Mitgründer der Initiative „Querdenken 711“

Brisantes Video: Corona-Aktivist Michael Ballweg macht Stimmung gegen Bosch - und verschweigt Entscheidendes

Michael Ballweg auf einer Demonstration in Stuttgart
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Corona-Aktivist Michael Ballweg wurde angeblich Opfer von Zensur. Doch er verrät nicht die ganze Wahrheit.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Aufgrund seines Kampfs gegen die Corona-Maßnahmen sollen drei Unternehmen ihre Verträge mit der Firma von Michael Ballweg gekündigt haben. Das scheint jedoch nicht die Wahrheit zu sein. Der Mitgründer der Bewegung „Querdenekn 711“ verschweigt einige wichtige Details.

  • Die Bewegung "Querdenken 711" protestiert gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg und sieht die Meinungsfreiheit durch diese eingeschränkt.
  • Michael Ballweg von der Initiative inszeniert sich aktuell selbst als Opfer von Zensur. Einige langjährige Kunden seines Unternehmens Media Access sollen aufgrund seiner politischen Bemühungen ihre Verträge gekündigt haben.
  • Die Sichtweise der Unternehmen widerspricht jedoch den Ausführungen des Corona-Aktivisten.

Stuttgart - Während des Lockdowns im Frühjahr aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg war die Bevölkerung im Südwesten und der Landeshauptstadt Stuttgart in ihrem Alltag lange Zeit stark eingeschränkt. Die Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 reichten von der Einführung einer Maskenpflicht bis hin zu Ladenschließungen und Kontaktverboten. Seitdem sind die Corona-Infektionszahlen wieder gesunken und aktuell auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Aus diesem Grund entschied sich die Landesregierung in Stuttgart für eine Lockerung der Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg am 1. Juli. Seitdem ist den Menschen fast alles wieder erlaubt. Einigen scheint das jedoch nicht weit genug zu gehen. Auf Corona-Demonstrationen - beispielsweise auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart - protestieren sie gegen die weiterhin geltenden Hygieneauflagen. Der Zulauf wird jedoch kleiner, weshalb Veranstalter der Initiative „Querdenken 711“ bei einer Demo Teilnehmer dazu erfinden mussten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Initiative „Querdenken 711" protestiert gegen Maßnahmen zum Infektionsschutz

Mitgründer von „Querdenken 711“ und Veranstalter der Demonstrationen ist Michael Ballweg. Die Initiative richtet sich gegen die Einschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg, da sie die Grundrechte durch die Corona-Verordnung verletzt sieht. Auf ihrer Seite heißt es, dass sich die Initiative für die „Wiederherstellung des Grundgesetzes“ einsetzt. Ein immer wiederkehrender Streitpunkt in Bezug darauf ist das Thema Meinungsfreiheit. Nach Ansicht der „Querdenker" sei diese nämlich eingeschränkt - immer wieder ist von Zensur die Rede.

Ganz aktuell versucht Michael Ballweg diese These zu untermauern und inszeniert sich selbst als Opfer einer vermeintlichen Zensur. Auf der Internetseite seiner Firma Media Access gab der Unternehmer vergangenen Dienstag eine Erklärung „Zum Status der Demokratie“ ab. In dieser heißt es, dass die Website in 4 Wochen geschlossen werde. Grund dafür sei, dass langjährige Kunden des Unternehmens ihn aufgefordert hätten, sie als Referenzen zu löschen - warum das gleich zur Schließung der Website führt, bleibt allerdings unerwähnt. Stattdessen zitiert Michael Ballweg Artikel 5 des Grundgesetzes zur Meinungsfreiheit in Deutschland.

In einem Interview mit einem YouTuber von der Demonstration in Hamburg vergangenen Samstag bestätigt der „Querdenken 711“-Initiator, dass sein Einsatz gegen die Corona-Maßnahmen seiner Ansicht nach Grund für die Forderung der Unternehmen ist. „Ich habe diese Woche fünf Briefe bekommen, die alle ungefähr gleich lautend waren - einen von Bosch, einen von Thyssenkrupp, einen von ZF Friedrichshafen, einen von Huk-Coburg und einen von der Techniker Krankenkasse“, erklärt Michael Ballweg.

Die Firmen seien nach einer Demonstration in Berlin massiv angeschrieben worden, „warum sie denn mit jemandem wie mir noch zusammenarbeiten“, so der Unternehmer. „Ich habe das auf Twitter ein bisschen verfolgt“. Daraufhin hätten laut Michael Ballweg alle ihre Verträge gekündigt oder nicht verlängert. Gleichzeitig soll er darum gebeten worden sein, „die Referenzen von der Website zu nehmen“. Der Interviewer zeigt sich darüber entsetzt. „Es ist schon krass, man will dich irgendwie finanziell vernichten“, kommentiert er, und: „Da fühl ich mich in eine Diktatur zurückversetzt“.

Bei Anhängern der „Querdenken 711“-Bewegung findet das Interview schnell Anklang und Empörung macht sich breit. „Das ist also Demokratie - wenn man jemanden wegen seiner Meinung kündigt“, schreibt ein User unter dem Video. Eine andere: „Diese Firmen gehören boykottiert. Man kann nicht alles hinnehmen“. Mit dieser Ansicht steht sie nicht allein da. Viele kommentieren etwa, dass sie bestehende Verträge mit einem der genannten Unternehmen auflösen wollen: „Ich werde meine Versicherung bei der HUK kündigen, Leute, macht mit! Diese Konzerne denken, dass sie nicht angreifbar sind... Und wir sind viele!“

Zensur durch Corona-Maßnahmen: Michael Ballweg inszeniert sich selbst als Opfer - verschweigt jedoch Details

Um auch die andere Seite zu Wort kommen zu lassen, kontaktierte der SWR drei der betroffenen Unternehmen und bat sie um eine Stellungsnahme. Deren Aussagen in dem Bericht widersprechen jedoch den Informationen, die Michael Ballweg an die Öffentlichkeit weitergibt.

Nach Information eines Sprechers der ZF Friedrichshafen AG wird das Unternehmen Media Access das bisher genutzte Software-Produkt nicht mehr fortführen. Das stünde bereits seit Anfang des Jahres fest. „Als Folge daraus mussten wir einen neuen Anbieter auswählen, weshalb wir die Firma Media Access schriftlich um die Bestätigung der Einstellung gebeten haben sowie darum, die Referenznennung von der Unternehmens-Webseite zu entfernen“, zitiert der SWR.

Ähnliche Informationen erhielt der öffentlich-rechtliche Sender auch von zwei anderen ehemaligen Kunden von Media Access. Die Robert Bosch Ag informiert zudem, dass die finale Entscheidung bereits Anfang des Jahres aus wirtschaftlichen Gründen gefallen sei. Demnach wäre bereits vor der Corona-Pandemie und Michael Ballwegs Bemühungen gegen die Maßnahmen zu deren Eindämmung klar gewesen, dass dieser seine Software nicht weiterführt.

Dazu sagt der Unternehmer jedoch nichts. Stattdessen instrumentalisiert Michael Ballweg die Vorkommnisse und macht bei „Querdenken 711“-Anhängern Stimmung wegen angeblich Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit. Der Bitte um eine Stellungnahme zu der Sache durch den SWR kam Michael Ballweg derweil nicht nach.

Corona-Aktivist Michael Ballweg instrumentalisiert eigene Lage, um auf angeblich eingeschränkte Meinungsfreiheit und Zensur aufmerksam zu machen

Erst kürzlich versuchte Kabarettist Florian Schroeder auf einer Demonstration von „Querdenken 711“ gegen Verschwörungstheorien in Bezug auf angeblich beschränkter Meinungsfreiheit vorzugehen und erklärte den Protestanten: „Wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dann dürftet Ihr euch hier gar nicht versammeln, dann dürftet Ihr hier gar nicht stehen“. Dass die Veranstalter auf Florian Schröder reinfielen und ihm überhaupt einluden, war auf ein Missverständnis zurückzuführen. Im Nachhinein erzählte der Kabarettist von der überraschenden Reaktion der Demonstranten.

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