Gefährliche Mutationen

Corona-Ausbrüche mit zahlreichen Infizierten: Mehrere Kitas in Stuttgart müssen schließen

Bobbycars stehen unter Jacken von Kindern, die an einer Garderobe einer Kindertagesstätte (Kita) hängen
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Für die Kleinsten kehrte mit der Wiederöffnung der Kitas ein Stück Normalität zurück. Doch die währt offenbar nicht lange.
  • Eva Kaczmarczyk
    vonEva Kaczmarczyk
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Aufgrund von Virusmutationen sind in der Landeshauptstadt Stuttgart nach der Öffnung bereits fünf Kitas wieder dichtgemacht worden - die Fälle häufen sich.

Update vom 1. März, 10:58 Uhr: Vermehrt müssen aktuell in Stuttgarter Kitas wieder schließen, nachdem sie am 22. Februar im Krisenmodus wieder öffnen durften. Grund dafür sind neue Ausbrüche wohl auch mit Virusmuationen, die als besonders ansteckend gelten. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, mussten bereits am vergangenen Freitag drei Kitas wieder zugemacht werden. Nun folgten drei weitere. Die Fälle häufen sich.

Während in drei der Kitas nur vereinzelte Infektionen auftraten, kam es in einer Kita offenbar zu neun Infektionen, in einer anderen sogar zu 13 Folgefällen. Für die infizierten Erzieher und Kinder gilt nun eine noch härtere Quarantäne als bisher, denn das Land hat die Regeln wieder verschärft. Statt zehn müssen die Infizierten nun wieder 14 Tage Zuhause bleiben - alle Haushaltsangehörigen und Kontaktpersonen mit eingeschlossen.

Durch die hochansteckenden Corona-Mutationen entwickelt die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg nochmal eine ganz neue Dynamik. Auch die wieder steigende 7-Tages-Inzidenz bestätigt, dass die neuen Virusvarianten deutlich infektiöser sind als die herkömmliche Variante. Virologen warnen bereits, dass man auf eine dritte Welle zusteuern könnte.

Erstmeldung vom 9. Februar, 16:35 Uhr: Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt mit seinen neuartigen Mutationen für angespannte Stimmung bei Politikern - und bei Eltern. Die Landeshauptstadt Stuttgart schließt nun erstmals vorsorglich eine komplette Kindertagesstätte aufgrund von mehreren Infektionen mit einem mutierten Virus. Dies gab die Stadt in einer Pressemitteilung bekannt. Zuvor hatte man nur die Gruppen, in der die Infektionen stattgefunden hatten, vorsorglich in Quarantäne geschickt, um eine Ausbreitung zu vermeiden.

Grund für die vorübergehende Maßnahme sind fünf Corona-Infektionen von Kindern, Elternteilen und einer Erzieherin. Die abrupte Schließung wurde in Absprache mit dem Landesgesundheitsamt vorgenommen, heißt es in der Mitteilung. Drei Fälle seien auf eine Ansteckung mit den bisher wenig erforschten Mutationsvarianten des Coronavirus zurückzuführen. Aktuell laufen Ermittlungen, um welche Mutationen es sich handelt, wie man das Infektionsgeschehen effektiv eindämmen kann, und ob es Folgefälle gibt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Corona-Mutationen beunruhigen Mediziner

„Es überrascht nicht, dass derzeit auch in Stuttgart und Umgebung immer mehr Infektionen mit den Mutationen auftreten. Das Virus hat sich verändert und deshalb hat das Land einige Schutzmaßnahmen entsprechend angepasst. Auf dieser Basis ist die gesamte Einrichtung vorsorglich geschlossen worden“, erklärt Stefan Ehehalt, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. Die Weiterentwicklung des Virus und dessen schnelle Mutation erfüllt den Mediziner mit Sorge. „Durch die Veränderung kann sich das Virus leichter verbreiten.“

Damit werde die Pandemie erneut an Fahrt aufnehmen. „Es ist gut, dass wir durch die Sequenzierung der Proben mehr und mehr sagen können, wo neuartige Virusvarianten unterwegs sind. Und es ist auch gut, dass uns die eingeübten Maßnahmen – also Abstandhalten, Maske, Händehygiene und Lüften – vor einer Ansteckung schützen“, betonte Ehehalt.

Mutationen des Coronavirus in Baden-Württemberg immer stärker präsent

Um Folgefälle und eine weitere Ausbreitung des mutierten Coronavirus innerhalb Stuttgarts zu vermeiden, wurde den Eltern, Kindern und Mitarbeitern vom Gesundheitsamt umgehend ein neuerliches Testangebot gemacht. Positiv getestete Personen stehen aktuell im engen Austausch mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes. Seit einiger Zeit gehen die Fallzahlen in Stuttgart stabil nach unten. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 48,6 (Stand 9. Februar). Grund für das Sinken sind strenge Schutzmaßnahmen des Lockdowns wie beispielsweise die Einführung der FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bislang wurden im Stadtgebiet Stuttgart 22 Fälle des mutierten Coronavirus festgestellt. Die britische Variante ist mit 16 Fällen am stärksten vertreten, viermal tauchte die südafrikanische Variante auf, einmal die Dänische und in einem Fall herrscht noch keine Klarheit über die Art. Somit wird deutlich, die Ausbreitung der Mutationsvarianten braucht die besondere Aufmerksamkeit der Regierung.

Das Angebot der Notbetreuung wird derzeit in Kitas teilweise über 50 Prozent wahrgenommen. Die Stuttgarter Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer betont daher: „Diese Inanspruchnahme sehen wir mit Sorge, dieses Ausmaß höhlt den Zweck der Schließung aus. Aus Infektionsschutzgründen sollten Eltern daher immer sehr genau prüfen, ob die Notbetreuung aus beruflichen oder im Sinne der Kinder aus sozialen Gründen wirklich zwingend sind.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Vorfall in Freiburg verhinderte Öffnungen von Schulen und Kitas

Bereits im Januar wurde eine Kindertagesstätte in Freiburg geschlossen, weil dort ein Corona-Ausbruch bekannt geworden war. Dieser Vorfall sorgte auch dafür, dass die Landesregierung ihren Plan, Grundschulen und Kitas bereits am 1. Februar wieder zu öffnen, verwarf.

Bei den infizierten Personen der Freiburger Kita konnte bei 18 von 25 die südafrikanische Variante des Virus nachgewiesen werden. Die Landesregierung sah sich angesichts dieses Ergebnisses gezwungen, den Schritt der Öffnung von Kitas daraufhin erneut zu vertagen. „Es tut mir wirklich außerordentlich leid, dass wir unseren Plan, die Kitas und Grundschulen zu öffnen, jetzt nicht umsetzen können“, vertröstete Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Eltern in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur.

Er betonte, dass das Risiko einer Lockerung in Sachen Kitas und Schulen zu groß sei. „Ich sehe, was das an Belastung für die Familien und die Kleinen bringt“, erklärte Winfried Kretschmann. Lockerungen seien in dieser Lage nicht möglich.

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