, den Kunden eine klare Ansage zu machen und selbst Masken eher schlecht als recht tragen“, so eine Userin. Eine andere Nutzerin schreibt: „So ein Verhalten eines einzelnen Gastronomen bringt leider die ganze Branche in Verruf und ist ein Schlag ins Gesicht für jeden anderen Gastronom, der sich an die Regeln hält.“

Bedienung von Querdenker-Demonstration im Café: Gäste wollen sich künftig fernhalten

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Stimmen, die den Gastronomen in Schutz nehmen. Ohnehin sei die Branche von der Corona-Pandemie gebeutelt, zahllose Lokale haben den Lockdown nicht überlebt: „Alle die große Reden gegen den Biergarten schwingen, würden es wahrscheinlich genauso machen. Wochenlang kein Umsatz, da nimmt man mit was kommt“, schreibt ein Nutzer.

Der Gastronom Hans Jürgen Neiss versichert, dass es zu einer Wiederholung nicht kommen werde. „Falls so eine Demonstration noch mal vorkommen sollte, werden wir das Flora sicherlich nicht öffnen“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. Einige Gäste haben nach dem Vorfall am Wochenende aber offenbar schon mit dem Café abgeschlossen. Auf der betriebseigenen Facebook-Seite machen sie deutlich, dass sie künftig vom „Flora & Fauna“ absehen: „Habt Ihr Euch am Samstag nicht im Griff gehabt? Ist ok. Künftig geh ich woanders hin“, schreibt ein Nutzer.

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