Coronavirus in Baden-Württemberg

Reisende schleppen aus dem Urlaub Covid-19 ein: Das Risiko ist bei einem Land besonders hoch

Ein Reisender mit Mundschutz läuft in einem Bahnhof an einer Anzeige vorbei.
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Seit der Lockerung der Reisebeschränkungen steigt die Reiselust der Deutschen. Beim Blick auf das Coronavirus in Baden-Württemberg fällt auf, dass die Menschen besonders in einem Land oft erkranken. (Symbolfoto)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Seitdem keine Reisewarnung mehr gilt und die Grenzen zum Teil wieder geöffnet sind, gibt es immer mehr Infektionen mit Covid-19, die im Ausland ihren Ursprung haben. Die Zahlen zum Coronavirus in Baden-Württemberg zeigen, dass das Infektionsrisiko in einem Land besonders groß ist.

  • Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gab es Reisebeschränkungen, die seit 15. Juni gelockert werden.
  • Seitdem die Grenzen wieder offen sind, steigen in Deutschland und in Baden-Württemberg wieder die Fälle von Infektionen, die ihren Ursprung im Ausland haben.
  • In Serbien infizieren sich Reisende aus Deutschland überproportional oft mit dem Coronavirus.

Stuttgart - Noch vor zwei Monaten hätten vermutlich die wenigsten Menschen geglaubt, dass sie in diesem Jahr noch großartig Urlaub machen würden. Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ging auch ein großer Teil der Bevölkerung im Südwesten davon aus, dass das Urlaubsland ihrer Wahl im Jahr 2020 „Balkonien“ heißen würde. Um einer unkontrollierten Corona-Ausbreitung in Baden-Württemberg entgegenzuwirken, wurden in fast allen Ländern die Grenzen geschlossen - das Auswärtige Amt warnte vor Aufenthalten im Ausland. Und auch innerhalb von Deutschland konnten Reisen wegen des Coronavirus nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden.

Seit 15. Juni sind jedoch die Grenzen von zumindest einigen Ländern wie den Niederlanden, der Schweiz oder Frankreich wieder geöffnet. Seitdem kommen immer mehr Urlaubsländer für deutsche Touristen dazu - beispielsweise die meisten EU- und Schengen-Staaten. Das hat auch Auswirkungen auf die Anzahl der Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg.

Innenminister Horst Seehofer erklärte am 13. Juli zudem, dass die Bundesregierung nicht plane, neue Grenzkontrollen zu den Nachbarstaaten einzuführen, auch im Falle erneut steigender Infektionszahlen. Für viele Menschen im Südwesten eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg ihren verdienten Jahresurlaub im Ausland zu verbringen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Mehr aus dem Ausland importierte Fälle als im Bundesdurchschnitt

Aktuell ist die Zahl der Erkrankten in Deutschland stark zurückgegangen und im globalen Vergleich sehr niedrig. Am 14. Juli gab es etwa 579 Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Mit der wachsenden Reisefreudigkeit der Deutschen im Ausland wächst jedoch auch das Risiko, dass sich die Menschen im Urlaub mit Covid-19 anstecken und das Coronavirus so nach ihrem außerdeutschen Aufenthalt mit nach Hause bringen.

Dem täglichen Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Coronavirus-Krankheit vom 7. Juli zufolge steigt in Deutschland der Anteil derer Personen, die sich mutmaßlich im Ausland mit Covid-19 angesteckt haben, seit Mitte Juni wieder an. Zuvor hatte der Anteil importierter Coronavirus-Infektionen im März mit 58 Prozent seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, nahm durch die Reisebeschränkungen in den darauffolgenden Wochen rapide ab und landete zwischenzeitlich bei sogar unter einem Prozent.

Seit Wiederaufhebung der Beschränkungen am 15. Juni steigt der Anteilswert der aus dem Ausland eingeschleppten Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg jedoch wieder an. Anfang Juli befand er sich im mittleren bis hohen einstelligen Bereich. Der aktuelle Lagebericht des Landesgesundheitsamts zum Coronavirus in Baden-Württemberg vom 14. Juli zeigt, dass die importierten Infektionsfälle im Südwesten anteilsmäßig sogar höher liegen als im Bundesdurchschnitt. Laut Bericht wurden bis 9. Juli 98 solcher Fälle gemeldet. Das macht etwa 12,9 Prozent aller Neuinfektionen in diesem Zeitraum aus.

