Unterricht nach den Ferien

„Auf Sicht fahren“: Kretschmann sieht keine Chance, Schulen wie geplant zu öffnen

Zwei Schüler, die medizinische Masken tragen, kommen mit Schulranzen zum Eingang einer Grundschule in Prenzlauer Berg.
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Wie es mit den Schulen nach Ostern in Baden-Württemberg weitergeht, ist noch immer offen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Bei seinem Gespräch mit Vertretern von Lehrern, Eltern und Schülern zog Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Bremse: Nach Ostern geht es nicht mit dem normalen Schulbetrieb weiter.

Update vom 30. März, 10.35 Uhr: Stuttgart - Nachdem Ministerpräsident Winfried Kretschmann zuletzt Hoffnung gemacht hatte, was den Regelbetrieb an Schulen nach den Osterferien betrifft, sieht das Ergebnis des gestrigen Gesprächs mit Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern anders aus: Der Plan, alle Kinder und Jugendliche nach den Osterferien zurück an die Schulen zu schicken ist erst einmal auf Eis gelegt. Es ist noch nicht klar, wann es mit dem geplanten Wechselunterricht für alle losgehen kann. „Da müssen wir ein stückweit auf Sicht fahren“, sagte eine Regierungssprecherin am Montagabend der Deutschen Presseagentur.

Die Pläne, alle Kinder und Jugendlichen nach Ostern wieder in die Schule zu schicken, seien vor allem an der schnellen Verbreitung der britischen Mutante des Coronavirus in Baden-Württemberg gescheitert. Diese Mutation wird besonders schnell durch Kinder und Jugendliche weitergetragen. „Zunächst muss sich die pandemische Lage wieder stabilisieren“, so die Regierungssprecherin. Ministerpräsident Winfried Kretschmann erklärte in der Videokonferenz mit Lehrern, Eltern und Schülern, man habe wegen der Ferien bis zum 11. April noch Zeit - dies stieß vor allem bei Lehrerverbänden auf Unmut: Schulleitungen und Lehrkräfte würde durch diese kurzfristige Entscheidung die Planungssicherheit genommen werden.*

Alle Schülerinnen und Schüler müssen mindestens zweimal wöchentlich getestet werden

Einig bei dem Treffen zwischen dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und den Vertretern von Schülern, Lehrern und Eltern, sei man sich jedoch gewesen, dass Wechselunterricht nur möglich ist, wenn sich alle Schülerinnen und Schüler mindestens zweimal die Woche testen lassen, erklärte die Regierungssprecherin am Montagabend. Dafür stünden ab April 16 Millionen Schnelltests zur Verfügung, wie der SWR berichtet. Somit dürfen nur Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen, die sich testen lassen: Für alle andere könne es nur Fernunterricht geben. Noch in dieser Woche will die Regierung entsprechende Pläne für eine „Testpflicht“ auf den Weg bringen. Außerdem sei es wichtig, dass die 7-Tage-Inzidenz unter 100 bliebe.*

GEW sieht Gespräch mit Winfried Kretschmann als Fortschritt: Meinung von Pädagogen ist gefragt

Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Monika Stein stellte klare Forderungen an die Politik: Unternehmen sollen mehr in die Pflicht genommen werden, um die Pandemie eindämmen zu können. „Die Regierungen lehnen sich gerade schon ein wenig zurück und wollen vor allem über die Schulen, Kitas und Lebensbereiche für Kinder und Jugendliche die Pandemie in den Griff bekommen“, so Stein. Es müsse dringend überlegt werden, „ob nicht eine Home-Office-Pflicht eingeführt werden kann“.

Insgesamt bezeichnete Monika Stein das Gespräch unter Leitung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann als Fortschritt: „Nach dem monatelangen Streit in der Landesregierung über die Corona-Strategie haben wir jetzt den Eindruck, dass die Meinung der pädagogischen Expertinnen und Experten wieder gefragt ist. Gut ist auch, dass der Landesschülerbeirat und der Landeselternbeirat mit am Tisch setzen. Wir hoffen jetzt auf die Zusagen von Winfried Kretschmann, dass Öffnungen nur stattfinden, wenn eine klare Teststrategie vorhanden und gute Sicherheitsmaßnahmen garantiert sind.“ *Heidelberg24 und echo24 sind Angebote von IPPEN.Media.

Erstmeldung vom 29. März: Stuttgart - Leere Schulhöfe und Gänge, die Stühle in den Klassenzimmern stehen auf den Tischen, die Tafel ist sauber. In vielen Schulen im Südwesten herrscht seit Dezember vergangenen Jahres eine ungewohnte Ruhe. Grund ist das Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Verbreitung des Virus hat dazu geführt, dass nicht mehr vor Ort in Klassenzimmern, sondern vor dem Computer zu Hause gebüffelt wird.

Nachdem bereits im vergangenen Jahr die Schulen und Kindergärten geschlossen wurden, sind seit dem 15. Februar Grundschüler und Abschlussklassen trotz steigender Infektionszahlen des Coronavirus in Baden-Württemberg wieder im Präsenzunterricht. Fünft- und Sechstklässler folgten einen Monat später. Doch für die Schülerinnen und Schüler der anderen Jahrgangsstufen sieht es bisher mau aus: Sie müssen nach wie vor an virtuellem Unterricht teilnehmen.

Das soll sich jedoch ändern - zumindest wünscht sich das Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Vergangene Woche kündigte er bereits Gespräche mit Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern an, um eine Strategie zu entwickeln, damit alle Schüler nach den Osterferien wieder in die Schulen zurückkehren können. An der Videokonferenz, die am Montagnachmittag um 16 Uhr stattfindet, sollen auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) teilnehmen.

Schulöffnungen in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann berät sich mit Eltern, Lehrern und Schülern

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, forderten Eltern-Schüler und Lehrervertreter vor dem virtuellen Treffen mit Winfried Kretschmann eine verbindliche Teststrategie des Landes. Während Erzieher und Lehrer die Öffnungspläne des Ministerpräsidenten im Februar noch als „utopisch“ bezeichneten, dürfen sie nun mitreden. So verlangt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nun, dass mindestens zwei Tests pro Woche für jede Schülerin und jeden Schüler an Schulen garantiert werden. Bislang hänge die Umsetzung an den viel zu oft überlasteten Schulleitungen.

Die steigende Inzidenz durch das Coronavirus in Baden-Württemberg ist eine Hürde für die flächendeckende Öffnung der Schulen im Bundesland. Die GEW hält es für sinnvoll, sich nach diesem Wert zu richten und ab einer Inzidenz von über 50 nur Wechselunterricht zuzulassen. Jedoch liegt nach dem aktuellen Stand (29. März, 11.30 Uhr) kein Stadt- und Landkreis unter einer 7-Tage-Inzidenz von 50. Würden es die Infektionszahlen zulassen und die Teststrategie stehen, ist die Bildungsgewerkschaft auch für eine Öffnung ab Klasse 7 im Wechselunterricht.

Seit Dezember befindet sich die ganze Mittelstufe im Fernunterricht - niemand dieser Schüler hat seinen Klassenraum seither von Innen gesehen. Um diese Vorschläge gut umsetzen zu können, hofft die GEW auf Einsicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Anders als das Kultusministerium hoffe man, dass er den Einsatz von mehr Personal wie pädagogischen Assistenten und Lehramtsstudierenden umsetze.

Forderung: Schulen öffnen, aber nur mit täglichen Tests auf das Coronavirus in Baden-Württemberg

Die Beiräte der Landeseltern und -schüler gehen mit ihren Forderungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg noch einen Schritt weiter: Die beiden Verbände verlangen als Voraussetzung für eine weitere Öffnung der Schulen eine tägliche Testung aller Schüler. „Das Potenzial für das Testen an den Schulen ist noch längst nicht ausgeschöpft“, sagte die Sprecherin des Landesschülerbeirates, Elisabeth Schilli, der dpa am Sonntag. An manchen Schulen werde ein- bis zweimal in der Woche getestet, an anderen gar nicht. Daher betonte die Abiturientin, dass eine Teilnahme an den Tests verpflichtend sein müsse. Es gebe immer noch Schüler, die sich überhaupt nicht testen ließen: „Dabei dient die Testung dem Schutz der Gruppe und deren Angehörigen.“

„Die Hoffnungen der Eltern auf dieses Gespräch sind gewaltig“, sagte der Chef des Elternbeirats Michael Mittelstaedt. Präsenz und Sicherheit seien die Wünsche des Beirats. Hochwirksame Luftfilter und Plexiglasabgrenzungen in den Klassenräumen spielten eine große Rolle - die Kosten dafür lägen bei rund 220 Millionen Euro. Durch solche Maßnahmen und das intensive Testen sei zumindest an den Grundschulen Unterricht ohne Masken möglich.

Eltern fordern: Jugendliche ab 16 Jahren sollen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft werden

Nachdem die GEW bereits gefordert hatte, dass nur geimpfte Lehrer an Schulen unterrichten sollen, fordert der Elternbeirat nun Impfangebote gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg für Schüler und Schülerinnen ab 16 Jahren. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, könne so verhindert werden, dass die Jugendlichen kurz vor dem Schulabschluss durch eine Corona-Erkrankung aus der Bahn geworfen werden. Außerdem wird der Wunsch von Schülern und Eltern nach Förderprogrammen laut, die coronabedingte Lerndefizite* ausgleichen sollen. Diese könnten bereits in den Osterferien beginnen, spätestens in den Pfingstferien.

Bevor es mit dem Präsenzunterricht für alle Schüler in Baden-Württemberg weitergehen kann, müsse man „zwischen Gesundheitsschutz und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen einen gangbaren Weg finden“, heißt es im Einladungsschreiben von Ministerpräsident Kretschmann, das der dpa vorliegt. Und weiter: „Für den Zeitraum nach Ostern sind damit tragfähige Konzepte für den Schulbetrieb gefragt, um möglichst allen Klassenstufen die Chance auf Wechselunterricht zu geben.“ Dabei würden auch Testungen an Schulen eine zentrale Rolle spielen. *heidelberg24 ist ein Angebot von IPPEN-Media.

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