Britische Corona-Mutation

Virologe Drosten hält verschärfte Corona-Maßnahme in Baden-Württemberg für unnötig

Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage um die Corona Pandemie teil.
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Die Quarantänezeit wegen der britischen Mutante zu verlängern, sei derzeit eher nicht nötig, sagt Virologe Christian Drosten.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Wegen der Mutationen des Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Landesregierung die Corona-Quarantäne von 10 auf 14 Tage verlängert. Virologe Christian Drosten hält das für nicht notwendig.

Stuttgart/Berlin - Das Coronavirus in Baden-Württemberg und in Deutschland lässt die Menschen nicht ruhen: Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) haben sich seit Beginn der Krise 2.460.030 Menschen in ganz Deutschland mit dem Coronavirus infiziert (Stand: 3. März). In Baden-Württemberg sind insgesamt 318.526 Erkrankungen gemeldet worden. 1.085 neue Fälle sind am Donnerstagmorgen hinzugekommen. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von rund 54 Infektionen auf 100.000 Einwohner in einer Woche hat Baden-Württemberg dennoch eine der geringsten Inzidenzen im Vergleich der Bundesländer.

Trotzdem geht der Lockdown nun weiter bis zum 28. März. Denn seit einigen Tagen steigen die Neuinfektionen wieder an, statt zu sinken. Für Gastronomie und Handel wurden jedoch bereits Lockerung anhand eines Fünf-Stufen-Plans in Aussicht gestellt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Verschärfte Quarantänepflicht von 14 Tagen

Um zu verhindern, dass sich die neuen Mutationen des Coronavirus in Baden-Württemberg weiter ausbreiten, gilt seit vergangener Woche eine härtere Corona-Quarantäne. Wer sich mit dem Virus infiziert hat, muss nun anstatt zehn Tagen für 14 Tage isoliert werden. Und: Wenn bei einer infizierten Person eine Virusmutation nachgewiesen wird, müssen nicht nur alle Kontaktpersonen, sondern zukünftig auch alle Haushaltsangehörigen der jeweiligen Kontaktpersonen in die 14-tägige Quarantäne.

Auf der Internetseite des baden-württembergischen Staatsministeriums heißt es, diese Maßnahmen sollen dabei helfen, das Virus und seine Mutationen einzudämmen. Eine „Anpassung aus infektiologischen Gründen“ sei erforderlich, denn „bei 95 Prozent der Personen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus Symptome entwickeln, geschieht dies innerhalb von 14 Tagen“. Es könne daher erst nach zwei Wochen garantiert werden, die Virusvariante mit hoher Wahrscheinlichkeit einzudämmen.

Corona-Quarantäne verlängern? Das ist nicht nötig, sagt Virologe Christian Drosten

Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg musste bereits im Februar eine Kita in Stuttgart schließen. Hier hatten sich zahlreiche Kinder mit der Virusvariante infiziert. Auch weitere Kitas mussten kürzlich geschlossen werden. Die britische Mutante des Coronavirus soll gefährlicher sein als das ursprüngliche Virus. Auch haben britische Forscher der Harvard-Universität offenbar herausgefunden, dass mit dieser Mutante Infizierte im Schnitt fünf Tage länger ansteckend sind.

Vor allem aufgrund dieser Ergebnisse hat sich die Landesregierung Baden-Württemberg entschieden, die Quarantänezeit wieder auf 14 Tage zu verlängern. Eine „wissenschaftliche Grundlage“ für eine solche Verlängerung gibt es nach Meinung des Virologen Christian Drosten derzeit allerdings gar nicht, wie er in der aktuellen Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus aktuell“ erklärt. Der Leiter der Virologie an der Berliner Charité sagt in Folge 78 des Podcasts: „Ich kenne einfach keine Daten, die das zeigen oder suggerieren, abgesehen von dieser Harvard-Studie, wo man aber wirklich noch ein großes Fragezeichen dran machen muss.“ Drosten sieht also derzeit keinen Anlass, die bisherigen Quarantäneregeln aufgrund der neuen Mutante anzupassen.

Mutation des Coronavirus in Baden-Württemberg erstmals im Dezember

In Baden-Württemberg wurde die erste Infektion mit der britischen Mutante bereits im Dezember bei einer Frau festgestellt, die aus dem Großbritannien-Urlaub zurückgekehrt war. Seitdem gibt es bundesweit immer mehr Meldungen einer Ansteckung mit der britischen Variante. Laut des SWR wurden dem Landesgesundheitsamt seit Ende Dezember insgesamt 3.544 Fälle mit Corona-Virusvarianten gemeldet (Stand 24. Februar). Besonders betroffen ist mit 663 Fällen die Altersgruppe der 50 bis 59-Jährigen.

Bei einem Verdacht auf eine Corona-Infektion in Baden-Württemberg gibt es Regeln, die befolgt werden müssen. Erste Ansprechpartner sind in diesen Fällen neben dem Hausarzt auch das Gesundheitsamt des Landkreises oder der Stadt, das Bürgertelefon oder die Corona-Hotline sowie das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Wichtig ist, dass bei einer vermuteten Infektion nicht direkt ein Arzt aufgesucht wird, um Kontakte zu anderen zu vermeiden. Krankenhäuser und Kliniken haben bestimmte Kapazitäten, die eingehalten werden müssen, um eine ideale Versorgung der Patienten zu gewährleisten.

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