Covid-19 bei Kindern

Kitas und Schulen in Baden-Württemberg sollen bald wieder öffnen - auf Grundlage einer unfertigen Studie

  • Lisa Schönhaar
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Kinder sollen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg bald wieder in Kitas und Grundschulen gehen. Die Entscheidung wurde auf Basis erster Ergebnisse einer Kinder-Studie zur Corona-Pandemie getroffen.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt für einen Ausnahmezustand im Land - das betrifft auch Kitas, Kindergärten und Schulen.
  • Eine Studie aus Baden-Württemberg hat die Rolle von Kindern in der Corona-Krise untersucht, um herauszufinden ob und wie oft sie sich infizieren.
  • Auf Grundlage der Studie hat die Landesregierung in Baden-Württemberg entschieden, Kitas und Grundschulen bis Ende Juni wieder zu öffnen.

Stuttgart - Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind Kitas und Kindergärten nach wie vor nur eingeschränkt geöffnet oder bieten lediglich eine Notbetreuung von Kindern an. Eine Studie aus Heidelberg zu Kindern in der Corona-Krise liefert nun die Grundlage für eine Entscheidung der Landesregierung zur Schließung von Schulen und Kindergärten wegen des Coronavirus.

Erste Daten zeigten bereits, dass Kinder sich seltener mit dem Coronavirus infizieren oder eine Erkrankung mit Covid-19 nahezu unbemerkt verläuft. Unklar war bislang jedoch, ob Kinder das Coronavirus in Baden-Württemberg dennoch übertragen können - auf Erwachsene und potenziell gefährdete Menschen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kinder nicht maßgeblich an der Verbreitung von Covid-19 beteiligt

Kinder könnten ein entscheidender Faktor bei der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg sein. Eine Studie unter der Führung des Uniklinikums Heidelberg hat nun erste Ergebnisse erzielt, die darauf hinweisen, dass Kinder bei der Übertragung des Coronavirus offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, wie viele Kinder in welchem Alter Covid-19 bekommen und wie viele davon ihre Eltern infizieren. Dafür arbeitet die Uniklinik Heidelberg mit den Unikliniken Freiburg, Tübingen und Ulm zusammen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann äußerte sich am Dienstag in Stuttgart zu den Ergebnissen der Studie. Kinder würden anscheinend nicht nur seltener an Covid-19 erkranken, sondern seien wohl auch seltener infiziert als Erwachsene, sagte Kretschmann zu den ersten Erkenntnissen der Untersuchung. Es könne ausgeschlossen werden, dass Kinder besondere Treiber bei der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg seien.

Zwei Schülerinnen einer Grundschule rennen mit einem Schulranzen auf dem Rücken die letzten Meter bis zum Schulhof.

Die Studie werde zwar noch ausgewertet, so Kretschmann. Auf ihrer Grundlage habe die Landesregierung jedoch beschlossen, ein Konzept für die weitere Öffnung der Grundschulen zu entwickeln und Kitas bis Ende Juni vollständig zu öffnen. Die bisherigen Ergebnisse der Studie ständen einer weiteren Öffnung trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg nicht entgegen. „Sondern wenn wir eine weitere Öffnung machen, liegt das im Trend“, sagte Kretschmann in Stuttgart. Geplant ist außerdem, dass noch vor den Sommerferien alle Schüler zumindest tageweise wieder an Schulen unterrichtet werden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ausreitungsrisiko in Notbetreuung nicht Höher als zu Hause

Nach Angaben der Landesregierung wurden im Zuge der Corona-Studie des Uniklinikums Heidelberg etwa 5.000 symptomfreie Menschen auf das Coronavirus und auf Antikörper getestet, darunter 2.500 Kinder unter zehn Jahren und jeweils ein Elternteil. Unter anderem stellten die Wissenschaftler fest, dass das Risiko der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg bei Kindern in Notbetreuung nicht erhöht zu sein schien, verglichen mit dem Risiko bei jenen Kindern, die zu Hause betreut wurden. Zudem hätten nur bis zu zwei Prozent der gesamten Testpersonen Antikörper gebildet.

Daten zum Coronavirus bei Kindern im Alter zwischen einem und zehn Jahren liegen nicht ausreichend vor. Eine Analyse der Infektionszahlen des Gesundheitsamts Stuttgart Anfang April, zeigte lediglich, dass vor allem Menschen mittleren Alters von Covid-19 betroffen sind - nicht Senioren. Die Zahlen zeigten außerdem, dass junge Menschen das Coronavirus in Baden-Württemberg am häufigsten übertragen, was maßgeblich auf ihr Freizeitverhalten zurückzuführen ist.

Laut einer Studie der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg werden die Kinder im Bundesland immer dicker. Der Test ergab aber auch, dass die Kinder in Baden-Württemberg sieben Prozent fitter sind als der bundesweite Durchschnitt.

Spätestens nach den Sommerferien plant das Land, den Regelbetrieb an Schulen in Baden-Württemberg wieder aufzunehmen. SPD-Politiker Andreas Stoch prescht mit einer Forderung vor, die Kinder vor Chaos schützen soll. Er fordert die Ausnahme der Abstandsregel an Schulen.

Am Arbeitsgericht in Freiburg wurde ein konfuser Fall verhandelt. Eine ehemalige Erzieherin behauptete, einen Kollegen mit einem Dreijährigen beobachtet zu haben, sie hegte einen ungeheuerlichen Verdacht. Das Gericht wies die Klage letztendlich ab.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler

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