Trotz massiver Kritik

„Nicht nur auf Virologen hören“: Kultusministerin beharrt weiter auf Schulöffnungen am 11. Januar

Susanne Eisenmann (CDU), Ministerin für Kultus, Jugend und Sport von Baden-Württemberg, nimmt an einem Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags zum Streit um einen Pavillon für die Expo in Dubai teil und gestikuliert.
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Kultusministerin Susanne Eisenmann will die Schulen nach dem 10. Januar öffnen - trotz massiver Kritik.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Aufgrund der weiterhin ernsten Lage durch das Coronavirus in Baden-Württemberg wird der Lockdown möglicherweise verlängert. Kultusministerin Eisenmann will die Schulen dennoch am 11. Januar öffnen.

Update vom 30. Dezember, 12:10 Uhr: Trotz der weiterhin hohen Zahlen an Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg beharrt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) weiterhin darauf, die Schulen am 11. Januar wieder zu öffnen. Der Plan, den sie am Montag verkündete, traf auf massiven Gegenwind. Die SPD im Landtag von Baden-Württemberg reagierte sogar mit einer kontroversen Karikatur. Inzwischen sieht es zudem so aus, als müsste sich die Bevölkerung in Baden-Württemberg auf einen deutlich längeren Lockdown einstellen. Eisenmann beharrt jedoch auf weiter auf dem Plan, Anfang Januar zum Präsenzunterricht zurückzukehren, wie die Bild an diesem Mittwoch berichtet.

„Auch wenn der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird, sollten Kitas und Grundschulen wieder öffnen für Präsenzunterricht“, sagte Ministerin Susanne Eisenmann gegenüber Bild. „In diesen Altersklassen ist es unerlässlich, dass Kinder in Kitas gehen und in Schulen lernen.“ Ihr zufolge ist der Lernerfolg im aktiven Unterricht an den Schulen am größten. Bei der Überlegung müsse man nicht nur auf die Virologen, sondern auch auf den Rat der Kinderärzte hören, so die CDU-Politikerin. Am kommenden Dienstag wird die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aller Voraussicht den Lockdown verlängern. Die baden-württembergische Kultusministerin fordert in diesem Rahmen auch den Beschluss für die Schulöffnungen am 11. Januar.

Coronavirus in Baden-Württemberg: SPD-Chef kritisiert Schulöffnungspläne von Ministerin Eisenmann

Update vom 28. Dezember, 14:30 Uhr: Das Kultusministerium Baden-Württemberg will die Schulen und Kitas trotz der derzeit weiterhin hohen Corona-Zahlen am 10. Januar wieder öffnen. Von den Plänen hält SPD-Chef Andreas Stoch überhaupt nichts. „Da fliegt jedem das Dach weg, der nur im Entferntesten mit Medizin oder Bildung zu tun hat“, sagte der Politiker am Montagmittag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Derzeit seien die Inzidenzen noch viel zu hoch und die Infektionslage zu unsicher. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) stelle sich radikal gegen jede wissenschaftliche Empfehlung, so Stoch. Als Alternative zu den Plänen der Ministerin fordert der SPD-Politiker Stufenmodelle mit Wechselunterricht und zusätzliche Raummöglichkeiten wie Turnhallen und Foyers für jüngere Schüler, wie die dpa berichtet.

Erstmeldung vom 28. Dezember: Stuttgart - Seit dem 16. Dezember befindet sich das Land aufgrund der starken Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland im harten Lockdown. Nahezu alle Geschäfte und Läden und auch Bildungseinrichtungen sollen bis mindestens zum 10. Januar geschlossen bleiben.

Diese drastische Maßnahme war die Reaktion auf die trotz des ursprünglichen Lockdown-Light weiter steigenden Infektionszahlen. Bislang zeigt jedoch noch nicht einmal der harte Lockdown den erhofften Erfolg. Die Infektionszahlen im Land steigen weiter an. Am gestrigen Sonntag, dem 27. Dezember, begannen in Baden-Württemberg die Impfungen - auch in der Landeshauptstadt Stuttgart. Ob der Lockdown auch tatsächlich am 10. Januar aufgehoben werden kann, ist aktuell jedoch fraglich.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Baden-Württemberg findet ihr in unserem Ticker.

Schon beim ersten Lockdown aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg mussten Schulen und andere Bildungseinrichtungen die Türen schließen. Schüler und Lehrer mussten sich daraufhin auf einen digitalen Unterricht umstellen. Beim Teil-Lockdown im November setzte das Kultusministerium alles daran, die Schulen geöffnet zu lassen. Durch den harten Lockdown wegen der explodierenden Infektionszahlen mussten die Einrichtungen letztendlich dann doch wieder schließen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will nun alles daran setzen, den Präsenzunterricht in den Schulen am 10. Januar zumindest zum Teil wieder aufzunehmen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kultusministerin will Schulen am 10. Januar wieder öffnen

Der Ernst der Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg wird mit der 7-Tage-Inzidenz angegeben. Der Wert beschreibt die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern. Die Inzidenz liegt aktuell im Landesdurchschnitt bei 152,6 (Stand: 27. Dezember, 14 Uhr). Von einer Entspannung der Lage ist aktuell nichts zu sehen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann fordert dennoch, den Präsenzunterricht vor allem an Grundschulen wieder aufzunehmen. „Ich gehe davon aus und werbe sehr dafür, dass wir Kitas und Grundschulen in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen und auch Klasse 5, 6 und 7 sowie die Abschlussklassen im Blick haben - unabhängig von den Inzidenzzahlen“, sagte die Kultusministerin der dpa.

Der Infektionsschutz an Schulen und Kita im Land führte bereits zu vielen Diskussionen. Vor allem die Maskenpflicht im Unterricht ab der Klassenstufe 5 führte zu Kritik. Nach massivem Widerstand wurde diese Corona-Regel wieder gelockert. Durch den derzeitigen Lockdown ist jedoch überhaupt kein Präsenzunterricht möglich - ob mit oder ohne Maske.

Laut Susanne Eisenmann sei digitaler Unterricht gerade mit kleineren Kindern im Grunde nicht möglich. „Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen“, sagte die CDU-Politikerin. Auch von einer Verlängerung der Weihnachtsferien halte sie nichts. Die Kultusministerin hatte ursprünglich vorgeschlagen, die Ferien in Baden-Württemberg früher zu beginnen.

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