Deutsche Stiftung Patientenschutz

Impfungen ohne Prio: Experten warnen vor aggressiven Patienten - „Spaltpilz der Gesellschaft“

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Hausärzte in Baden-Württemberg dürfen ab Montag ohne Priorisierung impfen. Kaum wurde der Beschluss bekannt gegeben, regt sich schon deutliche Kritik an dem Vorhaben.

Stuttgart/Dortmund - Das Coronavirus in Baden-Württemberg kann langfristig nur durch die Impfung möglichst vieler Menschen bekämpft werden. Die Impfkampagne im Südwesten verlief aber lange Zeit nur sehr schleppend. Inzwischen hat die Vergabe des Impfstoffs gegen das Coronavirus aber Fahrt aufgenommen.

Nun will Baden-Württemberg den nächsten Schritt gehen: Ab Montag dürfen Hausärzte alle Impfstoffe ohne Priorisierung verabreichen. Besonders junge Menschen, die nach der ursprünglich festgelegten Reihenfolge noch lange auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg warten müssten, dürfte diese Nachricht freuen. Doch die Aufhebung der Priorisierung stößt nicht nur auf Begeisterung. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert Baden-Württemberg dafür sogar scharf.

Aufhebung der Priorisierung: Stiftung kritisiert Baden-Württemberg für Strategie bei Impfungen

Mit der Aufhebung der Impf-Priorisierung und der Freigabe aller Impfstoffe bei Hausärzten verfolgt Baden-Württemberg das Ziel, in der Bevölkerung noch schneller einen Schutz gegen das Coronavirus aufzubauen. Doch geht es nach der Deutschen Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund, ist die Priorisierung überhaupt nicht das Problem.

Aufhebung der Impf-Prio: Hausärzte in Baden-Württemberg dürfen ab kommenden Montag ohne Rücksicht auf eine Reihenfolge impfen (Symbolbild).

„Nicht die Priorisierung ist der Hemmschuh beim Impffortschritt, sondern einzig der Mangel an Impfstoff“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, der Deutschen Presseagentur (dpa). Anstatt also in der Bevölkerung für Erleichterung zu sorgen, setze die Politik mit einer solchen Entscheidung einen „Spaltpilz“ in die Gesellschaft.

Impf-Priorisierung in Baden-Württemberg aufgehoben: Stiftung sieht Konflikte vorher

Neben Baden-Württemberg hebt auch Bayern die Impf-Priorisierung bei Hausärzten auf. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht darin weniger eine Hilfe, als ein Problem. Die Entscheidung sei ein Beispiel dafür „wie man sowohl den Impfdruck auf Ärzte erhöhen kann und Frust in der Gesellschaft schafft“, so Vorstand Eugen Brych gegenüber der dpa.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz fürchtet nach der Aufhebung der Impf-Priorisierung bei Hausärzten in Baden-Württemberg wachsende Aggressionen nicht nur zwischen Arzt und Patient, sondern auch Konflikte zwischen den Generationen. Mit den Konsequenzen der durch die Politik gefällten Entscheidung müssten dann eigentlich Unbeteiligte leben. Damit habe dann „ein Minister oder eine Ministerin nichts mehr zu tun“, so Eugen Brych. Die Politiker seien weit weg von den Arztpraxen.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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