Kein schnelles Ende in Sicht

„Extrem unwahrscheinlich“: Experten zufolge gibt es wegen Corona auch 2021 keinen normalen Winter

  • Julian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich immer weiter aus. Die Menschen hoffen auf einen Impfstoff, der schnelle Rückkehr zur Normalität bringen soll - Experten sind jedoch skeptisch.

Stuttgart - Die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland scheint aktuell nicht aufzuhalten sein. Täglich meldet das Landesgesundheitsamt eine große Zahl an Neuinfektionen und die 7-Tages-Inzidenz steigt laut dem Robert Koch-Institut weiter an.

Seit Anfang November herrscht in Baden-Württemberg ein neuer Lockdown mit verschärften Maßnahmen. Die Bevölkerung im ganzen Land lebt nun schon seit Februar mit Einschränkungen, die im Laufe des Jahres zwar immer weiter gelockert, dann jedoch wieder verschärft wurden. An einen normalen Winter 2020 ist aktuell nicht zu denken, laut Experten könnte der Winter im nächsten Jahr jedoch ebenfalls noch unter dem dunklen Zeichen von Covid-19 stehen.

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg hofft die Bevölkerung auf einen Impfstoff, der eine schnelle Rückkehr zur Normalität bringt. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bereits mehrfach angekündigt, dass erst ein Impfstoff und die erfolgreiche Impfung aller Bürger eine komplette Auflösung der Maßnahmen bedeute. Die Firma CureVac aus Tübingen forscht beispielsweise schon seit Januar an einem Impfstoff, laut dem Virologen Thomas Mertens werde eine Rückkehr zum alltäglichen Leben jedoch noch lange dauern, wie er in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Impfkampagne bedeutet nicht das schnelle Ende der Pandemie

Der Winter 2021 könnte noch einmal ähnlich herausfordernd werden wie der in diesem Jahr.

Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland ist ein Impfstoff schon seit Beginn des Jahres immer wieder im Gespräch. Baden-Württemberg rechnet noch Ende 2020 mit einem Impfstoff und trifft intensive Vorbereitungen. Der Virologe Thomas Mertens sieht die Hoffnungen jedoch gedämpft. Mertens ist der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beauftragt wurde, eine Empfehlung zur Impfstrategie zu erstellen, wie das RND berichtet.

Die Empfehlung zur Impfstrategie lässt jedoch noch auf sich warten. „Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird nicht diese Woche und auch nicht nächste Woche kommen“, sagt Mertens im Interview mit dem RND. Fest stehe jedoch, dass Risikogruppen für schwere Erkrankungen und Menschen, die verstärkt mit anfälligen Gruppen zu tun haben, zuerst geimpft werden sollen. Die StIko beschäftige sich jedoch noch mit den genaueren Details. Eine finale Empfehlung könne erst ausgesprochen werden, wenn ein in Deutschland zugelassener Impfstoff vorliege, so Mertens.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Herdenimmunität im Jahr 2021 „extrem unwahrscheinlich“

Die Impfstoff-Forschung im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland macht immer weitere Fortschritte. CureVac aus Tübingen testet bereits an Menschen und auch Tübingens OB hat sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Frage des RND, ob im kommenden Jahr ausreichend Menschen geimpft werden können, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen, verneint Mertens jedoch. „Das halte ich für extrem unwahrscheinlich“, macht der Virologe deutlich. „Ich glaube nicht, dass 2021 genug Menschen geimpft werden, um ausreichend epidemiologische Effekte zu erzielen.“

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland ist eine Herdenimmunität das erklärte Ziel der Impfstoff-Forschung. Zur Herdenimmunität von Sars-CoV-2 sei das Wissen jedoch noch lückenhaft, sagte Mertens gegenüber dem RND. „Es bräuchte dafür mindestens 50 bis 60 Millionen Geimpfte, also rund 60 Prozent der Bevölkerung“, führt der Virologe im Interview weiter aus. „Es ist unrealistisch, das im kommenden Jahr zu schaffen. Ich fürchte, dass nicht nur dieser, sondern auch der nächste Winter herausfordernd wird.“ Er hoffe zwar, dass die Virusübertragungen im Sommer 2021 wieder abnehmen, es werde aber noch lange dauern, bis wir uns wieder wie 2019 verhalten können.

Rubriklistenbild: © Bernd Weissbrod/dpa

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