Schulen in der Corona-Krise

Trotz Lehrermangel wegen Coronavirus: Hunderte Lehrkräfte in Baden-Württemberg verlieren am 30. Juli ihren Job

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In Baden-Württemberg müssen sich jedes Jahr Hunderte Lehrkräfte während der Sommerferien arbeitslos melden. (Symbolbild)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg stehen viele Lehrkräfte aus der Risikogruppe nicht zur Verfügung. Vertretungslehrer werden dringend gesucht. Dennoch verlieren viele Lehrer während der Sommerferien ihre Jobs.

  • Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg fehlen viele Lehrer, weil sie zur Risikogruppe gehören.
  • Hunderte der Vertretungslehrer verlieren zu Beginn der Sommerferien am 30. Juli ihre Jobs und müssen sich arbeitslos melden.
  • In den letzten zwei Wochen der Sommerferien plant die Politik ein Nachhilfe-Programm, damit Schüler den durch die Corona-Krise verpassten Lehrstoff nachholen können.

Stuttgart - Nach den Corona-Lockerungen vom 1. Juli will die Politik nach und nach immer mehr Normalität in den Alltag der Menschen eintreten lassen. Trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg sollen daher nach den Sommerferien wieder alle Schulen ihre Pforten öffnen und zu einer Art Regelbetrieb ohne Mindestabstand zurückkehren dürfen. Aktuell diskutiert die Landesregierung rund um Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine Maskenpflicht für ältere Schüler. So will man trotz Lockerungen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg verhindern.

Damit die Schüler trotz der vielen Unterrichtsausfälle aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg in den vergangenen Monaten gut auf das neue Jahr vorbereitet sind, kündigte Kultusministerin Susanne Eisemann (CDU) bereits ein Nachhilfe-Programm für die letzten beiden Wochen der Sommerferien an. Durch dieses Angebot sollen vor allem leistungsschwächere Schüler die Möglichkeit erhalten, den verpassten oder in nur geringem Maß angeeigneten Lehrstoff nachzuholen. Wer an dem Nachhilfe-Programm teilnimmt, sollen die Klassen- mit den jeweiligen Fachlehrern an den Schulen gemeinsam entscheiden.

Coronavirus in Baden-Württemberg verhindert die Arbeit vieler Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören

Weil ein Teil der Lehrerschaft zur sogenannten Risikogruppe gehört, müssen die Schulen zur Zeit vielerorts verstärkt auf Vertretungslehrer zurückgreifen. Nur so kann ein allzu großer Unterrichtsausfall aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg verhindert werden. Umso erstaunlicher mutet der Umstand an, dass viele Lehrer nach dem letzten Schultag vor den Sommerferien ihre Jobs verlieren werden, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. Die Sommerferien in Baden-Württemberg beginnen am 30. Juli.

Dieses Phänomen existiert nicht erst, seit das Coronavirus in Baden-Württemberg kursiert, sondern wiederholt sich alle Jahre wieder. Laut Kultusministerium sind derzeit 3.800 Lehrer in Baden-Württemberg nur befristet beschäftigt – um bei Engpässen eine gewisse Flexibilität zu garantieren, heißt es. Während sich also Schüler und Lehrer mit unbefristeten Verträgen auf die Sommerzeit freuen, geht es für eine große Zahl der Lehrkräfte jedes Jahr aufs neue um die Existenz. Denn während der Sommerferien sind sie offiziell arbeitslos.

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg werden Vertretungslehrer gesucht - gleichzeitig sind viele Lehrer arbeitslos

Der Umgang mit Vertretungslehrern ruft Kritiker aus Politik und Gewerkschaften nicht erst seit den Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg auf den Plan. Wie Tagelöhner würden sie eingesetzt, zitieren die Stuttgarter Nachrichten Ralf Scholl vom Philologenverband. Der Umgang mit Vertretungslehrern sei seiner Ansicht nach skandalös. Daran ändert auch das Nachhilfe-Programm, das für die letzten beiden Wochen der Sommerferien angesetzt ist, nichts. Für manche Lehrer bedeutet das zwar, dass sie zumindest für zwei Wochen eine Anstellung bekommen könnten, dies würde laut Scholl jedoch das Problem nicht lösen. Was die Arbeitslosenzahl von Lehrkräften im Sommer angeht, liegt Baden-Württemberg im Bundesranking übrigens vor allen anderen Ländern.

Trotz der Lockerung der Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg, warnt Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor dem Trugschluss, die Gefahr sei nun vorüber. Vielerorts beobachtet er einen gefährlichen Trend im Umgang mit dem Coronavirus und mahnt deshalb: „Es ist nicht vorbei“. Wie plötzlich das Virus in Erscheinung tritt, konnte man vergangene Woche an einigen Kitas in Sindelfingen sehen. Kurz nach ihrer Öffnung mussten sie aufgrund neuer Corona-Infektionen wieder geschlossen werden.

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