Lockerungen an Weihnachten und Silvester

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann geht Lockdown nicht weit genug

  • Lisa Schönhaar
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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt weiterhin. Der Lockdown wird verlängert - Winfried Kretschmann gehen die Einschränkungen allerdings nicht weit genug.

Stuttgart - Viele Städte und Landkreise haben angesichts steigender Infektionszahlen bereits Mitte Oktober strengere Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg ergriffen. Diese haben sich allerdings als nicht ausreichend erwiesen: Immer weiter steigen die Fallzahlen im Land an. Bund und Länder einigten sich Ende Oktober deshalb auf eine Verschärfung der geltenden Maßnahmen und Verbote zum Infektionsschutz.

Doch auch der seit Anfang November in Kraft getretene Lockdown mit strengen Maßnahmen konnte das Coronavirus in Baden-Württemberg nicht eindämmen - am gestrigen Mittwoch einigten sich Bund und Länder deshalb auf eine Verlängerung des Lockdowns bis mindestens 20. Dezember. Die Corona-Regeln wurden zudem deutlich verschärft.

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich weiter - Kretschmann hat „Bauchschmerzen“ bei Lockerungen über Weihnachten und Silvester

Besonders stark betrifft die Verschärfung der Corona-Regeln die Kontaktbeschränkungen. Statt zehn Personen dürfen ab dem 1. Dezember nur noch fünf Personen aus maximal zwei Haushalten in privaten Räumen zusammenkommen. Über Weihnachten und Silvester jedoch werden die Einschränkungen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg gelockert: Vom 23. Dezember bis zum 1. Januar sind Treffen mit bis zu zehn Personen erlaubt - unabhängig von der Anzahl der Haushalte. Kinder bis 14 Jahre sind von der Zählung ausgenommen.

Dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gehen die Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg allerdings nicht weit genug. Zum SWR sagte Kretschmann, er sei besorgt darüber, dass die Lockerungen bezüglich der Kontakte auch über Silvester und nicht nur über Weihnachten gelten sollen. Bereits vor dem Beratungsgespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Kretschmann Zweifel an den geplanten Lockerungen über die Feiertage geäußert. Er habe dabei „Bauchschmerzen“, sagte der Ministerpräsident.

Diese Maßnahmen gelten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg ab dem 1. Dezember - bis mindestens 20. Dezember

BereichBeschränkung
Kontakte allgemeinNur noch maximal fünf Personen aus zwei Haushalten bei privaten Treffen drin oder draußen (Kinder bis 14 Jahre ausgenommen)
Kontakte 23. Dezember bis 1. JanuarObergrenze von zehn Personen (unabhängig von Anzahl der Haushalte) bei privaten Feiern daheim
QuarantäneAufruf, sich vor den Weihnachtsfeiertagen in eine möglichst mehrtägige häusliche Selbstquarantäne zu begeben
MaskenpflichtMaskenpflicht wird erweitert und gilt ab 1. Dezember auch an öffentlichen und belebten Orten
GastronomieRestaurants, Bars, Kneipen und weitere Gastronomiebetriebe bleiben bis mindestens 20. Dezember geschlossen
FreizeiteinrichtungenKinos, Theater, Opern, Messen und Freizeitparks bleiben bis mindestens 20. Dezember geschlossen
Beauty-AngeboteKosmetiksalons, Tattoo-Studios und Massagepraxen bleiben bis mindestens 20. Dezember geschlossen
Friseure und PhysiotherapeutenBleiben trotz Lockdown weiterhin geöffnet
EinzelhandelAlle Geschäfte des Einzelhandels bleiben geöffnet, ab 1. Dezember mit eingeschränkter Kundenzahl pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche
SportFitnessstudios bleiben geschlossen, Amateursport weiterhin ausgesetzt, Profisport nur ohne Zuschauer
KircheReligiöse Veranstaltungen und Beerdigungen dürfen stattfinden
Schulen, Kindergärten und KitasBleiben geöffnet, Präsenzunterricht soll möglichst weitergeführt werden, an allen weiterführenden Schulen ab Klasse acht Maskenpflicht, vorgezogene Weihnachtsferien ab 19. Dezember
UnternehmenArbeitgeber sollen prüfen, ob Unternehmen durch Betriebsferien oder großzügige Home-Office-Lösungen vom 21. Dezember bis 3. Januar 2021 geschlossen werden können

