„Nur Kratzer abbekommen“

Die Coronakrise vernichtet Unternehmen - aber eine Branche floriert

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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind viele Firmen in wirtschaftliche Schieflage geraten. Manche Branchen sind allerdings kaum von der Krise betroffen.

  • Die Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg hat die Corona-Krise bisher gut bewältigt.
  • Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gab es im ersten Halbjahr eine erhöhte Nachfrage nach Medikamenten.
  • Insgesamt gingen die Umsätze in der Chemie- und Pharmaindustrie aber trotzdem leicht zurück.

Stuttgart - Auch wenn die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg inzwischen deutlich gelockert wurden, kämpfen viele Unternehmen nach wie vor ums Überleben. Manche Branchen hat der Lockdown besonders hart getroffen - zum Beispiel die Automobilindustrie. Daimler traf das Coronavirus mit voller Wucht. Nicht allen Fahrzeugherstellern erging es allerdings so schlecht wie der Daimler AG. Porsche machte in der Coronakrise einen Milliardengewinn und hängte andere Automarken ab.

Das erste Halbjahr 2020 lief auch in einer anderen Branche ähnlich gut wie für die Porsche AG. Die Chemie- und Pharmaindustrie litt offenbar kaum an den Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg.

Nachfrage nach Medikamenten rettet Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg die Bilanz

Laut Branchenverband Chemie.BW seien die Umsätze der Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um 0,9 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Dass der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 nur so geringfügig zurückging, verdankt die Branche der gestiegenen Nachfrage nach Medikamenten zu Beginn der Pandemie durch das Coronavirus in Baden-Württemberg. Die Chemie- und Pharmaindustrie habe bisher „nur Kratzer abbekommen“, erklärte Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Chemie.BW gegenüber der dpa.

Kaum Umsatzeinbußen trotz Coronavirus: Die Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg hat die Krise im ersten Halbjahr vergleichsweise gut überstanden.

Thomas Mayer beschreibt die erhöhte Nachfrage nach Arzeimitteln und Chemikalien zu Beginn der Corona-Pandemie als eine „gewisse Sonderkonjunktur“. Dass der Umsatz insgesamt überhaupt rückläufig war, begründet Thomas Mayer mit dem nachlassenden Auslandsgeschäft im ersten Halbjahr, das bei minus 1,7 Prozent lag.

Geringer Umsatzrückgang zu Beginn der Corona-Pandemie: Chemie- und Pharmaindustrie sorgt sich trotzdem

Obwohl sich das Coronavirus in Baden-Württemberg auf die Chemie- und Pharmaindustrie also deutlich weniger drastisch ausgewirkt hat, als auf andere Branchen, ist Thomas Mayer skeptisch. Die Branche blicke mit Sorge auf die nächsten Monate. „Die explodierende Staatsverschuldung und die teilweise irrational geführten Handelsauseinandersetzungen sind extreme Risiken für die Wirtschaft", so Thomas Mayer zur dpa.

Der Verband Chemie.BW vertritt mehr als 90 Prozent der Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg. Insgesamt gehören 473 Unternehmen dem Verband an, die gemeinsam rund 107.800 Menschen beschäftigten. Ein weiterer Umsatzrückgang hätte also gravierende Folgen für die Gesamtwirtschaft in Baden-Württemberg.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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