Drohung aus der Wirtschaft

Neuer Lockdown könnte für 160.000 Unternehmen „verheerende Folgen“ haben - IHK schlägt Alarm

  • Valentin Betz
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Anlässlich steigender Corona-Infektionen in Baden-Württemberg wird ein erneuter Lockdown immer wahrscheinlicher. Die Wirtschaft warnt eindrücklich vor den Konsequenzen.

Stuttgart - Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen stetig an. Die Frage, wie dem Einhalt geboten werden kann, wird immer drängender. In Baden-Württemberg gilt die höchste Warnstufe mit neuen Beschränkungen. Auch die Landeshauptstadt Stuttgart ist keine Ausnahme.

Stuttgart ist bereits Risikogebiet, in der Innenstadt gilt eine Maskenpflicht. Bislang genügen die Maßnahmen aber offenbar nicht, um die Zahl der Neuinfektionen deutlich zu reduzieren. Ministerpräsident Winfried Kretschmann stellte bereits ein Lockdown-Ultimatum. Immer wieder versucht er aber auch, jeden einzelnen in die Verantwortung zu nehmen. So forderte Winfried Kretschmann die Bürger auf, Kontakte zu vermeiden.

Weil die Erfolge ausbleiben, brachte Innenminister Thomas Strobl zuletzt eine rabiate Methode ins Spiel. Demnach schlägt Baden-Württemberg einen radikalen Kurz-Lockdown vor - für ganz Deutschland. Selbst wenn dieser nur für eine Woche gelten sollte, ist das für die Bevölkerung eine Horrorvorstellung. Jetzt hat auch die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart vor den Folgen eines erneuten Lockdowns gewarnt.

Lockdown durch Coronavirus: IHK Stuttgart sieht Wirtschaft bedroht und warnt vor den Folgen

Laut IHK Stuttgart hat bereits der erste Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg viele Unternehmen an den Rand des Ruins gebracht. Rund 90.000 Unternehmen in der Region Stuttgart mussten demnach Bundes- und Landeshilfen beantragen und seien bis heute auf Unterstützungsmaßnahmen angewiesen

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg können einzelne Landkreise per Notbremse unter einen erneute Lockdown gestellt werden.

Die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart Marjoke Breuning warnte deshalb vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen eines erneuten Lockdowns für viele der rund 160.000 IHK-Mitgliedsbetriebe in der Region Stuttgart. „Ein neuerlicher Lockdown hätte verheerende Folgen für die Wirtschaft und den Wirtschaftsstandort insgesamt“, so Marjoke Breuning.

Die IHK Stuttgart wünscht sich deshalb von der Politik in Baden-Württemberg, den Lockdown möglichst zu verhindern. Sie erwarten „dass zielgerichtete Maßnahmen ergriffen werden, die einen weiteren Anstieg der Infektionen verhindern helfen, gleichwohl aber von Augenmaß geprägt sind und das Wohl der Betriebe sowie deren Beschäftigten im Blick behalten.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: IHK Stuttgart setzt auf Corona-Warn-App gegen den Lockdown

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg brachte IHK-Präsidentin Marjoke Breuning die Corona-Warn-App der Bundesregierung zur Sprache. Sie fordert Unternehmen in der Region Stuttgart dazu auf, in der Belegschaft mehr für die App zu werben.

„Je mehr Nutzer die Corona-App hat, umso besser kann das Warnsystem wirken und Menschen schützen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen, um den starken Anstieg der Infektionszahlen einzudämmen“, so Marjoke Breuning. Ihren Appell richtete sie auch an die Politik. Sie solle die von Kritikern wegen erleichterter Kontaktnachverfolgung vorgebrachten datenschutzrechtlichen Bedenken überprüfen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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