In Baden-Württemberg häufen sich Coronavirus-Infektionen, die ihren Ursprung in Serbien haben

Sowohl mit Blick auf die Zahlen importierter Infektionen in Gesamtdeutschland als auch auf die Entwicklung des Coronavirus in Baden-Württemberg wird deutlich, dass aus einem Land in Europa besonders viele Reisende mit einer Erkrankung mit Covid-19 zurückkehrten. Von 22. Juni bis 5. Juli gab es deutschlandweit insgesamt 116 gemeldete Infizierte, die sich höchstwahrscheinlich in Serbien mit dem Coronavirus angesteckt haben. Damit erreicht das Balkanland einen Höchstwert weit vor Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo, die auf Platz 2 jeweils nur 17 Fälle verbuchen.

Die Coronavirus-Fallzahlen in Baden-Württemberg bestätigen dieses Bild. Seit 22. Juni infizierten sich in Serbien 37 Personen aus dem Südwesten. Mit zehn Fällen liegt auch hier der Kosovo als Reiseland weit abgeschlagen auf Platz 2.

  • Importierte Covid-19-Fälle seit dem 15.06.2020
  • Serbien (37)
  • Kosovo (10)
  • Türkei (9)
  • Kroatien, Bosnien und Herzegowina (6)
  • Rumänien (4)
  • Quelle: Lagebericht COVID-19 des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg

Die Zahlen verwundern mit Hinblick auf die aktuelle Lage in Serbien nicht. Diese spitzte sich in den vergangen Wochen immer mehr zu. Die WHO berichtete am Montag von mehr als 18.000 infizierten Menschen. Verantwortlich wird dafür die inkonsequente Politik der serbischen Regierung in Bezug auf das Coronavirus gemacht. Die Maßnahmen gegen eine Ausbreitung von Covid-19 wurden in den vergangenen Wochen stark gelockert. Beispielsweise wurden in Stadien Fußballspiele mit Zehntausenden abgehalten. Aufgrund der stark steigenden Infektionszahlen wurden die Maßnahmen nun wieder verschärft, was zu einigen Protesten führte. Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor Reisen nach Serbien.

In Belgrad kam es zu gewalttätigen Corona-Protesten

Am 1. Juli sind in Baden-Württemberg die neuen Corona-Lockerungen in Kraft getreten. Seitdem sind viele Beschränkungen wieder aufgehoben, die zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg zuvor gegolten haben. Unter Einhaltung der Hygienevorschriften dürfen sich beispielsweise wieder bis zu 20 Personen auf öffentlichem Raum treffen. Auch Veranstaltungen mit bis zu 250 Personen sind wieder erlaubt, solange die Zuschauer feste Sitzplätze haben und das Event einem im Vorhinein festgelegten Programm folgt. 

Laut Corona-Verordnung müssen sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten so lange in Quarantäne begeben, bis sie einen negativen Covid-19-Test vorliegen haben. Dies könnte den Eltern zweier Schülerinnen in Worms, nahe der Grenze zum Rhein-Neckar-Kreis, nun zum Verhängnis werden und harte Strafen bedeuten. Die Mädchen gingen eine Woche lang zur Schule ehe herauskam, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sind. Sie waren zuvor in einem Risikoland im Urlaub.

Aktuell beschäftigt die Polizei in Stuttgart ein Fall, bei dem der Verstoß gegen die Auflagen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg nur einen kuriosen Teilaspekt der ganzen Geschichte darstellt. Als ein Lastwagenfahrer aus Rumänien einen Zwischenstopp in Stuttgart einlegte, entdeckte er unter einer Plane fünf Flüchtlinge. Vier Polizisten müssen deshalb zum Schutz in Quarantäne - die Männer waren zuvor in Serbien gewesen.

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