Zahlreiche offene Stellen

Baden-Württemberg: Mitarbeiter flüchten aus der Gastronomie - zum Leid der Kunden

  • Valentin Betz
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Die Corona-Inzidenz in Baden-Württemberg ist derzeit konstant niedrig. Der Alltag kehrt zurück, was besonders die Gastronomie freut. Doch die steht jetzt vor ganz anderen Problemen.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist auf dem Rückzug. Zwar stecken sich nach wie vor Menschen an, doch die 7-Tage-Inzidenz lag in Baden-Württemberg zuletzt bei gerade einmal 6,4. Im Südwesten kehrt deshalb zusehends der Alltag zurück. Auch für die Gastronomie in Baden-Württemberg traten Lockerungen in Kraft.

Die wegfallenden Auflagen müssten Gastronomiebetriebe in Stuttgart und Umgebung eigentlich in kollektive Freude versetzen. Doch während die Kunden ihre zurückgewonnene Freiheit wieder genießen wollen, indem sie Restaurants und Cafés besuchen, plagen Gastronomen neue Probleme. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, fehlen der Branche dringend benötigte Mitarbeiter.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Gastronomie wieder geöffnet - doch Mitarbeiter sind abgewandert

„Wir haben ein Riesenproblem“, erklärte Markus Hofherr gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Er ist ehrenamtlicher Vorsitzender der Stuttgarter Kreisstelle des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) und selbst Gastronom. Aufgrund des Lockdowns musste er vier Mitarbeiter seines Hotels ziehen lassen, die sich aufgrund des Coronavirus in Baden-Württembergs andere Jobs suchten.

Volle Biergärten, aber dünne Personaldecke: Durch das Coronavirus fehlen der Gastronomie in Stuttgart Mitarbeiter.

Im Großraum Stuttgart ist Markus Hofherr damit nicht alleine. Laut Dehoga Stuttgart ist fast jeder Vierte der insgesamt 13.500 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in den 2.500 Stuttgarter Betrieben der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Das entspricht 3.200 Stellen - Minijobs nicht eingerechnet. Dabei kommt noch erschwerend hinzu, dass durch die finanziellen Einbußen gerade die engagierten Fachkräfte der Gastronomie den Rücken kehrten, so Markus Hofherr.

Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg: Gastronomie hat Entwicklung verschlafen

Dabei hat das Coronavirus in Baden-Württemberg die bereits bestehenden Probleme der Gastronomie in Stuttgart noch zusätzlich verschärft. Bereits vor der Pandemie gab es einen Mangel an Auszubildenden im Gastronomiegewerbe - obwohl die Branche mit krisensicheren Arbeitsplätzen nach dem Motto „gegessen und getrunken wird immer“ warb. Das Coronavirus bewies das Gegenteil.

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) Region Stuttgart kritisiert die Branche deshalb auch scharf. „Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt“, so Geschäftsführer Hartmut Zacher gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Die Gewerkschaft schätzt, dass alleine in Stuttgart sogar 3.800 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte während der Corona-Pandemie aus der Gastronomie ausgestiegen sind.

Obwohl sich die Situation der Gastronomie durch rückläufige Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg extrem verbessert hat, sind die bereits abgewanderten Mitarbeiter für die Branche wohl verloren. Der Dehoga will deshalb mit einer Ausbildungsinitiative den Nachwuchs fördern und damit die klaffenden Lücken schließen.

Denn laut dem Geschäftsführer der Stuttgarter Dehoga, Jochen Alber, könnten etliche Gastronomiebetriebe aktuell nur mit eingeschränkten Öffnungszeiten oder zusätzlichen Schließtagen arbeiten - trotz Andrang der Kunden.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt

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