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Apps und Online-Unterricht: Corona verändert die Musikschulen in Baden-Württemberg

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Von: Valentin Betz

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Ein Kind lernt vor dem Bildschirm Geige.
Musikschulen in Baden-Württemberg hatten es durch Corona schwer. Doch der notgedrungene Online-Unterricht brachte auch die Digitalisierung voran (Symbolbild). © Uli Deck/dpa

Das Coronavirus hat nicht nur den Unterricht an normalen Schulen in Baden-Württemberg verändert. Auch wer ein Instrument lernt, steht durch die Pandemie vor Schwierigkeiten.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg führte dazu, dass viele Menschen plötzlich ihren Alltag umstrukturieren mussten. Besonders die Lockdowns machten die Menschen kreativ. Gewohnte Hobbys und Freizeitaktivitäten wurden in die eigenen vier Wände verlagert - und bei vielen mussten grundsätzlich neue Aktivitäten her, um sich die viele Zeit zu Hause so angenehm wie möglich zu gestalten.

Nicht alle Hobbys lassen sich dabei einfach in der Wohnung umsetzen. Schon ein Fitnessstudio ist nur halbwegs durch Yogamatte und Kurzhanteln austauschbar. Vor demselben Problem standen mit Beginn der Corona-Pandemie deshalb auch die Musikschulen in Baden-Württemberg. Plötzlich musste der Unterricht oft online stattfinden. Das hat zwar offenbar die Digitalisierung vorangetrieben, die Musikschulen aber auch vor besondere Herausforderungen gestellt.

Musikschulen in Baden-Württemberg: Schülerzahlen haben sich weitestgehend gehalten

Normalerweise haben Unternehmen und andere Institutionen stets den Anspruch, weiter zu wachsen. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg kann allerdings schon ein leichter Rückgang oder eine Stagnation durchaus als Erfolg gewertet werden. Bereits im Jahr 2020 verzeichneten die Musikschulen in Baden-Württemberg „keine signifikante Veränderung der Anmeldezahlen“, so Sven Reisch gegenüber BW24. Er ist stellvertretender Geschäftsstellenleiter des Landesverbands der Musikschulen Baden-Württembergs. „Auch für das Jahr 2021 gehen wir insgesamt von stabilen Anmeldezahlen aus“, erklärt er.

Während sich viele Erwachsene während der Corona-Pandemie neue Hobbys wie beispielsweise das Backen von Bananenbrot zulegten, scheint das Lernen eines Instruments nicht dazuzugehören. Zumindest die Musikschulen verzeichnen keine Veränderung des Altersdurchschnitts ihrer Schüler. Sven Reisch spricht wenn überhaupt sogar eher von einer „Verjüngung im Altersdurchschnitt“.

Das macht sich auch im konkreten Fall bemerkbar. Die Musikschule Schwäbisch Gmünd berichteten gegenüber BW24, dass es „keinen wirklichen Einbruch an Schülerzahlen“ gab. Der Altersdurchschnitt hat sich laut dem dortigen Leiter Friedemann Gramm ebenso wenig verändert - zumindest nicht explizit seit Corona.

Musikschulen und Corona in Baden-Württemberg: Diese Instrumente sind besonders beliebt

Ein ähnliches Bild ergibt sich an den Musikschulen in Baden-Württemberg auch bei der Beliebtheit der Instrumente, die gelernt werden wollen. Daran hat die Corona-Pandemie laut Sven Reisch vom Landesverband nicht viel geändert: Im Jahr 2020 führten das Klavier und die Gitarre die Liste wie gewohnt an. In Schwäbisch Gmünd teilten die Gitarre, das Klavier und die Violine das Podest unter sich auf.

Allerdings berichtet Leiter Friedemann Gramm gegenüber BW24, dass er durchaus einen leichten Rückgang bei anderen Instrumenten erlebt hat. „Virenschleudern“ wie Blasinstrumente oder der Gesangsunterricht hätten etwas unter der Corona-Pandemie gelitten. Auch der persönliche Austausch war durch das Coronavirus in Baden-Württemberg erschwert. Allerdings berichtet sowohl der Verband, als auch die Musikschule in Schwäbisch Gmünd von positiven Aspekten durch die Verlagerung auf Online-Angebote.

Corona in Baden-Württemberg: Musikschulen halten Angebot mit „Improvisationsfähigkeit“

Mit dem Ersatz für persönlichen Unterricht taten sich die Musikschulen demnach zu Beginn der Corona-Pandemie schwer. Nur mit „großem Einsatz und Improvisationsfähigkeit“, wie Sven Reisch es beschreibt, konnten die Schüler in Baden-Württemberg weiter ihre Instrumente lernen. Friedemann Gramm berichtet, dass während des ersten Lockdowns der Unterricht in Schwäbisch Gmünd „teils am Telefon“ stattfand.

Obwohl sowohl der zentrale Verband, als auch die Musikschule in Schwäbisch Gmünd die Bedeutung von persönlichem Unterricht für das Erlernen eines Instruments hervorheben, gewinnen sie dem notgedrungenen Online-Angebot durch Corona auch Positives ab. „Stark beschleunigt durch die Pandemie“ würden jetzt Apps, E-Learning und Online-Angebote an den Musikschulen in Baden-Württemberg integriert, so Reisch zu BW24.

In Schwäbisch Gmünd fiel Leiter Friedemann Gramm in den Lockdownzeiten zudem auf, dass sich viele Online-Angebote auf das gesprochene Wort konzentrieren. Dadurch hatte die Musikschule teils „massive Qualitätsverluste im Unterricht“, weil die Tonqualität und das Verhältnis zwischen Bild und Ton der meisten Plattformen nicht auf Musik ausgelegt waren. Aktuell testen sie deshalb ein eigens entwickeltes Programm, denn Gramm fürchtet bereits, „dass wir das im Januar/Februar wieder brauchen“. Denn unabhängig davon, dass die Musikschulen „mit einem blauen Auge davon gekommen“ seien, betont Friedemann Gramm: „Die Nerven liegen schon auch blank.“

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