Notbremse in Stuttgart

Absurde Corona-Regel in Stuttgart: Nur Friseurmeister dürfen weiterhin öffnen

Friseurin Jule Napiontek schneidet im „Salon Success“ ihrer Kundin Sophie Pilgrim die Haare.
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Friseure in Stuttgart dürfen weiterhin offen bleiben: Allerdings nur, wenn es ein Meisterbetrieb ist (Symbolbild).
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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In Stuttgart zieht die „Notbremse gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Betroffen sind auch Friseurbetriebe - jedoch nur, wenn dort kein Meister arbeitet.

Stuttgart - Eigentlich sind die Straßen der Landeshauptstadt Stuttgart gut besucht: Menschen gehen von Geschäft zu Geschäft, gönnen sich einen Kaffee oder essen ein Eis, sitzen auf der Wiese im Schlossgarten und genießen das Zusammensein. Seit über einem Jahr ist jedoch Schluss damit, denn auch Stuttgart ist schwer gebeutelt vom Coronavirus in Baden-Württemberg. Lange mussten die Geschäfte auf der Königsstraße schließen und der Schlossplatz ist oft wie leergefegt.

Weil die Inzidenz in den vergangenen Tagen mehrmals über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern lag, greift in Stuttgart die „Notbremse“ - das entschied die Stadt am Sonntag. Ab Mittwoch müssen dann viele Geschäfte erneut schließen. Dazu zählen auch körpernahe Dienstleistungen, also auch Friseursalons. Am 1. März hatten im ganzen Südwesten die Friseurläden wieder geöffnet, weil die Zahlen des Coronavirus in Baden-Württemberg zum damaligen Zeitpunkt recht niedrig waren. Der Andrang war so groß, dass ein Stuttgarter Friseur seinen ersten Termin für 1.000 Euro versteigerte. Trotz der großen Nachfrage gab es für die Friseure Einschränkungen: Sie mussten sich an die geltenden Hygienemaßnahmen halten - viele Friseurbesuche wurden dadurch teurer.

Trotz der Corona-Notbremse in Stuttgart dürfen Friseurmeister ihre Betriebe öffnen

Nun fallen viele Friseurläden der Notbremse in Stuttgart zum Opfer. Aber nicht alle. Wie in der Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg festgelegt ist, ist „der Betrieb von Friseurbetrieben und Barbershops ist für den Publikumsverkehr untersagt; ausgenommen ist die Erbringung von Friseurdienstleistungen durch Friseurbetriebe und Barbershops, soweit diese in der Handwerksrolle eingetragen sind“. Das bedeutet: Alle Friseurläden und Barbershops, in denen ein Meister oder eine Meisterin arbeitet, dürfen geöffnet bleiben. Wie diese absurde Regel entstanden ist und wie ein Meisterbrief das Coronavirus von der Ausbreitung abhalten soll, ist bisher nicht ganz klar. Auf eine Anfrage hat sich das zuständige Staatsministerium bisher nicht geäußert.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, sind die meisten Friseurbetriebe jedoch in der Handwerksrolle. Bei der Handwerkskammer (HWK) Region Stuttgart sind alleine in der Landeshauptstadt 646 Friseurbetriebe eingetragen. „In der ganzen Region sind es sogar 3.005“, so HWK-Sprecherin Julia Häcker. In diesen eingetragenen Salons erfüllt der Inhaber oder ein Angestellter die sogenannte „Meisterpflicht im Friseurhandwerk“. Es gibt jedoch auch Sonderbewilligungen nach der „Altgesellenregelung“: Erfahrene Friseurgesellen und Friseurgesellinnen dürfen nach mindestens sechs Jahren Berufserfahrung einen Salon aufmachen - auch ohne Meisterbrief.

Corona-Notbremse in Stuttgart: Friseure und Babershops dürfen nur noch Haare schneiden

Auch die in Stuttgart weitverbreiteten Barbershops dürfen trotz der Notbremse durch das Coronavirus in Baden-Württemberg weiter arbeiten. „Sie müssen aber auch in der Handwerksrolle eingetragen sein“, sagt die Sprecherin der Stadt, Jasmin Bühler, gegenüber BW24. Jedoch dürfen in diesen Barbershops fortan keine Bärte geschnitten mehr werden: „Sowohl für sie als auch für Friseure gilt nun erst einmal, dass sie nur klassische Leistungen erbringen dürfen.“ Das bedeutet: Haare schneiden, mehr nicht.

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