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Corona-Chaos: Offizielle Impftermin-Seite lässt viele verzweifeln - private Anbieter starten eigene Portale

Eine ältere Dame informiert sich im Internet zur Corona-Impfung.
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Ältere Menschen, die sich über freie Impftermine informieren wollen, haben es oft nicht leicht mit der Übersichtlichkeit der Angebote.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Weil die offizielle Impftermin-Seite des Landes vielen Menschen zu unübersichtlich ist, stellen private Anbieter vermehrt Alternativen ins Netz.

Stuttgart - Einen Termin für die Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zu ergattern, ist aktuell nicht einfach. Gerade ältere Menschen, die mit der Technik meist nicht viel am Hut haben, müssen sich in Online-Tools zur Terminbuchung einfinden. Offenbar nicht das einzige Problem: Die offizielle Terminservice-Seite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) könnte deutlich nutzerfreundlicher sein, wenn es nach der Konkurrenz geht.

Das Portal von Bund und Ländern sei „nicht bedienerfreundlich genug“, sagte Software-Entwickler Matthias Nöser aus der Landeshauptstadt Stuttgart, gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Ein großes Manko: Auf „Impfservice.de“ ist es nicht möglich, einen Überblick über mehrere Impfzentren auf einmal zu erhalten - und so etwa einen freien Termin in einem benachbarten Impfzentrum einzusehen. Stattdessen muss auf der Plattform jedes Impfzentrum einzeln angeklickt werden, um freie Termine zu checken.

Impfterminservice: Stuttgarter Software-Entwickler programmiert eigenes Portal „Impfradar“

Als er selbst für jemanden aus seiner Familie auf der Suche nach einem Impftermin war, stellte Software-Experte Matthias Nöser fest, dass ihm das bestehende Angebot des Bundes einfach zu unübersichtlich war. Aus der Not heraus programmierte er schließlich ein eigenes Portal: „Impfterminradar“. Nutzer geben dort ganz einfach ihre Postleitzahl oder den Namen ihres Wohnorts an und erhalten auf einen Schlag eine Übersicht über alle Impfzentren in ihrer Nähe. Ein einfacher Farbcodex in Grün oder Rot zeigt an, ob aktuell Termine in einem Impfzentrum verfügbar sind.

Im Schnitt suchen zwischen 100 und 200 Menschen pro Sekunde auf seiner Seite nach einem Impftermin, sagte Matthias Nöser der dpa. Viele Nutzer schrieben ihm Mails und zeigten sich dankbar für die Übersicht. Die Kosten für Betrieb und Entwicklung der Website trägt er laut eigenen Angaben selbst. Doch der Stuttgarter ist nicht der Einzige, dem die offizielle Impftermin-Seite ein Dorn im Auge ist. So richten immer mehr private Anbieter einen Service für die Terminsuche ein - die besser sein sollen als die von Bund und Ländern. Über einen Link leiten diese Anbieter die Nutzer direkt zur Buchung beim Impfzentrum weiter.

Impfterminservice: Gesundheitsministerium ist nicht erfreut über die Konkurrenz

Während einige Nutzer offensichtlich dankbar über die alternativen Angebote der privaten Anbieter sind, ist das Gesundheitsministerium von Baden-Württemberg nicht erfreut. „Die Aussagekraft dieser Portale ist bisher nur eingeschränkt gegeben“, sagte Pascal Murrmann, Sprecher des Gesundheitsamts, der dpa. Zudem entsprächen die Ergebnisse nicht immer der tatsächlichen Situation, da etwa Terminpaare nicht korrekt erkannt würden.

Auch aus Sicht von KV-Digital, das die offizielle Webseite betreut, seien die zusätzlichen Impfterminportale „keine Alternative, sondern am ehesten eine Ergänzung“, wie Sprecher Florian Fuhrmann mitteilte. Bei der Suche nach Impfterminen könnten sie durchaus helfen. Jedoch seien die Ergebnisse nicht immer korrekt, sagt auch Fuhrmann.

Impfterminservice: Land Baden-Württemberg will Nutzerfreundlichkeit des eigenen Portals wegen Konkurrenz jetzt auch verbessern

Im Kampf gegen die Drittanbieter sah die Kassenärztliche Bundesvereinigung zwischenzeitlich kein anderes Mittel, als diese lahmzulegen. So kappte sie den Zugang der Portale zu Daten der Impfzentren. Begründet wurde der harte Schnitt mit der Abwehr von Hackerangriffen, dem die Impfterminportale zum Opfer fallen könnten. Auch das Portal des Stuttgarter Software-Entwicklers Matthias Nöser wurde gesperrt. Mittlerweile hat er jedoch einen Weg gefunden, es wieder zu aktivieren.

Von der Konkurrenz befeuert, will nun offenbar auch das Land Baden-Württemberg bei der Nutzerfreundlichkeit nachbessern*. Beim Bundesgesundheitsministerium setzt sich das Ländle jetzt dafür ein, das offizielle Portal zu optimieren. Der Grund für die bislang eher rückständige Technik liegt offenbar ganz woanders als vermutet: So befürchten die Verantwortlichen der Länder einen Impftourismus zwischen verschiedenen Regionen, wenn die Software übersichtlicher wäre. Bereits im Dezember, als die Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg begannen, drängten Impf-Touristen ins Land. *Heidelberg24 ist ein Angebot von IPPEN.Media.

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