„Politiker agieren im Tunnelmodus“

Handel in Panik: Kunden könnten wegen Lockdown an Ostern die Supermärkte stürmen

  • Sina Alonso Garcia
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg wird über Ostern ein harter Lockdown verhängt. Der Handel befürchtet Kundenanstürme am Karsamstag - dem einzigen Tag, an dem Supermärkte öffnen dürfen.

Stuttgart/Berlin - Über die Osterfeiertage werden Supermärkte nur an einem von fünf Tagen geöffnet sein - nämlich am Karsamstag. Zusätzlich zum Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag wurde nun auch der Gründonnerstag als Einkaufstag gestrichen. Das geht aus einem aktuellen Beschluss von Bund und Ländern hervor. Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen. Weil der Lockdown bis 18. April verlängert wurde, drohen außerdem harte Corona-Regeln an Ostern, beispielsweise beim Thema Kontaktbeschränkungen.

Angesichts der Schließungen über Ostern ist der Handelsverband Deutschland (HDE) alarmiert - und hält sowohl die Schließung am Gründonnerstag als auch die Verlängerung des Lockdowns bis Mitte April für kontraproduktiv. „Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Sie konzentrieren sich auf Infektionszahlen, nicht aber auf die tatsächliche Infektionsgefahr beim Einkaufen.“ Diese sei sehr gering.

Verschärfte Corona-Regeln an Ostern: „Hilft im Kampf gegen die Pandemie nicht weiter“

Als Grund für die Schließungen im Handel nennt die Bundesregierung jedoch nicht nur die Infektionsgefahr in den Geschäften. Man wolle mit der Maßnahme generell dafür sorgen, dass die Menschen an den Feiertagen Zuhause bleiben und nicht etwa in Bussen, Bahnen und Fußgängerzonen unterwegs seien. Der Handelsverband hält davon nichts: „Den Lebensmitteleinzelhandel mit seinen nachweislich hervorragend funktionierenden Hygienekonzepten symbolisch für einen Tag zuzumachen, hilft im Kampf gegen die Pandemie nicht weiter“, so Genth.

Wegen der Schließung der Lebensmittelhändler an Gründonnerstag prophezeit der Handelsverband einen Kundenansturm am Karsamstag.

Auf seiner Website richtet der Verband klare Worte an die Politik bezüglich weiterer Schließungen im Einzelhandel über Ostern. So dürfen Non-Food-Anbieter im Gegensatz zum Lebensmittelhandel am Karsamstag nicht öffnen. „Der nun schon beinahe seit 100 Tagen andauernde Lockdown hinterlässt derweil tiefe Spuren im Nicht-Lebensmitteleinzelhandel“, warnt der Verband. So zeige die neueste HDE-Umfrage unter knapp 1.000 Händlern, dass sich 54 Prozent der Bekleidungshändler und 58 Prozent der Händler mit Schuhen und Lederwaren in Insolvenzgefahr sehen.

Lockdown an Ostern: Handelsverband fordert „eine realistische Perspektive“ von der Politik

„Nach einem Jahr mit Corona ist die Lage bei vielen Händlern verzweifelt, vielerorts gibt es keine Hoffnung mehr, diese Krise wirtschaftlich überstehen zu können. Deshalb muss die Politik endlich eine realistische Perspektive geben“, so Handelsband-Geschäftsführer Genth. Wie die HDE-Umfrage zeigt, sind die Umsatzverluste in der vergangenen Woche im Vergleich zu 2019 weiterhin enorm. So machten die geschlossenen Geschäfte in den Innenstädten 63 Prozent weniger Umsatz als vor zwei Jahren. Die Läden, bei denen Einkaufen mit Terminvereinbarung möglich war, verzeichneten ein Minus von knapp einem Drittel.

Dass wegen des Coronavirus auch in Baden-Württemberg keine weiteren Öffnungen kommen, ist für Händler und Wirte ein harter Rückschlag. Der Widerstand der Betroffenen gegen die Corona-Maßnahmen steigt täglich. In Heidelberg öffneten Geschäfte trotz Lockdown aus Protest. Ähnlich sieht es in der Landeshauptstadt Stuttgart aus. Dort starteten Händler eine Klagewelle gegen den Lockdown.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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