Quarantäneregeln in Süddeutschland

Corona-Regelungschaos könnte massenhaft Touristen nach Baden-Württemberg treiben

Der Verkehr staut sich auf der Autobahn 1 auf mehrere Kilometer.
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Baden-Württemberg droht eine neue Form von Tourismus.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Wegen dem Coronavirus gelten in Baden-Württemberg stellenweise andere Regeln als in anderen Bundesländern. Das Chaos könnte bald für einen skurrilen Corona-Tourismus im Südwesten sorgen.

Stuttgart - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg stellte die Landesregierung umfassende Verordnungen zum Infektionsschutz auf. Im Laufe des Jahres wurden die Maßnahmen mehrmals gelockert und wieder verschärft. Aktuell gilt ein Teil-Lockdown mit drastischen Maßnahmen in ganz Deutschland, der von Bund und Ländern gemeinsam beschlossen wurde. Darüber hinaus können die einzelnen Bundesländer jedoch ihre eigenen Verordnungen aufstellen, was stellenweise zu Chaos führt.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Baden-Württemberg in unserem Ticker.

Zum 1. Dezember verschärfte die Landesregierung die Verordnungen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg nochmals. Zu den neuen Regeln gehören unter anderem eine strengere Kontaktbeschränkung sowie die Ausweitung der Maskenpflicht. Baden-Württemberg führte jedoch auch eine überraschende Corona-Lockerung ein. Die Quarantänezeit wurde von bisher 14 Tagen auf zehn Tage verkürzt. Auch bei den Quarantäne-Auflagen für Tagestouristen aus dem Ausland geht das südwestdeutsche Bundesland einen eigenen Weg, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Keine Quarantänepflicht für Tagestouristen

Durch die steigenden Zahlen der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wurde Stuttgart vor einigen Wochen zum Risikogebiet erklärt. Inzwischen gilt diese Einstufung für das ganze Bundesland. Das Robert Koch-Institut (RKI) stufte auch viele der Nachbarländer als Risikogebiet ein - darunter Österreich, Italien, Frankreich und die Niederlande. Nach der Corona-Verordnung müssen sich Rückreisende aus gefährdeten Ländern bei ihrer Rückkehr in häusliche Quarantäne begeben. In Baden-Württemberg gilt diese Maßnahme jedoch nicht, wenn der Aufenthalt in einem Risikogebiet weniger als 24 Stunden betrug.

Im Gegensatz zu Bayern hält die baden-württembergische Regierung daran fest, dass sich Wintersportler und andere Tagestouristen nach ihrer Rückkehr nicht in Quarantäne begeben müssen, wie die dpa berichtet. Derzeit seien keine Einschränkungen hinsichtlich dieser Regelung vorgesehen, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums der dpa. Bayern hatte ein vergleichbares Konzept in der vergangenen Woche gekippt. Dort gelte eine Ausnahmeregelung der Quarantänepflicht auch für Tagestouristen nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Regelchaos könnte Folgen für den Südwesten haben

Die Verordnungen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg werden häufig kritisiert. Nun kommt Kritik angesichts der unterschiedlichen Regelungen in den beiden süddeutschen Bundesländern auf, wie die dpa berichtet. Kritiker befürchten, dass in den kommenden Monaten eine Art „Schlupfloch-Skitourismus“ in Süddeutschland entstehen könne. Beispielsweise könne ein Bewohner aus Lindau (Bayern) vom Bodensee morgens über Baden-Württemberg ins Ausland zum Skifahren fahren und abends denselben Weg zurücknehmen.

Der Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart wies die Kritik zurück und verwies auf die Corona-Verordnung. Der Ski-Urlauber aus Bayern müsse im Falle einer Ein- und Rückreise über Baden-Württemberg nach der in Bayern geltenden Verordnung im eigenen Bundesland in Quarantäne. Die möglichen Orte für Wintertourismus werden jedoch auch immer weniger. In Österreich gilt eine zehntägige Quarantänepflicht für Einreisende aus Corona-Risikogebieten. Skitouristen bleibt demnach aktuell nur noch die Schweiz.

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