„Können nicht bis ins Jahr 3000 schließen“

Harter Rückschlag für Händler und Wirte: keine weiteren Öffnungen in Baden-Württemberg

  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen
  • Valentin Betz
    Valentin Betz
    schließen

Ab Montag sollten eigentlich schrittweise Restaurants, Kinos und Theater wieder öffnen. Wegen steigender Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wird nun die Bremse gezogen.

Update vom 18. März, 17:45 Uhr: Eigentlich hatten Bund und Länder einen Stufen-Plan für die Lockerungen der Corona-Maßnahmen beschlossen, der ab kommendem Montag, 22. März, weitere Öffnungsschritte für Restaurants, Bars und Kultur vorsah. Daraus wird in Baden-Württemberg jedoch nichts, wie der SWR berichtet. Zu hoch ist der Landesregierung offenbar das Risiko aufgrund der weiter ansteigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Auch bietet die aktuelle Landesverordnung offenbar keine Grundlage, um weitere Öffnungen - beispielsweise von Gastronomie, Kultur oder Fitnessstudios - trotz der hohen Infektionszahlen einzuleiten.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bereiten weitere Öffnungsschritte Unbehagen, wie er bereits in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am Dienstag anklingen ließ. Während die Politik eher zögerlich vorgeht, befinden sich Händler und Gastronomen schon lange im Krisenmodus. In einem Live-Video auf Facebook am Donnerstag ruft Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Einzelhändler zur Unterstützung der Klage gegen die Corona-Verordnung in Baden-Württemberg auf. Im Gespräch mit Andreas Kaapke, Studiengangsleiter BWL-Handel an der DHBW Stuttgart, spricht sie darüber, wie es den Händlern jetzt geht.

Sabine Hagmann: „Wollen nicht bis ins Jahr 3000 geschlossen halten“

Die Eröffnung von Coronatest-Zentren wie bei dm in Tübingen lobte Sabine Hagmann. „Denn wir wollen ja nicht bis ins Jahr 3000 geschlossen halten - wir müssen schauen: Was ist jetzt möglich.“ In Tübingen sind Corona-Schnelltests für alle, die dort Shoppen wollen, ein Muss. Darin sieht Hagmann aber auch Hürden: Nicht alle würden sich testen lassen und die Wartezeit auf das Testergebnis sei für Kunden nicht unbedingt attraktiv. Die Umsätze in Tübingen sind seit dem laut Hagmann um die Hälfte eingebrochen. Die Regelungen im Handel sieht sie als „Riesen-Chaos“. „Es ist einfach nicht mehr logisch.“

„Es kann so einfach nicht mehr weitergehen“, sagt Hagmann. Sie fordert, die Öffnungen nicht nur von den Inzidenzen abhängig zu machen. „Wenigstens Click and Meet - also Shoppen mit Terminvereinbarung - sollte immer möglich sein.“

Erstmeldung vom 17. März: Stuttgart - Obwohl die Corona-Maßnahmen bereits gelockert wurden, bedeutet das noch lange nicht das Ende der Pandemie - das Coronavirus in Baden-Württemberg grassiert noch immer. In Baden-Württemberg traten zuletzt am 8. März Lockerungen der Corona-Regeln unter anderem für den Handel in Kraft.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann war deshalb zunächst auch positiv gestimmt. Vorausgesetzt das Coronavirus mutiere nicht weiter, sagte Winfried Kretschmann sogar das Pandemie-Ende im Sommer vorher. Der jüngste Trend ist allerdings weniger positiv. In Baden-Württemberg sorgte die Schulöffnung ohne klares Konzept für Wut bei den Eltern. Eigentlich sollten ab kommender Woche im Rahmen des Stufen-Plans weitere Öffnungen in Baden-Württemberg in Kraft treten. Doch Ministerpräsident Winfried Kretschmann zweifelt inzwischen an weiteren Lockerungen, berichtet auch echo24.de*

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann bezweifelt weitere Öffnungen

„Natürlich jetzt bei der Situation werde ich mir gut überlegen, ob ich am Montag weitere Öffnungen mache“, erklärte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Winfried Kretschmann erwäge, die weiteren Öffnungen auszusetzen und am kommenden Montag mit den anderen Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel zu besprechen, „was wir riskieren können“. Auf die Frage, ob ihm mulmig zumute sei, sagte der Grünen-Politiker: „Ja, haargenau.“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gibt sich angesichts weiterer Öffnungen trotz des Coronavirus besorgt.

Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Südwesten derzeit bei 79,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner (Stand: 17. März). Vor einer Woche lag der Wert noch bei 60,7, vor einem Monat - also noch mitten im Lockdown - bei 43,7.

Laut Stufen-Plan könnten am 22. März eigentlich die Außengastronomie, Kinos, Theater, Konzert- und Opernhäuser wieder öffnen. Zudem wäre kontaktfreier Sport im Innenbereich und Kontaktsport im Außenbereich wieder möglich. Voraussetzung dafür ist allerdings eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz. Wenn letztere zwischen 50 und 100 liegt, dürften die weiteren Öffnungen nur mit tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttests passieren. Angesichts der Corona-Entwicklung in Baden-Württemberg dürften Gastro-Öffnungen damit wohl vom Tisch sein (Heidelberg24* berichtete).

Corona-Zahlen in Baden-Württemberg besorgniserregend - Winfried Kretschmann hofft auf Schnelltests

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ging im Gespräch mit Markus Lanz auch auf die Gemütslage der Bürger im Südwesten ein. „Wir sehen den enormen Druck aus der Bevölkerung, zu öffnen, der ist wirklich gewaltig“, so Kretschmann. Die Politik könne nicht nur Gebote und Verbote machen, sie müsse auch sehen, dass sich die große Mehrheit der Menschen daran halten.

Gleichzeitig ermahnte er die Bevölkerung erneut, sich trotz stufenweiser Lockerungen an die noch geltenden Maßnahmen zu halten. „Natürlich reden wir da immer auch mit Engelszungen, bitte denkt daran, wir wollen keine dritte Welle“, so Winfried Kretschmann. Aber: „Das verhallt oft.“ Besondere Hoffnung legt Winfried Kretschmann auf die Schnell- und Selbsttests. Wenn es diese in der Breite gebe, könne man womöglich weiter öffnen - „aber das geht auch nicht von heute auf morgen.“

Die jüngsten Entwicklungen geben allerdings nur wenig Anlass, mit weiteren Lockerungen zu rechnen. Laut Deutscher Presseagentur liegt in Baden-Württemberg kein einziger Stadt- oder Landkreis mehr unter der Inzidenz von 35. Elf Kreise haben sogar wieder Inzidenzen über 100, bei denen unter Umständen die Notbremse gezogen werden muss und etwaige Öffnungen rückgängig gemacht werden müssen. *Heidelberg24 und echo24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

Kommentare