Kampf gegen Corona

Hausärzte impfen ab jetzt in Baden-Württemberg: Termine, Ablauf, Anmeldung

Eine Hausärztin impft eine ältere Dame gegen das Coronavirus.
+
Nun kommen die Hausärzte im Kampf gegen das Coronavirus ins Spiel: Sie impfen ab April in ihren Praxen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
    schließen

Gut drei Monate nach Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg, kommen die Hausärzte ins Spiel: Ab April impfen sie mit - jedoch sind die Impfstoffmengen überschaubar.

Berlin/Stuttgart - Das wichtigste und stärkste Mittel gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ist wohl das Impfen. Bis zum 4. April haben 1.375.671 Menschen im Bundesland ihre Erstimpfung, 574.922 Menschen bereits ihre Zweitimpfung erhalten. Das allein geht nicht schnell genug, darum sollen nun die Hausärzte in ganz Deutschland mit impfen.

Der Kreis Göppingen ist bereits Vorreiter im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg: Hier impfen schon seit der letzten Märzwoche Hausärzte mit. Das Virus hatte sich im Landkreis besonders schnell ausgebreitet, weswegen eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde. Bereits vor allen anderen Hausärzten in ganz Deutschland durften die Hausärzte hier mit dem Impfen gegen das Virus beginnen - mit 3.000 Impfdosen.

Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg: 18 Impfdosen pro Praxis und Woche

Doch nun werden Impfstoffe gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg in Hausarztpraxen verteilt: Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, wollen diese Woche bundesweit 35.000 Hausärzte mit den Impfungen gegen das Coronavirus loslegen. Einige Praxen würden bereits am Dienstag starten, andere jedoch noch auf Impfstoff warten und in den nächsten Tagen starten. „Nach Ostern werden die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte regulär in die Corona-Impfungen einbezogen“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Freitag. „Nun werden die Impfzentren des Landes und die Hausärztinnen und Hausärzte gemeinsam die Impfkampagne weiter vorantreiben.“

Die Verteilung von Impfstoffen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ist jedoch schwierig. Aufgrund des Impfstoffmangels erhalten die Hausarztpraxen zunächst nur eine limitierte Anzahl an Dosen pro Woche. „Wir schaffen damit gemeinsam eine gute Grundlage, dass auch die für den Verlauf des zweiten Quartals in Aussicht gestellten wachsenden Impfstoffmengen schnell und effizient verimpft werden können“, so Manne Lucha. Das überschaubare Angebot beträgt 940.000 Impfdosen, das sind rund 26 Dosen pro Praxis. Im Südwesten sind es sogar noch weniger. Wie die dpa berichtet, warten die Hausärzte auf ihre Impfdosen und können voraussichtlich erst am Donnerstag mit dem Impfen beginnen - mit gerade einmal 18 Impfdosen pro Praxis. Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), Kai Sonntag, sagt: „Das ist natürlich wenig. Die Arztpraxen könnten viel mehr machen.“

In der Woche vom 26. April soll es dann einen Schub geben, das versprach jüngst Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): Mehr als drei Millionen Impfdosen sollen den Praxen dann insgesamt zur Verfügung stehen - das wären erstmals mehr als für die 430 Impfzentren in ganz Deutschland, so die dpa.

Die Impfreihenfolge gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gilt auch beim Arzt

Die Hausarztpraxen in Deutschland müssen die generell festgelegte Reihenfolge des Impfvorgangs einhalten: Zuerst müssen Menschen über 80 Jahre sowie Kranke oder andere Mitglieder einer Risikogruppe geimpft werden. Gegen diese Impfreihenfolge war seit Beginn der Impfungen im Dezember aber mitunter schon mehrmals verstoßen worden.

So wurde beispielsweise ein Bürgermeister geimpft, obwohl er noch nicht an der Reihe gewesen wäre. Ein Virologe kritisiert den Verstoß gegen die Impfreihenfolge in Baden-Württemberg und ganz Deutschland: Es seien schon jetzt viele geimpft worden, die nach wissenschaftlichen Kriterien der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären. Dadurch rücke die Regierungen von ihrem Ziel ab, die Schwächsten und Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe zuerst zu schützen.

Keine zentrale Impfeinladung: Ärzte regeln Terminvergabe selbst

Anders als bei einer Impfung in einem der Impfzentren gibt es, laut des Bundesgesundheitsministeriums, keine zentrale Einladung für Impfberechtigte, die sich beim Arzt impfen lassen. Termine und Anmeldung in Stuttgart und Baden-Württemberg werden bisher entweder online oder über eine Telefonhotline vergeben. Hausarztpraxen können nun selbst regeln, wie sie ihre Termine vergeben. In Baden-Württemberg nutze man die Erkenntnisse aus Modellprojekten wie im Kreis Göppingen.

Auf der Internetseite des Bundeslandes bittet die Kässenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) um Geduld. „Zu Beginn sind die Arztpraxen aufgefordert, schwerpunktmäßig immobile Patientinnen und Patienten in der eigenen Häuslichkeit sowie Personen mit Vorerkrankungen zu impfen“, sagte KVBW-Vorstand Johannes Fechner. Die teilnehmenden Praxen werden auf Impfberechtigte zugehen, um Termine zu vereinbaren. Eine Kontaktaufnahme seitens der Patienten sei daher nicht notwendig.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Auch Betriebsärzte sollen impfen dürfen

Wie die dpa berichtet, gerät der nächste Schritt der Impfkampagne gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg verstärkt in den Blick: Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) fordert von der Bundesregierung, die geplanten Impfungen in den Betrieben rasch voranzutreiben, wie Verbandsdirektor Florian Reuther der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. Viele Firmen wollen ihre Mitarbeiter selbst impfen, so auch die Daimler AG: Die Daimler-Betriebsärzte sind bereit, gegen Corona zu impfen.

„Der Start der Impfkampagne auch durch Hausarztpraxen ist ein richtiger Schritt, doch er reicht nicht aus, um den Corona-Impfschutz so schnell wie irgend möglich an so viele Menschen wie möglich zu bringen“, sagte der Direktor des PKV-Verbands. „Schon jetzt muss die Politik den nächsten Schritt vorbereiten und die Impfung in den Betrieben und bei allen anderen Arzt- und Zahnarztgruppen ermöglichen, sobald in den nächsten Wochen die Impfstofflieferungen wie erwartet ansteigen.“

Geht es nach Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollen Betriebsärzte erst nach den Hausärzten in die Impfkampagne einsteigen: „Noch ist es zu knapp“, sagt er über den verfügbaren Impfstoff. Er finde es schwierig, jüngere Mitarbeiter von Unternehmen zu impfen, solange Ältere noch nicht geschützt seien.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kosten der Impfung werden vom Bund getragen

Es solle keine Unterschiede zwischen Arztpraxis und Impfzentrum geben, die Kosten der Impfung werden vom Bund übernommen.* Kein Patient solle in die eigene Tasche greifen müssen. Als Impfkosten wurden 1,5 Milliarden Euro vom Staat einkalkuliert. *Echo24 ist ein Angebot von IPPEN.Media.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare