Wieder Impfchaos

Astrazeneca: Das müssen Menschen unter 60 beim Impfen in Baden-Württemberg beachten

Ein Arzt impft im Impfzentrum  einen jungen Mann mit dem Astrazeneca-Wirkstoff gegen Corona.
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Das Astrazeneca-Vakzin wird in Baden-Württemberg nicht mehr bei Menschen unter 60 Jahren eingesetzt.
  • Sabrina Kreuzer
    VonSabrina Kreuzer
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  • Julian Baumann
    Julian Baumann
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Aufgrund von Nebenwirkungen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), den Impfstoff von Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 zu verwenden. Was bedeutet das für Impfberechtigte?

Update vom 1. April, 12:04 Uhr: Nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, den Impfstoff von Astrazeneca nicht mehr für Menschen unter 60 Jahren zu verwenden, kommen beim Impfvorgehen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg Fragen auf. Was bedeutet das Hin und Her mit dem Astrazeneca-Vakzin für Impfberechtigte? Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, bleiben Impftermine gültig. Jede Person über 60 Jahren kann nach wie vor mit dem schwedisch-britischen Stoff geimpft werden.

Für die Impfberechtigten unter 60 Jahren wird empfohlen, dennoch zum ausgemachten Termin zu gehen. Vor Ort könne das Anliegen geklärt und im Zweifel meist auf einen anderen Impfstoff ausgewichen werden. Beispielsweise in Ulm und Heilbronn werde in solchen Fällen mit Biontech geimpft. Ist kein Alternativ-Impfstoff im Impfzentrum vorhanden, empfiehlt das Sozialministerium Baden-Württemberg trotzdem zum ersten Termin zu gehen und dort einen anderen Zeitpunkt für die Erst- und Zweitimpfung auszumachen. Falls eine Umbuchung im Impfzentrum nicht funktionieren sollte, müssen Impfberechtigte unter 60 Jahre vorab ärztlich aufgeklärt werden und eine Risikoanalyse erhalten - sie dürfen danach trotzdem mit Astrazeneca geimpft werden.

Obwohl Astrazeneca für Menschen über 60 Jahren freigegeben ist, bedeutet dies nicht, dass sie automatisch impfberechtigt sind und nachrücken. In Baden-Württemberg sind den Angaben des SWR zufolge weiterhin nur Menschen aus der Prioritätsstufe eins oder zwei impfberechtigt. Das heißt, Über-60-Jährige erhalten nur einen Impftermin, wenn ein besonderes Risiko durch Vorerkrankungen oder den Beruf besteht. Das Terminvergabe-System wird momentan so umgestellt, dass impfberechtigte Menschen unter 60 Jahren in Zukunft keine Astrazeneca-Termine mehr angeboten bekommen. Der Impfstoff soll ab Mitte April nur noch an niedergelassene Arztpraxen geliefert werden. Die Impfzentren sollen dann nur noch notwendige Dosen für die Zweitimpfung erhalten.

Update vom 31. März, 10:00 Uhr: Erst vor einigen Tagen nahm der Südwesten die Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg wieder auf. Mitte März hatten sich Bund und Länder vorsorglich zu einem temporären Stopp der Impfungen mit dem Wirkstoff entschieden. Am gestrigen Dienstag, dem 30. März, beschlossen mehrere Städte, unter anderem München und Berlin, einen erneuten Impfstopp mit Astrazeneca. Grund dafür waren vermehrte Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen mit möglichen Verbindungen zu einer vorausgegangenen Impfung.

Am Dienstagabend kamen die Gesundheitsminister von Bund und Länder um 18:00 Uhr zu einer Konferenz zusammen, um das weitere Vorgehen bei der Impfung mit Astrazeneca zu besprechen. Auch die endgültige Empfehlung der Ständigen Impfkomission (Stiko) stand am gestrigen Abend noch aus. Das Gesundheitsamt in Baden-Württemberg hatte auf Nachfrage verkündet, die Entscheidung der Minister und die Empfehlung der Stiko abwarten zu wollen, bei einer abweichenden Empfehlung jedoch entsprechend zu reagieren.

