Viele Intensivbetten belegt

Lockdown für Ungeimpfte: Baden-Württemberg greift im Herbst zu harten Regeln

Gäste werden im Außenbereich einer Bar bedient.
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Baden-Württemberg verschärft Regeln für Ungeimpfte.
  • Valentin Betz
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In Baden-Württemberg steigt die Zahl der Intensivpatienten. Die Regierung erwägt deshalb, die Regeln für Ungeimpfte zu verschärfen und sie quasi in einen Lockdown zu schicken.

Stuttgart - Bei der Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg gilt die Inzidenz zwar inzwischen nicht mehr als maßgebend. Die Infektionszahlen steigen dennoch besorgniserregend. Die Landesregierung erwägt deshalb, die Regeln noch einmal anzupassen. Weiter dramatische Werte könnten für Ungeimpfte Eingriffe zur Folge haben.

Ausschlaggebend dafür soll die Entwicklung bei den Intensivbetten sein. Am 27. August waren insgesamt 102 Corona-Infizierte in Baden-Württemberg in intensivmedizinischer Behandlung. „Wenn 200 bis 250 Intensivbetten belegt sind, erwägen wir erste Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene zu erlassen“, erklärte deshalb Uwe Lahl, Amtschef des Sozialministeriums in Stuttgart gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Land erwägt Lockdown für Ungeimpfte

Die Erwägungen sind längst nicht mehr nur theoretisch. Das Landesgesundheitsamt prognostiziert, dass der Grenzwert bei Intensivbetten bereits Ende der kommenden Woche überschritten werden könnte. Die Reaktion der Landesregierung in Baden-Württemberg käme dann einem Lockdown für Ungeimpfte gleich. „Das sind Maßnahmen, die man schon aus den Lockdowns der zweiten und dritten Welle kennt, etwa dass sich nur zwei Familien treffen dürfen“, so Amtschef Uwe Lahl weiter.

Betroffen wären davon dann die etwa drei Millionen Ungeimpften in Baden-Württemberg. Wie schwierig eine solche Maßnahme ist, zeigte zuletzt die Entscheidung einer Kneipe in der Landeshauptstadt. Eine Stuttgarter Gastronomin wollte nur noch Geimpfte und Genesene bewirten - und wurde bedroht. „In dieser Situation muss man als Landesregierung etwas machen. Ich sehe keine Alternative“, erklärte Lahl die geplanten Einschränkungen. Entsprechend würde das Land dem Beispiel der Stuttgarter Wirtin folgen und ab 300 belegten Intensivbetten möglicherweise ebenfalls zu einer 2G-Regelung (geimpft oder genesen) übergehen.

Auch Baden-Württembergs CDU-Chef Thomas Strobl verteidigte gegenüber der „Bild am Sonntag“ schärfere Regeln für Ungeimpfte, wenn unter diesen die Inzidenzen steigen. „Es wäre falsch, dann alle in Mithaftung zu nehmen, auch die Geimpften – deshalb wird es für Ungeimpfte andere Regeln geben als für Geimpfte“, so Strobl.

Baden-Württemberg: Coronavirus sorgt für dramatischen Anstieg bei Intensivpatienten

Laut Uwe Lahl sei die Zahl der belegten Intensivbetten durch das Coronavirus in Baden-Württemberg zuletzt von 50 auf etwa 100 angestiegen. Für den Amtschef des Sozialministeriums ist klar: „Diese Entwicklung ist durch Nicht-Geimpfte verursacht.“ Die sich dem Ende zuneigende Reisesaison könnte diese Problematik zusätzlich verschärfen. Baden-Württemberg rechnet durch Urlaubsrückkehrer mit stark steigenden Inzidenzen und deutlich mehr Intensivpatienten bis Mitte September.

Der Entwurf für eine neue Rechtsverordnung solle deshalb in der kommenden Woche in der grün-schwarzen Regierung abgestimmt werden. „Die Krankenhäuser könnten nicht mehr so belastet werden wie zu Zeiten der zweiten und dritten Corona-Welle im Januar und April“, rechtfertigte Uwe Lahl die Verschärfungen für Ungeimpfte weiter. „Wir hatten zu Hochzeiten über 600 Intensivbetten belegt. Das war ein riesiger Kraftakt aller Beteiligten.“ Lahl beschreibt die Zahl der Intensivpatienten als unzumutbar für die Krankenhäuser. „Wir waren im Vorhof der Triage“, sagt er weiter - dabei wird abgewogen, welche Patienten ein Intensivbett bekommen und welche nicht.

Kampf gegen das Coronavirus: Baden-Württemberg hoff auf steigende Impfbereitschaft

Um einen Quasi-Lockdown für Ungeimpfte noch abzuwenden und eine Verschärfung der Regeln für diese zu verhindern, setzt Baden-Württemberg im Kampf gegen das Coronavirus auch auf ein Wiedererstarken der Impfbereitschaft. „Ich gehe davon aus, dass sich im September noch viele Menschen impfen lassen“, erklärte Uwe Lahl. „Dann könnte die Quote der Geimpften innerhalb der impfbaren Bevölkerung, also ohne Kinder unter 12 Jahren, von jetzt etwa 68 Prozent auf dann etwa 78 Prozent steigen.“ In Baden-Württemberg gibt es ab 1. September zudem die dritte Coronaimpfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen.

Der Vorschlag, auch in Baden-Württemberg die 2G-Regelung einzuführen, stößt im Landtag nicht nur auf Gegenliebe. Kritik gab es beispielsweise vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke. Diese Regelung sei nicht verhältnismäßig und schließe auch Menschen aus, die sich nicht impfen lassen könnten, erklärte er laut Deutscher Presseagentur.

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