Studie an Schulen

Jeder dritte Lehrer hält Öffnung der Schulen für einen Fehler und berichten von irrwitzigen Zuständen

Eine Grundschülerin setzt eine Einweg-Maske auf.
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Coronavirus: Lehrer halten Öffnung der Schulen in Baden-Württemberg für einen Fehler
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt noch immer eine Gefahr dar. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) befragte die Lehrkräfte im Land. Viele Lehrer fühlen sich nicht ausreichend geschützt.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt noch immer eine Gefahr dar. Auch in Stuttgart gab es an Schulen neue Fälle.
  • Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) führte in der ersten Juliwoche eine Umfrage durch. Das Ergebnis zeigt: Viele Lehrer fühlen sich nicht ausreichend geschützt.
  • Die Lehrkräfte in Baden-Württemberg berichten von einer deutlich höheren Belastung seit dem Ausbruch von Corona. Der Großteil der Lehrer steht einer Rückkehr in den Regelbetrieb dennoch positiv gegenüber.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg führte zur temporären Schließung der Schulen. Inzwischen verbreitet sich die Krankheit deutlich langsamer als noch vor ein paar Wochen. Die Landesregierung lockerte die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz immer weiter. Seit Ende Juni sind die Grundschulen im Land zum Regelbetrieb zurückgekehrt. Nur wenige Tage später gab es neue Infektionen in der Landeshauptstadt. Fünf Schulen in Stuttgart führten umfangreiche Tests durch, in zwei Kindergärten wurden Covid-19-Fälle bestätigt.

Auch die Lehrkräfte an Grund- und weiterführenden Schulen fühlen sich nicht ausreichend geschützt. Für sie stieg die Belastung seit dem Ausbruch und der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg deutlich an. Das geht hervor aus einer Studie, die der Verband für Bildung und Erziehung (VBE) in der ersten Juliwoche durchführte. Laut der Studie ist auch die Arbeitsbelastung an Grundschulen seit Rückkehr zum Regelbetrieb hoch. Trotzdem ist die Mehrheit der Lehrer für einen Regelbetrieb an allen Schulen nach den Sommerferien.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lehrer schlagen nach Öffnung der Schulen Alarm

Der Alltag an vielen Schulen war schon vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg belastend für die Lehrkräfte. Der Ausbruch des Virus hat das nur noch verschlimmert. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten in der Corona-Pandemie ohne Abstandsgebot und Maskenpflicht auf engem Raum mit bis zu 30 weiteren Personen zusammenarbeiten“, sagte VBE-Chef Gerhard Brand in einer Pressemitteilung und beschreibt damit die aktuelle Situation an den Schulen im Land. Ihn verwundere es wenig, dass „sich ein Drittel der Lehrkräfte nicht ausreichend geschützt fühlt und sich über 70 Prozent gerne regelmäßig auf das Virus testen lassen würden".

Laut der Studie berichtet jeder zweite Lehrer an weiterführenden Schulen von einer deutlich höheren Arbeitsbelastung im direkten Vergleich zu der Zeit vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg. „Hier zeigt sich das enorme Pensum, das die Kolleginnen und Kollegen im rollierenden System zu leisten haben“, sagt Brand. „Sie pendeln zwischen Präsenzunterricht, der Aufgabenerstellung für das selbstständige Lernen zuhause, der Begleitung dieser Schülerinnen und Schüler, den Präsenzlernangeboten sowie dem Einsatz in der Notbetreuung“.

Dazu kommen noch Tätigkeiten, die mit der normalen Arbeit eines Lehrers wenig zu tun haben, wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg aber immer öfter zum Alltag werden. „[...] jede dritte Lehrkraft [sagt], dass die Lehrerinnen und Lehrer selbst Räume putzen, um den höheren Rhythmus bei der Reinigung zu gewährleisten“, erklärt der Landesvorsitzende des VBE. „Damit verprellt das Kultusministerium die Lehrkräfte zusätzlich: Anstatt ein angemessenes Arbeitsumfeld mit ausreichend Zeit für Bildung und Erziehung zu schaffen, bekommen Lehrkräfte den Putzeimer in die Hand gedrückt“.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die meisten Lehrer wollen trotzdem zurück in den Regelbetrieb

Laut der Umfrage will die Mehrheit der Lehrer trotzdem zurück in den Regelbetrieb. Rund zwei Drittel der Grundschullehrer halten es für richtig, dass die Grundschulen Ende Juni wieder den Präsenzunterricht aufgenommen haben. Auch die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen stehen einer Rückkehr in den Regelbetrieb nach den Sommerferien positiv gegenüber. VBE-Chef Brand findet dazu lobende Worte: „Einmal mehr zeigt sich das außerordentlich hohe Berufsethos der Lehrkräfte. Trotz aller Zusatzbelastungen und Bedenken zum Gesundheitsschutz wollen sie wieder an der Schule unterrichten.“

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg können nicht alle Lehrer wieder ihrer Arbeit nachgehen. Die Lehrkräfte aus der Risikogruppe stehen aktuell nicht zur Verfügung. Auch Hunderte andere Lehrkräfte in Baden-Württemberg verlieren am 30. Juli ihren Job. Sie müssen sich zu Beginn der Sommerferien arbeitslos melden, da sie nur einen begrenzten Vertrag haben.

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