Astrazeneca in Baden-Württemberg nur für Personen über 60: Südwesten setzt Empfehlung der Stiko um

Inzwischen liegt die Empfehlung der Stiko vor. Zuvor wurde das Vakzin von Astrazeneca nur für Personen unter 65 Jahren verwendet, da Daten für Menschen im höheren Alter nicht vorlagen. Die neue Empfehlung entspricht nahezu dem genauen Gegenteil. Ab dem heutigen Mittwoch wird Baden-Württemberg den Impfstoff von Astrazeneca nur noch bei Personen über 60 Jahren verwenden, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Am vergangenen Wochenende wurden im Südwesten rund 245.000 Termine vereinbart, so viel soll sich auch durch die abweichende Empfehlung der Stiko nicht ändern.

Deutschland stoppt Impfung mit Astranzeneca erneut - was bedeutet das für Baden-Württemberg?

Das Gesundheitsministerium in Stuttgart erklärte am Dienstagabend nach der Konferenz, dass die meisten Berechtigten für eine Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ohnehin über 60 Jahre alt seien. „Sie sind also nicht von der Einschränkung betroffen, die Impfung der hochpriorisierten Gruppen geht also weiter“, heißt es laut der dpa in der Mitteilung. Für die Impfberechtigen unter 60 Jahren gibt es jedoch weiterhin ebenfalls die Möglichkeit, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen. Das sei jedoch an neue, strenge Bedingungen geknüpft.

Astrazeneca-Impfung in BW: Auch für unter 60-Jährige möglich - nach „ärztlichem Ermessen“

Durch die neue Empfehlung der Stiko wird die Impfkampagne im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg nicht zum Stillstand kommen. Man respektiere die Stiko-Entscheidung.* Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sagte, sie werde weiterlaufen und entsprechend angepasst. Unter 60 Jährige können sich jedoch weiterhin mit Astrazeneca impfen lassen, jedoch nur „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“, berichtet die dpa. Offen war bislang jedoch noch, was mit den bereits vereinbarten Impfterminen in Baden-Württemberg geschehen wird. Auch jüngere Menschen können bei einer Impfung Astrazeneca wählen*, wenn der Arzt zustimmt.

Für Menschen, die bereits einen Termin für eine Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg vereinbart, diesen aufgrund der neuen Empfehlung nun jedoch nicht mehr wahrnehmen können, wurde eine Lösung gefunden: „In den Zentren, in denen eine Umbuchung auf einen anderen Impfstoff möglich ist, soll eine Umbuchung direkt vor Ort vorgenommen werden“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. „In diesem Fall soll vor Ort ein passender Zweittermin ausgemacht werden. Kein geimpfter Bürger, keine geimpfte Bürgerin sollte das Impfzentrum ohne Zweittermin verlassen.“

Astrazeneca: Ist eine Zweitimpfung mit einem anderen Wirkstoff in Baden-Württemberg möglich?

Bislang empfahl die Stiko, bei der Erst- und Zweitimpfung jeweils den selben Impfstoff zu verwenden. Das könnte aufgrund der abgeänderten Empfehlung in Bezug auf Astrazeneca nun jedoch nicht umsetzbar sein. In Baden-Württemberg hätten jüngere Menschen unter 60 Jahren, die bereits die Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, nun zwei Möglichkeiten. Nach Rücksprache mit einem Arzt und umfangreicher Aufklärung sei eine Zweitimpfung mit dem Wirkstoff möglich, heißt es vom Gesundheitsministerium. Eine zweite Möglichkeit sei, auf eine Empfehlung der Stiko zur Zweitimpfung zu warten, die voraussichtlich bis Ende April vorliegen wird.

Nach Angaben der Gesundheitsminister prüfe die Kommission derzeit, ob auch eine Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff möglich sei. Derzeit könne eine Ummeldung der Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg nicht garantiert werden, heißt es vom Gesundheitsministerium, wie die dpa berichtet. Sollte es nicht möglich sein, müsse man sich auf eine Warteliste setzen lassen. „Die Impfzentren sowie die Mitarbeitenden der Anmeldesysteme wurden noch am Abend über das neue Prozedere informiert. Es kann leider nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Beginn der Umstellung noch zu Unregelmäßigkeiten kommt.“ *Echo24 und Heidelberg24 sind Angebote von IPPEN.Media.

