Kritik am Lockdown

„Völlig außer Kontrolle, was in Bussen und Zügen passiert“: Mathematiker verzweifelt an Corona-Maßnahmen

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Der Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg soll vor allem Kontakte reduzieren. Ein Medizinstatistiker hält diese „Holzhammer-Methode“ für falsch.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich nach wie vor aus. Nach über zwei Wochen Lockdown in Baden-Württemberg gibt es erste positive Signale. Ein Ende der Pandemie oder der Maßnahmen ist deshalb allerdings nicht in Sicht.

Die Gesundheitsämter sind nach wie vor überlastet, Corona-Infizierte in Baden-Württemberg sollen sich deshalb bald selbst in Quarantäne schicken. Ein Medizinstatistiker hat im SWR jetzt deutliche Kritik an der Vorgehensweise der Bundesregierung geübt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Fokus auf Zahlen und Kontaktbeschränkungen sind ein Fehler

Volle Schulbusse: Medizinstatistiker Gerd Antes kritisiert die Politik für die mangelhafte Umsetzung der Abstandsregeln.

„Ich bin inzwischen eigentlich nur noch entnervt“, erklärte der Mathematiker und Medizinstatistiker Gerd Antes im SWR. Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg stören ihn demnach besonders zwei Dinge. Zum einen hält er den „Alarmismus“ der Regierung für verunsichernd. Er findet, dass man die Corona-Zahlen „tagesweise überhaupt nicht interpretieren sollte.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es in unserem Ticker.

Zum anderen hält Gerd Antes die Kontaktbeschränkungen wegen des Coronavirus zwar für wirksam, aber sieht darin eine „Holzhammer-Methode.“ Es gehe vielmehr darum, die Infektionswahrscheinlichkeiten einzuschränken, beispielsweise mit besserer Einhaltung der Abstände, so der Medizinstatistiker zum SWR. Er kritisiert, dass die Politik die Verantwortung in den privaten Bereich schiebt, anstatt „besser zu verstehen, wo infiziert wird.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Medizinstatistiker sieht Lage „außer Kontrolle“

Auf die Frage nach dem „Wo“ der Corona-Infektionen hat Gerd Antes eine klare Antwort. „Die Fernzüge und die Nahverkehrszüge sind völlig außer Kontrolle“, so der Medizinstatistiker gegenüber dem SWR. Auch Taxifahrten und besonders die Schulbusse hält Gerd Antes für schlecht durch die Bundesregierung kontrolliert. Baden-Württemberg hatte sogar einen früheren Start der Weihnachtsferien vorgeschlagen, um Corona-Infektionen zu vermeiden.

„Die Kinder sind morgens teilweise akribisch dabei Abstand zu halten und Masken zu tragen und danach werden sie dann in weit überhöhter Zahl in einen Schulbus gestopft“, sagte Gerd Antes dem SWR. Dabei könne man gerade das Problem der Corona-Infektionen in Verkehrsmitteln „morgen lösen“, so Gerd Antes.

Er plädiert dafür, derzeit ungenutzte Reisebusse umzufunktionieren und so „statt einem Schulbus drei Schulbusse vor die Schule zu stellen“, um dadurch die Abstände besser einhalten zu können. Auf diese weiße würde auch hier die Infektionswahrscheinlichkeit mit dem Coronavirus reduziert.

Rubriklistenbild: © Bea Ricken

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