„Aufzug durch Stuttgart“

Querdenker planen Großdemo auf Cannstatter Wasen - und laden Influencer und Youtuber ein

Menschen versammeln sich in Stuttgart im Unteren Schlossgarten zu einer Protestkundgebung der Initiative „Querdenken 711“, im Mittelpunkt ist ein Schild zu sehen mit der Aufschrift: „Querdenken 711 Stuttgart“.
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Bereits im Juli vergangenen Jahres nahmen zahlreiche Menschen im Unteren Schlossgarten an einer Protestkundgebung der Initiative „Querdenken 711“ teil.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Seit einem Jahr organisiert „Querdenken 711“ Kundgebungen und Proteste gegen die Maßnahmen aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg. Am 3. April soll eine Demonstration in Stuttgart stattfinden.

Stuttgart - Die Pandemie aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg hält die Menschen nun schon seit einem Jahr in Atem. Bereits kurz nach dem Ausbruch der Krankheit, den umgesetzten Maßnahmen zum Infektionsschutz und dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr sehnten sich viele nach ihrem bisherigen Alltag: ein Leben ohne Masken, Desinfektionsmittel, Mindestabstand und Kontaktbeschränkungen.

Von Anfang an nutzte die Stuttgarter Initiative „Querdenken 711“ die Skepsis der Menschen gegenüber der Corona-Politik und organisierte Anti-Corona-Demos. Im Laufe des vergangenen Jahres fanden Protest-Aktionen in vielen Städten im Südwesten, aber auch in ganz Deutschland statt. Zuletzt plante die Initiative Autokorsos, ausgerechnet auch am Holocaust-Gedenktag, in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Querdenker wollen „Aufzug durch Stuttgart“

Doch Autokorsos sind den Querdenkern nun im Frühjahr nicht mehr genug: Gegen die aktuellen Regeln des Coronavirus in Baden-Württemberg ist nun eine große Demonstration auf dem Cannstatter Wasen, wo sonst eigentlich das Frühlingsfest und das gleichnamige Volksfest Cannstatter Wasen stattfindet, geplant. „In Stuttgart, wo alles begann, wollen wir das Jahr des Friedens und der Freiheit feiern. Geplant ist eine Kundgebung mit anschließendem Aufzug durch Stuttgart“, heißt es in der Pressemitteilung der corona-kritischen Initiative. Eingeladen sind neben „Querdenkern“ aus ganz Deutschland auch explizit Youtuber und Blogger, die über die Demo berichten sollen.

Die „Querdenker 711“-Demonstration unter dem Motto „Das Jahr des Friedens und der Freiheit – Grundrechte sind nicht verhandelbar!“ soll am 3. April stattfinden. Dabei will die Initiative weiterhin die sofortige Aufhebung der Corona-Maßnahmen fordern. Obwohl dem Kopf und Gründer der „Querdenker“, Michael Ballweg, immer wieder den „Frieden“ betont, funktioniert die Distanzierung zu Rechtsradikalen nicht unbedingt.

„Querdenken 711!“ vermischt sich immer öfter mit Rechtsextremen

Bei einer Demo in der Hauptstadt Berlin im vergangenen Jahr mischten sich vermehrt Rechtsextreme mit Reichskriegsflaggen und Nazi-Symbolen unter die „Querdenker“. Als sich die Lage immer weiter zuspitzte, unternahmen die Rechten einen Sturm auf den Reichstag. 

Bei den Demonstrationen der Initiative „Querdenken 711“, die seit einiger Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet wird, werden auch immer wieder Kinder instrumentalisiert. So verglich sich ein 11-jähriges Mädchen mit Anne Frank, als sie vergangenen Jahr in Karlsruhe auf der Bühne stand, weil sie ihren Geburtstag im Geheimen habe feiern müssen. Der fragwürdige Vergleich führte zu Empörung. Das jüdische Mädchen Anne Frank musste sich wegen der Judenverfolgung mehrere Jahre in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nationalsozialisten verstecken. Dort schrieb sie auch ihr weltbekanntes, posthum veröffentlichtes Tagebuch.

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