Studie aus Baden-Württemberg

Immun gegen Corona? Mediziner testen Menschen mit Antikörpern - es könnte alles verändern

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Noch immer ist wenig über das Coronavirus in Baden-Württemberg bekannt. Das Landesgesundheitsamt will nun mit Corona-Antikörpertests herausfinden, ob und wie lange Covid-19-Genesene immun sind.

  • Das Landesgesundheitsamt will aufgrund der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg die Dauer der Immunität mit Corona-Antikörpertests klären.
  • Nach überstandener Infektion mit dem Coronavirus besitzt der Erkrankte zwar Antikörper, der Grad der dadurch erreichten Immunität ist aber noch nicht geklärt.
  • Antikörpertests eignen sich jedoch nicht zur Feststellung einer akuten Corona-Infektion.

Stuttgart - Nach wie vor verbreitet sich das Coronavirus in Baden-Württemberg und auf der ganzen Welt - und noch immer sind viele Fragen zu Covid-19 ungeklärt. Wissenschaftler arbeiten deshalb weiter daran, das Coronavirus und seine Auswirkungen besser zu verstehen.

Bei der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg spielt vor allem die Frage eine wichtige Rolle, ob Betroffene nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung immun gegen das Coronavirus sind. Denn nach Angaben des Robert Koch-Institus konnten zwar erste Studien zeigen, dass Personen nach der Genesung spezifische Antikörper besitzen. Allerdings ist noch nicht klar, inwiefern Menschen dadurch gegen das Virus immun sind - und wie lange. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg will die Frage mit Hilfe von Corona-Antikörpertests beantworten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Landesgesundheitsamt führt seit Mai Antikörpertests durch

Coronavirus in Baden-Württemberg: Eine Ärztin misst die Temperatur bei dem Besucher eines Krankenhauses.

Um herauszufinden, ob sich das Coronavirus in Baden-Württemberg durch eine steigende Immunität unter den Bürgern eindämmen lässt, untersucht das Klinikum Stuttgart seit Anfang Mai gemeinsam mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und an Covid-19 erkrankt sind. Alle Probanden litten oder leiden noch unter schweren Verläufen der Lungenkrankheit und wurden deshalb ins Krankenhaus eingewiesen. Ziel ist es, die Teilnehmer der Studie ein ganzes Jahr regelmäßig auf Antikörper gegen das Coronavirus zu testen. Daraus wollen die Forscher schließen, wie der Körper auf die Infektion reagiert und wie lange eine Immunität dagegen anhält.

Das Klinikum Stuttgart hat früh auf das Coronavirus in Baden-Württemberg reagiert, eine Fieber-Ambulanz eingerichtet, die Zahl der Intensivbetten aufgestockt und zahlreiche Corona-Patienten behandelt. Für den Antikörper-Test am Stuttgarter Klinikum und im Robert-Bosch-Krankenhaus sollen nun Proben von bis zu 50 Personen untersucht werden. Bislang liegen nur 17 Proben vor, sagte Silke Fischer, ärztliche Leiterin des Projekts, zur Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Proben sollten unter anderem Erkenntnisse über den Zeitpunkt des Auftretens von Antikörpern nach einer Infektion mit dem Coronavirus liefern, so Fischer.

Die Tests der Klinikums Stuttgart und des Robert-Bosch-Krankenhauses sind allerdings nicht dafür geeignet, im großen Stil auf das Coronavirus in Baden-Württemberg zu testen. Einen solchen Schnelltest für das Coronavirus hat der Konzern Bosch entwickelt: Mit einer hohen Zuverlässigkeit und nur innerhalb von wenigen Stunden liefert der Covid-19-Test Ergebnisse. 

Antikörpertests eignen sich hingegen nur, um Menschen zu untersuchen, deren Covid-19-Erkrankung bereits nicht mehr akut ist oder die schon genesen sind. Zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg sind die Ergebnisse der Tests von großer Wichtigkeit. Denn zwischen dem Auftauchen erster Symptome und der Nachweisbarkeit von Antikörpern vergingen etwa sieben Tage, erklärte die Leiterin des Landesgesundheitsamts, Karlin Stark, gegenüber der dpa.  „Tests auf Antikörper sind vor allem wichtig, um mehr Erkenntnisse über die Immunantwort auf SARS-CoV-2 zu sammeln“, wird Karlin Stark in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidums zitiert. SARS-CoV-2 ist die Bezeichnung für das neuartige Coronavirus.

Um eine akute Infektion mit dem Coronavirus festzustellen, werden sogenannte PCR-Tests (Polymerase-Kettenreaktion) durchgeführt, die das Virus direkt nachweisen. „Ein Antikörpertest stellt nicht das Virus selbst, sondern die Antikörper gegen das Virus fest“, wird Gesundheitsminister Manne Lucha in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums zitiert. Mit der Studie wolle man einen Anteil dazu leisten, um Erkenntnisse zum Auftreten und der Persistenz von Antikörpern gegen das Coronavirus nachvollziehen zu können - vor allem bei schwer erkrankten Menschen. Die Risikogruppe ist durch das Coronavirus in Baden-Württemberg besonders gefährdet. Menschen, die der Gruppe angehören, leiden am häufigsten unter schweren Verläufen von Covid-19.

Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg könnten mehr sein als angenommen

Ein weiterer Unterschied zwischen einem Covid-19 und einem Antikörper-Test betrifft die Art der Probe. Bei einem PCR-Test genügt ein Nasen- oder Rachenabstrich, der im Diagnostiklabor auf das neuartige Coronavirus analysiert wird. Für einen Antikörpertest muss Blut abgenommen werden, das daraufhin im Labor untersucht wird.

Mit ersten aussagekräftigen Ergebnissen rechnet das Landesgesundheitsamt in Stuttgart innerhalb der kommenden Wochen, so die dpa. Zeitgleich soll eine Studie herausfinden, wie hoch die Dunkelziffer der Menschen ist, die sich unbemerkt mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert haben. Dabei werden mindestens 1.000 zufällig ausgewählte Menschen ebenfalls auf Antikörper gegen das Coronavirus untersucht. Ziel ist es, anhand der Daten Kenntnis darüber zu gewinnen, wie stark sich Covid-19 in der Bevölkerung ausgebreitet hat. Gesundheitsminister Manne Lucha  rechnet mit einer sehr viel höheren Dunkelziffer von Corona-Infizierten. Man gehe derzeit davon aus, dass es bis zu 200.000 nicht identifizierte Infizierte mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gebe, sagte Lucha kürzlich.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare