Abkehr vom Inzidenzwert

Baden-Württemberg: Umfassende Corona-Lockerungen ab September - das ändert sich

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Noch immer infizieren sich zahlreiche Menschen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Dennoch sollen die Regeln ab September angepasst werden - und Ende des Monats dann erneut.

Stuttgart - Obwohl inzwischen fast 60 Prozent der Bevölkerung im Südwesten geimpft sind, beschäftigt das Coronavirus in Baden-Württemberg die Landesregierung noch weiter. Aktuell stagniert die 7-Tage-Inzidenz bei 17,3. Damit ist sie im Vergleich zu schlimmen Phasen der Pandemie zwar nach wie vor niedrig, zwischenzeitlich lag sie aber auch noch weit niedriger.

Während auch am Montag wieder 158 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg dazu kamen, wird im Südwesten heftig über das weitere Vorgehen während der Pandemie diskutiert. Besonders bei Überlegungen zu Privilegien für Geimpfte scheiden sich die Geister. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann will Einschränkungen für Geimpfte großenteils aufheben.

Unterstützung bekommt der Grünen-Politiker dabei auch aus dem Gesundheitsministerium von Baden-Württemberg. Obwohl die Inzidenz derzeit ansteigt, will Minister Manfred Lucha die Corona-Regeln vorübergehend lockern und die Schwellenwerte im Südwesten anheben.

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Einfach einen Rutsch machen“ - Schwellenwert soll angepasst werden

Noch gilt in Baden-Württemberg die aktuelle Corona-Verordnung. Wenn diese am 23. August ausläuft, soll in einer Folgeverordnung der Inzidenzschwellenwert für Einschränkungen von 25 auf 50 angehoben werden. „So können Sie einfach einen Rutsch machen“, erklärte Gesundheitsminister Manfred Lucha laut Deutscher Presseagentur.

Baden-Württemberg lockert Corona-Regeln.

In trockenen Tüchern ist der Vorschlag allerdings noch nicht, das Kabinett muss erst noch zustimmen. Das Land Baden-Württemberg geht ohnehin davon aus, dass die neue Verordnung nicht wesentlich länger als bis zum 20. September gültig sein wird. Schon länger wird über einen Paradigmenwechsel bei der Beurteilung der Corona-Pandemie diskutiert. Da bis Ende September alle Impfberechtigten in Baden-Württemberg ein Impfangebot bekämen, könnte das Land sich von der Inzidenz als Richtwert verabschieden.

Corona-Inzidenz in Baden-Württemberg: Land plant anderen Richtwert zur Beurteilung der Pandemie

Gesundheitsminister Manfred Lucha plädiert laut Deutscher Presseagentur dafür, künftig die Belastung der Intensivstationen als Maßstab für Einschränkungen angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg zu wählen. Demnach seien stärkere Restriktionen für Nichtgeimpfte denkbar, sobald 300 Intensivplätze in Baden-Württemberg mit Covid-Patienten blockiert seien.

Restriktionen für Nichtgeimpfte fordern auch andere Politiker. Baden-Württembergs FDP-Landeschef befürwortet, dass wer sich gegen eine Corona-Impfung entscheidet, Tests selbst zahlen muss. Aktuell werden in Baden-Württemberg nach Angaben des DIVI-Intensivregisters 50 Covid-Fälle intensivmedizinisch behandelt, insgesamt sind 82,9 Prozent der Intensivbetten belegt.

Am heutigen Dienstag wollen sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer in Deutschland zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie abstimmen.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen

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