Schließungen statt Lockerungen

„Alarmstufe gelb“: In dieser Notsituation tritt in Baden-Württemberg ein erneuter Lockdown in Kraft

Ministerpräsident Winfried Kretschmann nimmt zu Beginn der Regierungspressekonferenz seine Schutzmaske ab.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Konzept zur Bekämpfung auf Landkreisebene
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Insgesamt verbreitet sich das Coronavirus in Baden-Württemberg deutlich langsamer als noch vor ein paar Wochen. Die Landesregierung legte nun ein Konzept zur Bekämpfung des Virus auf Landkreisebene vor.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich deutlich langsamer als noch vor ein paar Wochen.
  • Wegen den unterschiedlich hohen Infektionszahlen in den einzelnen Regionen, sollen die Maßnahmen gegen Covid-19 wieder stärker vor Ort entschieden werden.
  • Die Landesregierung legte nun ein Konzept zur Bekämpfung des Coronavirus auf regionaler Ebene vor.

Stuttgart - Obwohl sich das Coronavirus in Baden-Württemberg deutlich langsamer verbreitet, gibt es nach wie vor Menschen, die sich neu mit dem Erreger infizieren. Da die Höhe der Infektionen in den einzelnen Landkreisen unterschiedlich hoch ausfällt, soll zukünftig wieder mehr auf regionaler Ebene entschieden werden.

Die Landesregierung legte ein entsprechendes Konzept zum weiteren Umgang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg vor, dem laut einem Regierungssprecher am Dienstag vom grün-schwarzen Kabinett zugestimmt wurde. Ihm ging ein Beschluss des Bundes und der Länder vom 6. Mai voraus. Man plant, das Konzept nun an die einzelnen Landkreise und die kreisfreien Städte weiterzuleiten. Auf dieser Grundlage soll in den nächsten Wochen eine Konferenz mit den Landräten und den Oberbürgermeistern der Städte abgehalten werden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Was bedeutet „Alarmstufe gelb“?

Das Konzept zur Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg legt eine Vorwarnstufe fest. Infizieren sich 35 oder mehr Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Zeitperiode von sieben Tagen neu, tritt die „Alarmstufe gelb“ in Kraft. Bei dieser Alarmstufe sind die zuständigen Behörden angehalten, den Infektionsverlauf genau zu beobachten und die Menschen zu besonderer Vorsicht aufzurufen. Außerdem werden in einem solchen Fall die Corona-Tests weiter ausgeweitet - Baden-Württemberg plante zuvor bereits als erstes Bundesland Coronavirus-Massentests.

Ab einem Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, sollen die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg laut dem vorgelegten Konzept drastisch verschärft werden. Die Maßnahmen dienen dabei zur Eindämmung des Virus und könnten von strengeren Auflagen hin zu einer erneuten Ausgangsbeschränkung reichen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Erst ein Landkreis ohne Neuinfektionen

Der Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte über das Konzept, dass noch immer kein klares Bild über das Coronavirus in Baden-Württemberg bestehe. Weder Politik noch Wissenschaft hätten bisher den richtigen Weg im Umgang mit dem Virus gefunden. In Baden-Württemberg bewege sich die Zahl der Neuinfektionen jedoch in einem weniger besorgniserregenden Bereich. Kretschmann sagte jedoch auch, dass es bisher nur in einem Landkreis in den vergangenen sieben Tagen keine Neuinfektionen gegeben habe. Dieser Landkreis ist, nach Angaben des Sozialministeriums vom Montag, der Kreis Sigmaringen.

Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), lag der Wert für ganz Baden-Württemberg bei 4,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen (Stand: Montag Abend). Die höchste Zahl an Neuansteckungen gab es mit dem Wert 14,3 in Pforzheim. Insgesamt haben sich laut den aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums 34.006 Menschen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert. Gesundheitsminister Manne Lucha geht dagegen von einer noch viel höheren Infektionszahl in Baden-Württemberg aus.

Durch die am 18. Mai in Kraft getretenen Lockerungen für Restaurants und Cafés, könnten sich die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg jedoch erhöhen. Kretschmann hatte bereits im Vorfeld vor einer möglichen zweiten Infektionswelleelle durch zu starke Lockerungen gewarnt.

Im Vorfeld der Landtagssitzung am 20. Mai, kritisierte FDP-Fraktionschef Rülke das Vorgehen der Landesregierung bei den Corona-Verordnungen. Er warf der Regierung Chaos und Versagen vor und sagte er wundere sich nicht über die hohe Zahl an Demonstranten und Verschwörungstheoretikern.

Boris Palmer, der Oberbürgermeister von Tübingen möchte seine Stadt auf eine mögliche zweite Infektionswelle vorbereiten. Dazu plant er per Zufall ausgewählte Bürger anzuschreiben und sie um eine Teilnahme an Antikörper-Tests zu bitten. Ein Unternehmen aus Tübingen testete bereits rund 7000 Menschen aus der Region.

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