Trotz Fortschritten bei der Entwicklung von Impfstoffen warnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Bürger eindringlich vor Nachlässigkeit im Umgang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. „Wir müssen durchhalten auf den letzten Metern, um den Sieg nicht zu gefährden“, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag bei einer Sondersitzung im Landtag in Stuttgart. Die Menschen müssten sich in den kommenden Monaten noch einmal zusammennehmen, auch wenn sie keine Lust mehr hätten auf die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen.

Es sei wie beim Marathonlauf: Die letzten Kilometer seien am schwersten, sagte Kretschmann. Er habe Verständnis für Zorn und Frustration. Aber bislang habe man mit den Corona-Maßnahmen aus dem Herbst einen Kollaps des Gesundheitssystems verhindern können. Der Ministerpräsident betonte erneut, dass die wichtigste Maßnahme die Beschränkung der Kontakte sei. „Wir befinden uns nach wie vor in einer dramatischen Lage und haben die notwendige Trendwende noch nicht erreicht“, so Kretschmann. Daher gebe es nur einen Weg: noch weniger Kontakte und mehr Sicherheit bei den Kontakten, die unvermeidbar seien.

Weitere aktuelle Informationen zur Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg in unserem Ticker.

Auch wenn über Weihnachten Ausnahmen der strengen Kontaktbeschränkung auf maximal fünf Personen gelten - denn „Weihnachten ist das Familienfest schlechthin“, so Kretschmann - dürften Weihnachten und Silvester nicht zu „Startpunkten einer neuen Infektionswelle werden“.

Bei mehr als 200 Neuinfektionen mit Coronavirus in Baden-Württemberg soll laut Kretschmann Wechselunterricht an Schulen stattfinden

Trotz anhaltender massiver Beschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg bleibt der Einzelhandel weiterhin geöffnet - unter Einschränkungen. Die zulässige Kundenzahl wird ab dem 1. Dezember nach Ladengröße gestaffelt. In kleineren und mittleren Geschäften mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern darf sich demnach höchstens eine Person pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche befinden. In größeren Geschäften mit einer Verkaufsfläche ab 801 Quadratmetern höchstens eine Person pro 20 Quadratmeter. Zudem soll strenger überprüft werden, ob die Corona-Regeln eingehalten werden. Die Maskenpflicht wird ebenfalls ausgeweitet und gilt ab Anfang Dezember auch an belebten öffentlichen Orten wie vor Einzelhandelsgeschäften, in Betrieben und auf Parkplätzen.

Die erneute Schließung von Schulen wegen des Coronavirus soll weiterhin möglichst vermieden werden. Falls möglich, soll auch Präsenzunterricht weiterhin stattfinden. Bei sehr hohen Fallzahlen soll es an Schulen jedoch künftig Wechselunterricht geben. Die Maßnahme, bei der etwa Klassen halbiert und abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet werden, greift Winfried Kretschmann zufolge bei mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Aktuellen Zahlen zufolge wurde diese Grenze zuletzt in den Stadtkreisen Heilbronn, Mannheim, Pforzheim und im Landkreis Tuttlingen überschritten.

Ab Anfang Dezember soll zudem an allen weiterführenden Schulen ab Klasse acht eine Maskenpflicht gelten. Auch die Weihnachtsferien werden vorverlegt: Sie beginnen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg in diesem Jahr bereits am 19. Dezember.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

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