Neue Corona-Verordnung

Baden-Württemberg will die Maskenpflicht lockern - so sieht der Plan aus

Eine Frau sitzt mit einem Mundschutz in einer Straßenbahn der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB).
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In Baden-Württemberg soll die Maskenpflicht gelockert werden.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Maskenpflicht ist im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg die bisher am längsten bestehende Maßnahme. Bald könnte sie zumindest teilweise entfallen.

Stuttgart - Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gingen in den vergangenen Wochen immer weiter zurück. Aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz im Landesdurchschnitt bei 22,2 und mehrere Landkreise im Südwesten weisen bereits eine einstellige Inzidenz auf. Aufgrund der Entspannung der Corona-Lage traten bereits Lockerungen für die Gastronomie, den Handel und die Kultur in Kraft. Auch die Schulen und Kitas sind wieder geöffnet. Vielerorts ist jedoch nach wie vor ein Nachweis über eine vollständige Impfung, eine Genesung oder einen negativen Test obligatorisch.

Die Maskenpflicht ist die am längsten bestehende Maßnahme zum Infektionsschutz in Baden-Württemberg. Zunächst reichte das Bedecken von Mund und Nase mit einer Stoffmaske oder auch einem Tuch oder Schal. Seit der erneuten Hochphase im Winter gilt jedoch die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. Für mehrere Wochen war in der Landeshauptstadt Stuttgart und in anderen Teilen des Landes im öffentlichen Nahverkehr sogar die FFP2-Maske vorgeschrieben. Da sich die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg inzwischen deutlich entspannt hat, werden auch Rufe nach einer Lockerung der Maskenpflicht laut. Die Landesregierung plant eine schrittweise Lockerung, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Coronavirus in Baden-Württemberg: Neue Corona-Verordnung soll Maskenpflicht lockern

Angesichts der sinkenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg stellt sich die Frage, wo eine Maskenpflicht derzeit noch notwendig ist. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprachen sich bereits für eine bundesweite Lockerung der Maßnahme aus - zumindest im Freien. Baden-Württemberg plant keine sofortige Aufhebung der Maskenpflicht, sondern will stufenweise lockern. Bei der nächsten Überarbeitung der Corona-Verordnung soll es eine Systematisierung geben, nach der die Maskenpflicht in Innen- und Außenbereichen unterschieden wird, sagte ein Sprecher der Landesregierung laut der dpa.

Obwohl die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter zurückgehen, mahnen Teile der Politik zur Vorsicht. „Wir dürfen keinesfalls den Eindruck erwecken, dass die Pandemie vorbei ist“, sagte CDU-Landesfraktionschef Manuel Hagel am Montag. Statt einer vollständigen Abschaffung der Maskenpflicht solle bei anhaltenden niedrigen Inzidenzen „zuerst draußen und dann, mit deutlich mehr Vorsicht, drinnen“ gelockert werden. „Bei regional dauerhaft sehr niedrigen Inzidenzen kann ich mir auch Lockerungen an Schulen, zuerst bei unseren Jüngsten, vorstellen“, so Hagel.

Am heutigen Dienstag gab die Landesregierung bekannt, die Maskenpflicht an den Schulen im Südwesten lockern zu wollen. Sollte die Inzidenz in einer Region unter dem Wert von 35 liegen und es zwei Wochen lang an einer Schule keinen Corona-Ausbruch geben, solle die Maskenpflicht „im Unterricht in allen Schulformen“ wegfallen, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Wie sinnvoll ist die Lockerung der Maskenpflicht?

Aufgrund der sinkenden Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist eine Aufhebung der Maskenpflicht im Freien auch aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll. „Gerade draußen ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, nicht sehr hoch“, sagte David Beck vom Magazin SWR Wissen. „Das liegt einerseits daran, dass sich die Aerosole sehr schnell verteilen und auflösen, im Sommer sogar noch mal mehr als im Winter“, so Beck weiter. „Und andererseits ist gerade im Sommer die UV-Strahlung höher und die ist, genauso wie für uns, schädlich für das Virus – Viruspartikel blieben so draußen, außerhalb von unserem Körper nicht sehr lange infektiös.“

Inwieweit die Maskenpflicht in Baden-Württemberg gelockert werden kann, soll in der kommenden Corona-Verordnung festgelegt werden. Laut David Beck solle die Maßnahme jedoch nicht in allen Bereichen entfallen. Demnach sei die Maskenpflicht in einigen Bereichen nach wie vor sinnvoll. „In Bussen, Bahnen und Zügen zum Beispiel. Da ist wesentlich weniger Luftbewegung und auch wenn die Sonne durch die Fenster scheint: Glas absorbiert UV-Strahlung“, so Beck. „Einerseits bekommen wir da keinen Sonnenbrand, aber andererseits überleben dann auch Viruspartikel länger.“

Zudem könne man im öffentlichen Nahverkehr, anders als im Restaurant, nicht sicher sein, ob andere Fahrgäste geimpft oder negativ getestet sind. „Und da schützt mich eine Maske dann eben weiter sehr effektiv vor einer Infektion“, sagte David Beck. Er sprach sich jedoch für eine Lockerung im Freien aus. „Also draußen kann man die Maskenpflicht aus wissenschaftlicher Sicht guten Gewissens lockern.“

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