Erstmeldung vom 30. März: Stuttgart - Die Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg nahm nach dem zwischenzeitlichen Impfstopp Anfang März mit dem Vakzin von Astrazeneca wieder Fahrt auf. Am vergangenen Wochenende, vom Freitag bis zum Sonntag, wurden im Südwesten rund 245.000 neue Impftermine vergeben, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Die Nachfrage sei jedoch noch immer deutlich höher als das Angebot, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Dienstag in der Landeshauptstadt Stuttgart. Drohen nun ein neuer Rückschlag und der Ausfall von Terminen?

In Baden-Württemberg begannen die Impfungen gegen das Coronavirus bereits im Dezember vergangenen Jahres. Aufgrund von Impfstoffknappheit kam der Südwesten jedoch nur langsam voran. Vor einigen Wochen hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verkündet, die Impfung mit Astrazeneca vorsorglich auszusetzen. Auch Baden-Württemberg ging mit dieser Entscheidung mit und das Gesundheitsministerium schloss die Anmeldesysteme. Menschen über 80 Jahren konnten sich jedoch weiterhin auf eine Warteliste setzen lassen. Das sei auch jetzt noch möglich, berichtet die dpa. Nach einer Umstellung des Anmeldesystems sei es zukünftig auch möglich, dass das Callcenter bei der Abarbeitung der Warteliste auch auf exklusive Termine zurückgreifen könne.

Mehrere Städte stoppen Impfung mit Astazeneca erneut - Folgen für Baden-Württemberg?

Seit einigen Tagen kommt das Vakzin von Astrazeneca wieder bei den Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zum Einsatz. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann wurde mit Astrazeneca geimpft. Der Regierungschef sagte, der Impfstoff und der Impfvorgang seien „wirklich harmlos“.

Aufgrund von erneuten Komplikationen im Zusammenhang mit der Astrazeneca-Impfung setzten mehrere Städte die Impfung mit dem Vakzin am Dienstagmittag, 30. März, erneut aus, wie Bild berichtet. So werden München, Berlin und das Land Brandenburg die Impfung von Personen unter 60 Jahren mit Astrazeneca ab sofort erneut aussetzen. Die ständige Impfkommission (Stiko) will zudem ihre Empfehlung ändern und den Impfstoff nur noch für Menschen über 60 empfehlen.

Wie wirkt sich der erneute Impfstopp mit dem Stoff Astranzeneca in Deutschland auf Baden-Württemberg und die bereits vereinbarten Termine aus?

Für den heutigen Dienstagabend, dem 30. März, ist eine Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern angesetzt. Um 18 Uhr wollen sie über das weitere Vorgehen bei den Impfungen beraten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn werde dann einen konkreten Vorschlag vorlegen, heißt es. Für Baden-Württemberg und Stuttgart liegen derzeit noch keine konkreten Informationen zu einem erneuten Impfstopp mit Astrazeneca vor. „Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind noch nicht veröffentlicht“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums Baden-Württemberg auf Anfrage von BW24. „Wir warten zunächst die Beratungen der Gesundheitsministerinnen und -minister am heutigen Abend ab und entscheiden dann über das weitere Vorgehen.“

Baden-Württemberg will demnach keinen eigenen Weg gehen, sondern setzt auf eine bundesweite Entscheidung. „Wir halten eine bundeseinheitliche Abstimmung für wichtig“, sagt der Sprecher. „Selbstverständlich bereiten wir uns vor, um eventuelle Änderungen der Impfempfehlung entsprechend dann auch in Baden-Württemberg umzusetzen.“ Am heutigen Abend dürfte sich also entscheiden, wie es in den kommenden Tagen und Wochen mit Astrazeneca in Baden-Württemberg weitergeht.

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