Auswirkungen von Corona

Extreme Nachfrage: In Baden-Württemberg warten viele Menschen vergeblich auf die Grippeimpfung

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg lassen sich im Südwesten immer mehr Menschen gegen die Grippe impfen - das führt zu Engpässen.

Stuttgart - Weil die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg derzeit explodieren, könnte ein neuer Lockdown drohen. Die Maßnahmen und Verbote zum Infektionsschutz wurden von der Regierung bereits stark verschärft - im Südwesten herrscht höchste Warnstufe, die neue Beschränkungen für die Bevölkerung bedeutet.

Innenminister Thomas Strobl schlug bereits einen radikalen Kurz-Lockdown vor, um die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen. Seine Forderung stieß zwar auf Widerstand - am heutigen Mittwoch beschlossen Bund und Länder jedoch drastische Maßnahmen, die ab Montag gelten und der Ausgangssperre vom Frühjahr sehr ähneln. Neben dem enormen Infektionsgeschehen rund um Covid-19 wächst derzeit zudem die Gefahr vor einem weiteren Erreger - Anfang Oktober begann die Grippesaison.

Wegen Coronavirus in Baden-Württemberg: Viele Menschen warten auf Grippe-Impfung

Die Grippe-Impfung wurde für Risikopatienten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg besonders empfohlen - doch es gibt Engpässe. (Symbolbild).

Um Krankenhäuser wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg im Ernstfall zu entlasten und einen Zusammenbruch zu verhindern, empfahl Gesundheitsminister Manfred Lucha daher die Grippeimpfung. Wie sich jetzt zeigt, hat diese Empfehlung Früchte getragen. Denn: Im Vergleich zum Vorjahr haben sich im Südwesten deutlich mehr Menschen gegen die Influenza impfen lassen.

Wie eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) mitteilte, war „der Andrang zur Grippeimpfung bislang wirklich groß“. Das ist einerseits gut, weil sich dadurch immer weniger Menschen mit der Influenza anstecken können, andererseits sei es laut Information des Hausärzteverbands jedoch in zahlreichen Arztpraxen zu Engpässen gekommen. Das hat unter anderem mit den Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu tun.

Beispielsweise medizinischem Personal und insbesondere Menschen aus den Risikogruppen wird die Impfung gegen Grippe aktuell empfohlen. Das Interesse besteht jedoch weit darüber hinaus - vermutlich auch, weil im Südwesten die Kosten unabhängig von einer Empfehlung des Sozialministeriums oder der RKI-Impfkommission übernommen werden. Durch die Pandemie rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg seien die Menschen zudem „mehr sensibilisiert für das Thema“, erklärte ein Sprecher des Hausärzteverbands gegenüber der dpa.

Baden-Württemberg: Hohe Nachfrage nach Grippe-Impfung - Coronavirus hat „sensibilisiert“

Grund für die Engpässe ist, dass sich das Angebot nicht mit der aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg unerwartet hohen Nachfrage nach der Grippeimpfung deckt. Die Menge wurde wie üblich bereits im Frühjahr festgelegt sowie bestellt - und zwar anhand der Erfahrungen aus der Vergangenheit. Das liegt daran, dass der Wirkstoff Jahr für Jahr neu angepasst werden muss - zu viele bestellte Ampullen sind daher nach Ablauf der Saison wertlos und müssen vernichtet werden.

Laut KVBW ließen sich 2019 in ganz Deutschland 14 Millionen Menschen gegen Influenza impfen. Für die aktuelle Grippesaison wurden im Frühjahr 26,675 Millionen Impfdosen beschafft, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums der Neuen Osnabrücker Zeitung mitteilte. Stand 2019 würde diese Menge klar ausreichen - durch das Coronavirus in Baden-Württemberg sieht die Lage 2020 jedoch anders aus. Aufgrund der hohen Nachfrage stünden laut Bundesgesundheitsministeriums aktuell noch 7,4 Millionen Impfdosen bereit, um in den kommenden Wochen ausgeliefert zu werden.

Rubriklistenbild: © imago images / Hans Lucas

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