Coronavirus in Baden-Württemberg

„Todesstoß“: Einem Drittel der Betriebe droht durch den Lockdown das Aus

  • Anna-Lena Schüchtle
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Auch in Baden-Württemberg gilt wegen des Coronavirus ab Montag ein Teil-Lockdown. Vielen Hotels, Bars und Restaurants versetzt das den „Todesstoß“.

Stuttgart - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt scheinbar unaufhaltsam an. Obwohl die Maßnahmen und Verbote zum Infektionsschutz in den vergangenen Wochen immer wieder stark verschärft wurden, liegt der Wert der 7-Tage-Inzidenz im Südwesten mittlerweile fast doppelt so hoch wie die kritische Marke. Durch die Ausbreitung von Covid-19 herrscht nicht nur in Baden-Württemberg derzeit höchste Warnstufe.

"Wir müssen handeln - und zwar jetzt", warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel daher am Mittwoch nach ihren Gesprächen mit den Ministerpräsidenten. Im Falle des von Bund und Ländern beschlossenen Teil-Lockdowns bedeutet "jetzt" zwar erst am Montag - dass die Lage rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland ernst ist, bleibt jedoch unbestritten. Das gilt aufgrund der neuen Beschränkungen insbesondere für weite Teile der Hotel- und Gastronomie-Branche.

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Todesstoß“ für viele Betriebe durch Lockdown

Denn: Ab dem 2. November werden deutschlandweit vier Wochen lang sämtliche Gastronomiebetriebe geschlossen sowie touristische Übernachtungsangebote verboten. Auch im Südwesten sind unzählige Unternehmen von den Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen. Die Sorge ist groß.

„Durch den zweiten Lockdown wird ein Drittel der 245.000 Betriebe den Winter nicht überstehen“, sagte Ingrid Hartges vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Ohne umfassende Entschädigungshilfe droht ihnen die Pleite“. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, warnt davor auch die Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel. Derer nach sind aktuell mehr als 8.300 Restaurants, Imbisse und Cafés in Deutschland und somit 14,5 Prozent der untersuchten Unternehmen insolvenzgefährdet.

Der Kurz-Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg könnte für viele Betriebe das Aus bedeuten.

„Für viele Betriebe im Gastgewerbe kommt der neuerliche Lockdown ohne schnelle und massive Hilfe einem Todesstoß gleich“, wird Guido Zeitler von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Rheinischen Post zitiert. Als Unterstützung für die besonders stark betroffenen Unternehmen sieht der Bund aktuell Nothilfen von bis zu zehn Milliarden Euro vor, um damit betroffene Firmen mit einer Ausfallprämie von bis zu 75 Prozent der November-Umsätze 2019 zu entschädigen.

Aber: „Es wird entscheidend darauf ankommen, dass diese Nothilfen schnell, unbürokratisch und in ihrer Höhe dem Schaden angemessen sind - und zwar für alle Betriebe, unabhängig von deren Größe“, heißt es laut SWR von Seiten des Dehoga-Landesverbands in Stuttgart, wo das Coronavirus in Baden-Württemberg besonders stark grassiert. Der Verband prüft nun die neuen Beschlüsse - vorerst wolle man jedoch noch nicht dagegen klagen.

Gastronomie und Hotels: Teil-Lockdown wegen Corona bedeutet für viele Betriebe das Aus

Die Meinung von Dehoga teilt auch Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), derer nach die angekündigten umsatzbezogenen Hilfen für die von den Beschränkungen aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg betroffenen Firmen schnell und unbürokratisch auf den Weg gebracht werden müssten. „Sonst werden die Einschränkungen für viele Betriebe in der Gastronomie und in der Hotellerie das Aus bedeuten“.

Besonders drastisch und unverständlich wirken die neuen Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg vor allem auf „Unternehmen, die intensiv und umfangreich Hygienekonzepte ausgearbeitet haben“, wird Wolfgang Grenke, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK), vom SWR zitiert.

Diese „stehen jetzt mit dem Rücken an der Wand“ dabei seien diese Konzepte aufgebaut worden, um genau den Fall eines erneuten Betriebsstillstands nachhaltig und verlässlich zu verhindern.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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