Sterben der Innenstädte

Innenstädte am Abgrund: Lockdown wirkt in Baden-Württemberg wie „Brandbeschleuniger“

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Obwohl der Einzelhandel nicht direkt vom Lockdown bedingt durch das Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen ist, stellt er trotzdem eine Bedrohung dar.

Stuttgart - Seit heute gelten die erweiterten bundesweiten Maßnahmen und Verbote zum Infektionsschutz wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg. Durch diesen abermaligen Lockdown erhoffen sich Bund und Länder, die derzeit rapide ansteigende Zahl von Neuinfektionen in den Griff zu bekommen. Verbunden ist er mit neuen verschärften Corona-Regeln - die jedoch nicht überall für Begeisterung sorgen.

So ist es beispielsweise Gastronomen und Hoteliers wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg bis Ende des Monats nicht mehr erlaubt, Gäste beziehungsweise touristische Übernachtungen zu empfangen - einem Drittel der Betriebe droht durch den Lockdown das Aus. Von den Einschränkungen nicht betroffen ist zum jetzigen Zeitpunkt dagegen der Einzelhandel - zumindest nicht direkt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Brandbeschleuniger“ für das Sterben der Innenstädte

Coronavirus in Baden-Württemberg: Der Lockdown begünstigt das Sterben der Innenstädte. (Symbolbild)

Aufgrund der gravierenden Auswirkungen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg auf andere Branchen befürchten Experten jedoch zumindest indirekte Folgen für die Geschäfte in den Innenstädten - und damit auch für die Innenstädte selbst. So spricht etwa Rainer Bartle vom Buchhaus Wittwer in Stuttgart gegenüber der Stuttgarter Zeitung (StZ) von einem „Totentanz in der City“, der seiner Meinung nach ab dem 2. November in der Landeshauptstadt herrschen soll.

Schuld daran sei, dass die Menschen ohne Gastronomie und Kultur noch weniger Anlass hätten, in die Stadt zu kommen. Das Sterben der Innenstädte trifft bereits jetzt eine Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart. Doch die Citys und bekannten Bummelmeilen hatten es auch schon vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg nicht leicht. Das zeigt sich gerade am Beispiel der Landeshauptstadt, wo es rund um die Königstraße in den vergangenen Jahren zu immer mehr Leerständen kam.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Hohe Mietpreise, der Erfolgs des Online-Handels, fehlende Vielfalt durch die Ausbreitung großer Verkaufsketten oder beispielsweise die Konkurrenz durch das Milaneo im Europaviertel machen die Stuttgarter Innenstadt für Kundschaft immer unattraktiver. Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat somit nicht die alleinige Schuld an der misslichen Lage, sie beschleunigt jedoch das große Händlersterben.

Sterben der Innenstädte: Corona-Lockdown könnte für Tausende Geschäfte das Aus bedeuten

Mit 6.000 Geschäftsschließungen und Insolvenzen in den kommenden zwei Jahren rechnete etwa der Landes-Handelsverband (HBW) Anfang Oktober. Das war jedoch, bevor sich Bund und Länder für den Teil-Lockdown mit abermals radikalen Maßnahmen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg entschieden haben. Mittlerweile überlegt der Verband daher, seine Schätzungen sogar nach oben zu korrigieren.

„Jegliche Einschränkungen [...] werden für Tausende Betriebe – auch für gesunde mittelständische das Aus bedeuten“, so HBW-Präsident Hermann Hutter in einer Pressemitteilung. Das betreffe seiner Meinung nach auch die Flächenbegrenzung von einem Kunden pro 25 Quadratmetern zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg, da dadurch das „für die Händler extrem wichtige Vorweihnachtsgeschäft“ beeinträchtigt wird.

Auch der Bundes-Handelsverband sieht in den harten Einschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg eine große Gefahr: „Ohne staatliche Nothilfen werden viele mittelständische Innenstadthändler diesen zweiten faktischen Lockdown wirtschaftlich nicht überleben. Das reißt in der Folge ganze Stadtzentren mit in den Abgrund“, so Josef Sanktjohanser vom Handelsverband Deutschland in einer Pressemitteilung.

Einzelhandel in Baden-Württemberg gefährdet: Corona-Lockdown als „Brandbeschleuniger“

Eine weitere negative Folge der Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind nach Ansicht von Stephan Kippes die Auswirkungen auf das Kauf-Verhalten der Konsumteten. „Die Beschränkungen infolge der Pandemie wirkten vielerorts wie ein Brandbeschleuniger“, so der Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts in einer Mitteilung. Zahlreiche Kunden hätten während des Lockdowns vermehrt ihre Einkäufe im E-Commerce getätigt und behielten diese Gewohnheit auch nach Wiedereröffnung des stationären Handels bei.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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