Massive Umsatzeinbrüche

„Existenzgefährdend“: Friseure verzweifeln an Corona-Testpflicht - Kunden bleiben aus

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es einen neuen Haarschnitt nur mit negativem Corona-Schnelltest. Friseure sehen diese Regelung kritisch.

Stuttgart - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist noch immer davon entfernt, sich zu beruhigen. Entsprechend herrscht bei den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie aktuell viel Bewegung. Zuletzt trat in Baden-Württemberg die „Bundesnotbremse“ in Kraft - mit neuen Corona-Regeln. Für die Wirtschaft im Südwesten haben die Verordnungen weitreichende Folgen. Besonders die Friseure stehen seit Monaten im Fokus. Wie der SWR berichtet, bereitet den Betrieben vor allem eine Regelung große Sorgen.

Corona-Testpflicht für Friseure: Regeln erschweren die Arbeit der Betriebe in Baden-Württemberg

Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind immer wieder das Zentrum hitziger Diskussionen und stoßen nicht bei allen auf Gegenliebe. Viele Regeln sind für Betroffene nur schwer nachvollziehbar. Beispielsweise durften in Stuttgart wegen einer Corona-Regel nur Friseurmeister weiterhin öffnen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ab sofort dürfen Kunden nur mit negativem Corona-Testergebnis zum Friseur. Betrieben bereitet die Regeln Sorgen.

Aktuell stellt aber eine Regelung Betriebe vor besondere Herausforderungen: Seit kurzem müssen Kunden einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen, um in Baden-Württemberg zum Friseur gehen zu können. Die Regel gilt in Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz über 100. Von der Testpflicht ausgenommen sind nur vollständig Geimpfte oder Personen, die nachweislich bereits eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben.

Die Probleme für Friseurbetriebe beginnen allerdings bereits bei den Tests: Selbsttests reichen als Nachweis nicht aus. Nur geschultes Personal in offiziellen Teststellen dürfen einen Corona-Test durchführen, der den Besuch beim Friseur erlaubt. Zum Termin muss also eine entsprechende Bescheinigung mitgebracht werden. Zudem darf das Ergebnis nicht älter als 24 Stunden sein, berichtet der SWR.

Friseure kritisieren Corona-Testpflicht: Fachverband warnt vor gravierenden Folgen

Der Fachverband für Friseure und Kosmetik in Baden-Württemberg hält nicht viel von der Corona-Testpflicht. Vor allem Friseurbetriebe im ländlichen Raum hätten mit Terminabsagen zu kämpfen, sagte Matthias Moser, Landesgeschäftsführer des Verbands, gegenüber dem SWR. Er geht von Umsatzeinbrüchen um bis zu 80 Prozent aus - vor allem dort, wo die Infrastruktur hinsichtlich der Teststellen und -Zentren schlecht ausgebaut ist.

Der Fachverband wünscht sich deshalb, dass die Regeln für einen Besuch beim Friseur geändert werden. „Wir bitten um eine pragmatische, praktikable Lösung, die aktuelle Regelung ist existenzgefährdend“, so Matthias Moser, Landesgeschäftsführer des Fachverbands zum SWR. Es könne nicht sein, dass Friseure unter dem Druck der Auflagen am Ende wieder unfreiwillig schließen müssten.

Testpflicht bei Friseuren: Verband fürchtet mehr Schwarzarbeit

Der Fachverband glaubt zudem, dass die Testpflicht vor dem Friseurbesuch aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg die Schwarzarbeit befördern könnte. „Die Menschen suchen sich andere Möglichkeiten, die dann eben nicht so einfach kontrolliert werden können“, erklärte Landesgeschäftsführer Matthias Moser dem SWR. Unterstützung erhält der Verband durch die Stuttgarter Handelskammer, die sich ebenfalls mehr Klarheit bei den Regeln wünscht. „Interpretationsspielraum besteht beispielsweise hinsichtlich der Testung von Kindern, die eine Friseurdienstleistung in Anspruch nehmen, oder des notwendigen Nachweises der Schnelltests“, so Hauptgeschäftsführer Thomas Hoefling gegenüber dem SWR.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare