Trotz Kritik

Baden-Württemberger sollen umstrittene Luca-App nutzen - Stuttgart ist „Modellkommune“

Menschen gehen über die Königstraße und den Schlossplatz. Oben recht: Check-In mit der Luca-App auf einem Smartphone.
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Baden-Württemberg will die Luca-App kostenlos anbieten - in Stuttgart ist sie bereits verfügbar.
  • Julian Baumann
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Die Luca-App soll bei der Nachverfolgung von Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg helfen. Das Land will die umstrittene App einsetzen - trotz Kritik.

Stuttgart - Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen wieder an. In vielen Landkreisen wurde bereits die „Notbremse“ gezogen und auch Ausgangssperren treten nach und nach wieder in Kraft. Zur Eindämmung der Neuinfektionen könnte die Luca-App eines Berliner Start-Ups beitragen. Die App, die bereits von Smudo von den Fantastischen Vier beworben wurde, ist jedoch umstritten. Der Satiriker Jan Böhmermann trickste die Luca-App kürzlich aus, indem er sich in einem Modehaus in Niedersachsen eincheckte, obwohl er nach eigenen Angaben in Potsdam war. Kritik an dieser Aktion kam auch aus Baden-Württemberg.

In Bezug auf die Luca-App zur Nachverfolgung von Infektionsketten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg positionierte sich das Sozialministerium deutlich, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Der Südwesten will die App trotz Kritik in großem Stil einsetzen und appelliert an die Bürger, die Technik zu verwenden. Die Landeshauptstadt Stuttgart soll dabei zur „Modellkommune“ werden, dort ist die Luca-App ab sofort kostenlos verfügbar.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Land will Luca-App kostenlos anbieten

Die Luca-App soll bei der Kontaktnachverfolgung die bisherige Zettelwirtschaft ersetzen, indem sich Bürger vor einem Restaurant-Besuch oder anderen Events mithilfe des Smartphones einchecken. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg ist die App laut dem Sozialministerium ein wichtiges Tool. „Die Luca-App ist einer von vielen wichtigen Bausteinen, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen“, sagte ein Sprecher am Dienstag in Stuttgart, wie die dpa berichtet. Für das Land sei wichtig, die App kostenlos allen Bürgern und Unternehmen zur Verfügung stellen zu können. Zudem erfülle die App auch die vieldiskutierten hohen Anforderungen an den Datenschutz.

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg wird die Corona-App des Bundes nicht so flächendeckend genutzt, wie von der Regierung erhofft. Doch auch in Bezug auf die Luca-App gibt es einige Kritikpunkte. Die europäische Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) fordert beispielsweise, keine Steuergelder mehr für die Beschaffung der Luca-App einzusetzen, berichtet die dpa. Laut einer Recherche gaben die deutschen Bundesländer insgesamt 20 Millionen Euro für die Luca-App aus, wie heidelberg24* berichtet.

Die App weise eine „nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen“ auf, sagte Club-Sprecher Linus Neumann. Daneben wird auch stark kritisiert, dass die Luca-App im Gegensatz zur Corona-App des Bundes Daten lokal speichere. Beim Start der Corona-Warn-App unterlagen viele Deutsche einem kolossalen Trugschluss. Diese App speichert die Daten der Nutzer allerdings nur auf dem jeweiligen Smartphone und nicht etwa auf einem Server.

Luca-App in Baden-Württemberg: Stuttgart wird Modellkommune - App ab sofort verfügbar

Aufgrund der wieder stärkeren Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es derzeit keine Öffnungsperspektiven für den Handel und die Gastronomie. Die Luca-App könnte das jedoch ändern. „Das Land sollte jetzt rasch ein breites Bündnis aus Handel, Gastronomie, Tourismus und Kultur initiieren, damit gemeinsam mit den Kommunen die Voraussetzungen für eine breite Nutzung der App durch die Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden können“, sagte Alexis von Komorowski, Hauptgeschäftsführer des Landkreistags Baden-Württemberg am Mittwoch. „Deswegen unterstützen die Gesundheitsämter dieses Vorgehen auch auf breiter Front.“ Baden-Württemberg habe die Anbieter des Luca-Systems in einem Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb beauftragt, erklärte der Sprecher des Sozialministeriums laut der dpa.

Die Landeshauptstadt Stuttgart setzt im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg bereits ab sofort auf die Luca-App, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Das frühzeitige Einführen der App in der Landeshauptstadt sei ein wichtiges Element in der Pandemiebekämpfung, sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU). „Nachdem Baden‐Württemberg und weitere Bundesländer Lizenzen für den flächendeckenden Einsatz der Luca‐App beschafft haben und das baden‐württembergische Sozialministerium mittlerweile die Nutzung der App empfiehlt, haben wir als Stadt Nägel mit Köpfen gemacht und Luca bereits an unser Gesundheitsamt angebunden“, so Nopper laut der Mitteilung. „Die digitale Kontaktnachverfolgung durch Luca ist ein wichtiger Baustein bei möglichen Öffnungsschritten hin zur Normalität. Die Stadt Stuttgart schreitet hier voran.“ *heidelberg24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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